Zweite Liga : 1. FC Union: Statistisch gesehen ganz klar auf Erstliga-Kurs

Der 1. FC Union besiegt Ingolstadt und behauptet sich oben in der Tabelle. Prunkstück des Teams ist die Defensive.

Die Mannschaft von Berlin jubelt nach dem Treffer zum 0:2 gegen Ingolstadt.
Die Mannschaft von Berlin jubelt nach dem Treffer zum 0:2 gegen Ingolstadt.Foto: Armin Weigel/dpa

Akaki Gogia trommelte wild mit den Fäusten auf seiner Brust herum. Der Angreifer des 1. FC Union hatte gerade das vorentscheidende 2:0 beim FC Ingolstadt erzielt. Mitspieler Grischa Prömel hüpfte im Jubelrausch vor dem Block mit den 500 mitgereisten Union-Fans kurzerhand auf die Schultern Gogias.

Das hatte am Montagabend Symbolkraft. Die Köpenicker blieben auch bis zum Abpfiff oben auf, selbst wenn die zum vierten Mal in Folge verlierenden Ingolstädter durch einen Foulelfmeter von Stefan Kutschke noch auf 1:2 herankamen. „Wir haben fast nichts zugelassen. Wir gehen verdient als Sieger vom Platz. Es war eine grandiose Teamleistung von uns. Alle haben gearbeitet und gekämpft. Wir wurden dafür belohnt“, sagte Gogia nach seinem dritten Saisontor.  

Vor dem nächsten Heimspiel am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den 1. FC Heidenheim ist Union zumindest statistisch gesehen als Zweiter auf Erstliga-Kurs. Mit 16 Punkten aus acht Partien holten die Eisernen im Durchschnitt zwei Zähler pro Spiel. Bliebe es beim Zwei-Punkte-Schnitt stünden nach 34 Spieltagen 68 Zähler auf dem Konto. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung 1995 reichte das in jeder Spielzeit zum Aufstieg. Von dieser Rechnung wollen die Spieler aktuell aber wenig wissen. „Das lassen wir ganz weit weg von uns. So wie wir bisher gefahren sind, machen wir es weiter. Wir konzentrieren uns auf unsere Aufgaben“, meint Innenverteidiger Florian Hübner.

Die Organisation stimmt bei Union

Union ist quasi heimlich auf dem Weg in die Bundesliga. Der Auftritt bei den erschreckend schwachen Ingolstädtern war in jedem Fall sehr souverän. In der ersten Hälfte, die 6:0-Ecken für die Hauptstädter brachte, trat Union wie eine Heimmannschaft auf. Es schmeichelte den Gastgebern, dass sie nach einem Elfmetertor durch Sebastian Andersson lediglich mit 1:0 zurücklagen. Union ist nach dem achten Spieltag weiter die einzig ungeschlagene Elf der Liga. Die Mannschaft, die nun auch erstmals in dieser Serie auswärts triumphierte, stellt mit sechs Gegentoren weiter die beste Abwehr im Unterhaus. Union spielt in der Regel die Gegner nicht in Grund und Boden. Aber die „Organisation“, wie Chefcoach Trainer Urs Fischer die defensive Stabilität gern nennt, stimmt im Gegensatz zu vergangenen Serie aktuell.

Fischer hält einige Spieler des zu großen 28-Mann-Kaders mit Rotation bei Laune. Im Offensivbereich pendeln derzeit beispielsweise regelmäßig Felix Kroos, Robert Zulj, Marcel Hartel und Simon Hedlund zwischen Startelf und Bank. Beim 2:0 gegen Holstein Kiel dufte auch mal Linksverteidiger Christopher Lenz anstelle von Ken Reichel ran. „Der Trainer hat eine sehr gute Mischung, was das Rotieren angeht. Wenn es so weiter läuft, sind wir alle glücklich“, erklärt Hartel. Abwehrmann Hübner findet, dass die im Sommer durch den Trainerwechsel und etliche Neuzugänge umformierte Mannschaft von Woche zu Woche besser rein komme und immer mehr Vertrauen in die eigene Leistung habe.  „Dann spielt man so wie in Ingolstadt“, sagt Hübner.

Doch auch nach der mutmaßlich besten Saisonleistung bleibt Fischer in Sachen Euphorie eher ein Bremsklotz. Dass Union so vortrefflich gestartet ist und dem 1. FC Köln als erster Verfolger im Nacken sitzt, bringt den Schweizer nicht aus der Ruhe. „Gute Resultate sind auch wichtig. Sie bestätigen irgendwo den Weg, den man eingeschlagen hat. Dass es jetzt so optimal läuft, freut mich natürlich für alle“, sagt Fischer. „Das heißt aus meiner Sicht aber gar nichts. Es sind erst acht Runden gespielt. Es ist noch ein sehr langer Weg. Es geht mir vor allem um die Art und Weise wie meine Mannschaft spielt. Die hat mir in Ingolstadt gefallen.“

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