Zum 25. Todestag der Formel-1-Legende : Ayrton Sennas Spuren bleiben für immer

Am 1. Mai 1994 starb Ayrton Senna auf der Rennstrecke in Imola. Unsere Autorin erinnert sich an einen besonderen Rennfahrer und Menschen.

Ayrton Senna wurde nur 34 Jahre alt.
Ayrton Senna wurde nur 34 Jahre alt.Foto: Jean-Loup Gautreau/AFP

Der 1. Mai 1994 wird für immer eingebrannt sein in die Geschichte der Formel 1. Es war ein schöner, warmer Spätfrühlingstag damals vor 25 Jahren in Imola – und trotzdem ein Tag, der seine Schrecken nicht verliert. Denn die Erinnerungen bleiben: an den tödlichen Unfall von Ayrton Senna in der Tamburello-Kurve.

Es sind Erinnerungen an das sofortige Wissen um die schreckliche Wahrheit und die verzweifelte Hoffnung beim Warten, sich doch zu irren. An die Gedankenfetzen damals, an ein sehr persönliches Gespräch mit ihm – darüber, dass er größere Angst vor einem Leben mit einer schweren geistigen Behinderung als vor dem Tod habe. All das schwirrte mir damals durch den Kopf. Auch noch am Abend, als ich mich in der Tamburello-Kurve von einem Freund verabschiedete, während langsam die Sonne unterging.

Umso mehr versuche ich heute, vor allem die anderen, die schönen Bilder zu beschwören. Denn Ayrton Senna faszinierte nicht nur wegen seines fahrerischen Könnens, wegen seiner drei WM-Titel und 41 Rennsiege, sondern vor allem wegen seiner Persönlichkeit, seinem ganz speziellen Charisma.

Senna war so anders als viele andere Spitzensportler, mit seinen manchmal philosophischen Gedanken zu vielen Dingen auf der Welt, nicht nur zur Formel 1, sondern auch zu Religion und Glauben. Mit seinen starken Emotionen, die er nie verbarg, seinem Lächeln, das verzaubern konnte, und manchmal auch seinen Tränen. Sein Ziel war „immer, in jeder Sekunde, sein Bestes zu geben, die Suche nach dem Limit, das Herausschieben von Grenzen“. Seine Siege waren die beinahe logische Konsequenz davon.

Senna war so anders als viele andere Spitzensportler

Ihn zeichneten absolute Geradlinigkeit und ein fanatischer Gerechtigkeitssinn aus. Gepaart mit einer tiefen Sensibilität war das eine Kombination an Charaktereigenschaften, die es ihm in der Formel 1 nicht leicht machten. „Schlimmer als eine Niederlage ist es, betrogen zu werden“, betonte er immer wieder – und dafür kämpfte er Zeit seines Lebens.

Genauso, wie er für seine Heimat zu kämpfen begonnen hatte. Immer stolz darauf, Brasilianer zu sein, engagierte er sich, um vor allem Kindern und Jugendlichen aus den ärmsten Gesellschaftsschichten zu helfen. Kein Wunder, dass ihn die Brasilianer so liebten, ihn heute noch verehren.

Sein Wunsch wird freilich jetzt erst recht erfüllt. Durch die Stiftung, deren Grundlagen er noch selbst legte, die seinen Namen trägt und die von seiner Schwester Viviane geführt wird, werden zahlreiche Projekte in Brasilien unterstützt. Kritik gab es allerdings, als sich Viviane Senna im brasilianischen Wahlkampf doch sehr stark in die Nähe des rechtspopulistischen Jair Bolsonaro begab. Da sei Sennas Name für etwas missbraucht worden, das er selbst nie gut geheißen hätte, waren sich in Brasilien viele einig.

In Imola, wo einen Tag vor Senna schon der Österreicher Roland Ratzenberger im Qualifying tödlich verunglückt war, sind die Spuren des Unfalls lange verschwunden, die Tamburello-Kurve ist schon lange umgebaut. Aber viele andere Spuren sind geblieben. Wobei die, die der Mensch Ayrton Senna hinterließ, oft noch tiefer sind als die des Rennfahrers Senna in der Formel 1 – auch nach 25 Jahren. Und es wäre Senna wahrscheinlich wichtiger als alle Rekorde.

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