Restaurantführer in der Krise : Gault&Millau verliert Chefredaktion

Was wird aus den bekannten Restaurantguides, wenn die Restaurants geschlossen sind? Die Chefredakteurinnen des "Gault&Millau" haben jetzt aufgegeben

Bild aus besseren Tagen: Chefredakteurin Patricia Bröhm (Gault&Millau), Jürgen Brandt (GF ZS Verlag), Chefredakteurin Britta Wiegelmann (Gault&Millau-Weinguide) bei der Gala 2019 in Berlin
Bild aus besseren Tagen: Chefredakteurin Patricia Bröhm (Gault&Millau), Jürgen Brandt (GF ZS Verlag), Chefredakteurin Britta...Foto: Ben Fuchs für ZS Verlag

Allerhand geunkt wird schon seit Wochen. Was wird aus den Restaurantführern, wenn es keine Restaurants zum Testen gibt?
Gwendal Poullenec, der internationale Chef des Guide Michelin, hat sich schon zu Wort gemeldet und betont, dass seine Arbeit weitergehe: „Wo immer Sie auch sind, welche Art von Restaurant Sie auch betreiben, wir werden auf jede erdenkliche Weise mit Ihnen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Situation so schnell und sicher wie möglich wieder zur Normalität zurückkehrt."
Und weiter: „Ein Michelin-Stern und all unsere Auszeichnungen werden im Jahr 2021 die gleiche Bedeutung haben wie immer.“

Beim Gault&Millau ist das nicht so. Er kann zwar ohnehin keine zentrale Aussage formulieren, weil die russischen Eigner der Marke Länderlizenzen vergeben – aber in Deutschland stehen sie gegenwärtig nach fast 40 Jahren vor einem Scherbenhaufen.
Denn sowohl Patricia Bröhm, die Chefredakteurin des Restaurantguides, als auch Britta Wiegelmann, die den Weinguide leitet, haben hingeworfen, offenbar, nachdem sie näheren Einblick in die Pläne der Markeneigner erhalten hatten.
Ohnehin war die Situation unklar, nachdem der ZS-Verlag schon zum Jahresende die Zusammenarbeit mit Gault&Millau aufgekündigt hatte und somit ein regulärer Testbeginn auch schon vor Corona kaum noch möglich war.

Die Reaktionen im Netz lassen – nicht überraschend – vor allem Schadenfreude erkennen, allerdings gehen die Meinungen auseinander über die Frage, ob Restaurantführer in der aktuellen Situation a) ganz besonders oder b) überhaupt nicht mehr gebraucht werden.
Ganz offensichtlich ist man beim deutschen Gault&Millau vor allem am Aufbau einer zeitgemäßen Online-Präsenz gescheitert – mangelnde Unterstützung der Markeneigner war auch das wichtigste Sachargument, mit dem auch der ZS-Verlag seinen Ausstieg begründet hatte.

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