Tiermedizin : Richtfest für einen einmaligen Forschungsbau

In Düppel entsteht das Tiermedizinische Zentrum für Resistenzforschung der Freien Universität.

Jennifer Gaschler
Das Forschungsgebäude soll 2020 an die Freie Universität übergeben werden – hier eine Simulation des Architekturbüros
Das Forschungsgebäude soll 2020 an die Freie Universität übergeben werden – hier eine Simulation des ArchitekturbürosFoto: CC Gerber Architekten

„Die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen in der Tierhaltung ist ein Thema von globaler Bedeutung“, betonte Andrea Bör beim Richtfest des Tiermedizinischen Zentrums für Resistenzforschung (TZR). „Hier entsteht das erste Zentrum, das sich der Resistenzentwicklung bei allen Infektionserregern in der Tiermedizin widmet, also nicht nur bei Bakterien, sondern auch bei Viren und Parasiten“, sagte die Kanzlerin der Freien Universität Berlin. Der moderne, dreistöckige Flachdachbau steht auf dem Campus Düppel im Südwesten Berlins, wo in ländlicher Gegend fast die gesamte Veterinärmedizin der Freien Universität angesiedelt ist. Gegenüberliegend befindet sich das 2014 eröffnete Robert-von-Ostertag-Haus, das sich vor allem der veterinären Infektionsmedizin widmet und nach dem Tiermediziner und Hygieniker benannt ist. Beide Gebäude sollen Andrea Bör zufolge gestalterisch korrespondieren, deshalb werde das TZR ebenfalls eine Ziegelfassade erhalten.

Im gut gefüllten zukünftigen Foyer des neuen Forschungsgebäudes hatten sich zum Richtfest auch Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in Berlin, und Hermann-Josef Pohlmann, Abteilungsleiter Hochbau der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, eingefunden. Zu den Gästen zählten darüber hinaus weitere Universitätsangehörige wie Professor Uwe Rösler vom Institut für Tier- und Umwelthygiene und derzeitiger Sprecher des TZR, Architekt Michael Halbeisen sowie zahlreiche Bauarbeiter. „Viele Kolleginnen und Kollegen der Veterinärmedizin an der Freien Universität haben in ihrem jeweiligen Fachgebiet führende Expertise im Bereich der antimikrobiellen Resistenzen“, sagte Professor Uwe Rösler. Sie alle würden in dem Zentrum fachübergreifend neue diagnostische, therapeutische und hygienische Maßnahmen erforschen, um die Entstehung und Ausbreitung resistenter Bakterien, Viren und Parasiten bei Haus- und Nutztieren künftig besser eindämmen zu können. Die Forschung solle helfen, die Therapie und Haltung von Nutz- und Haustieren zu verbessern und so zur Produktion sicherer tierischer Lebensmittel beitragen.

Tiermediziner vereinen Grundlagendisziplinen und klinische Forschung

Erstmals in Deutschland vereinen die Tiermediziner zu diesem Thema Grundlagendisziplinen und klinische Forschung. „Ziel der Forschung im neuen Zentrum ist es, die Häufigkeit von Infektionskrankheiten mit multiresistenten Erregern in der Tiermedizin, und damit letztlich auch in der Humanmedizin zu verringern“, sagte Staatssekretär Steffen Krach. „Mit dieser innovativen Forschungsagenda wird das Gebäude auch international Maßstäbe setzen.“ Der Neubau sei zudem ein weiterer Schritt zur Stärkung der herausragenden lebenswissenschaftlichen Forschung an der Freien Universität und am Wissenschaftsstandort Berlin insgesamt.

90 Arbeitsplätze werde es im TZR geben, sagte Andrea Bör. Geplant sind Labore, Kommunikations- und Technikräume sowie Tierhaltungsräume mit Bedingungen, die der derzeitigen Praxis in der Nutztierhaltung entsprechen. Dabei seien die Sicherheits- und Hygienemaßstäbe extrem hoch, wie die Kanzlerin unterstrich, vor allem in Bezug auf die Klimatechnik und Abwasseraufbereitung. Stolz sei sie auf die „zeitgemäße Nachhaltigkeit“ des Neubaus, etwa die Fotovoltaik-Anlage und die vorgesehene Dachbegrünung. Die Kanzlerin bedankte sich noch einmal ausdrücklich beim Bezirk Steglitz-Zehlendorf, der der Freien Universität das Grundstück für den Forschungsbau übertragen hatte.

Finanziert wird das Tiermedizinische Zentrum für Resistenzforschung durch das Bund-Länder-Förderprogramm für Forschungsbauten an Hochschulen nach Artikel 91b des Grundgesetzes. Die Kosten von rund 41 Millionen Euro tragen das Land Berlin und der Bund gemeinsam, die Freie Universität beteiligt sich mit 1,1 Millionen Euro.

Das TZR ist bereits das dritte Bauprojekt, das die Freie Universität erfolgreich beim Bund-Länder Förderprogramm beantragt hat. Bedingung für die Förderung war es, Planung, Bau und Inbetriebnahme innerhalb von fünf Jahren zu realisieren, „ein durchaus enges Zeitfenster“, wie Hermann-Josef Pohlmann von der Senatsverwaltung anmerkte. Im Frühjahr 2020 soll das Tiermedizinische Zentrum für Resistenzforschung an die Freie Universität übergeben und in Betrieb genommen werden. Jennifer Gaschler