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Finanzielle Zukunft : Junge Leute sehen sich schlechtergestellt als frühere Generationen

Nur 38 Prozent der sogenannten Millennials glauben, sich künftig große Investitionen leisten zu können. Banken vertrauen sie beim Vermögensaufbau nicht.

Digital statt Analog: Das wünschen sich junge Menschen von ihren Banken.
Digital statt Analog: Das wünschen sich junge Menschen von ihren Banken.Foto: dpa

Sparen fürs Eigenheim? Was früher noch das Ziel vieler jungen Menschen war, ist heute allenfalls ein Wunschtraum. Denn viele Millennials, also Personen aus der Generation zwischen 18 und 38 Jahren, schätzen ihre finanzielle Zukunft pessimistisch ein. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des schwedischen Zahlungsdienstleisters Klarna, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt.

Zwar gaben fast zwei von drei Millennials an, regelmäßig Geld für die Zukunft zur Seite zu legen. Allerdings sind nur 38 Prozent der jungen Menschen der Meinung, sich künftig große Investitionen leisten zu können – zum Beispiel ein Eigenheim. Und nur jeder Dritte ist zuversichtlich, im Alter genügend Rücklagen zu haben. Auch im Vergleich zu anderen Generationen sehen sich Millennials schlechtergestellt.

So glaubt mehr als die Hälfte der jungen Menschen, dass der Vermögensaufbau heute schwieriger ist als für frühere Generationen. Wohl auch deshalb hat die Generation im Alter zwischen 18 und 38 Jahren am wenigsten Angst vor Schulden. Während mehr als die Hälfte der über 55-Jährigen das einzige finanzielle Ziel hat, keine Schulden zu machen, sehen das nur 37 Prozent der Millennials so.

Millennials vertrauen keinen Banken

Ist das eine Chance für die Banken? Eher nicht. Denn mit einem Finanzberater teilen die Jüngeren ihre Sorgen nur selten. Der Grund: mangelndes Vertrauen. Weniger als jeder Zehnte gab an, dass klassische Banken die glaubwürdigste Quelle für die Finanzberatung ist. Jeder fünfte Befragte zwischen 18 und 38 Jahren findet es sogar schwierig, sich überhaupt auf einen Finanzdienstleister zu verlassen. Skeptischer ist im Vergleich nur die Gruppe der Senioren.

Das stellt auch die Institute vor Herausforderungen: „Die Sorge um die finanzielle Sicherheit und der gleichzeitige Vertrauensverlust von Finanzunternehmen zeigt, dass hier eine Lücke entstanden ist“, sagt Robert Bueninck, Deutschlandchef von Klarna. Für die Bankenindustrie sei also entscheidend, Produkte und Kommunikation anzupassen. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, wie groß der Bedarf nach einer völlig neuen Rolle von Finanzdienstleistern ist.“ Laut Studie verlangen die Millennials vor allem nach mehr Transparenz der Banken bei deren Konditionen. Aber auch bessere Digitalangebote sind gefragt.

Rat der eigenen Familie

Beratung könnten die Jüngeren durchaus gebrauchen. Unter den Millennials fühlen sich nur 45 Prozent der Befragten versiert im Umgang mit ihren Finanzen. In der Gruppe der 39- bis 44-Jährigen sind es 53 Prozent. Es sind nicht die sozialen Netzwerke oder zum Beispiel Influencer, denen die jungen Menschen bei der Geldanlage mehrheitlich vertrauen. Sie setzen stattdessen lieber auf die Hilfe der eigenen Familie. Mehr als jeder Dritte verlässt sich am meisten auf den Rat der Eltern oder der Geschwister.

Dazu passt auch, dass Millennials eher dazu bereit sind, offen über Finanzthemen zu diskutieren als ältere Menschen. Fast die Hälfte der Befragten sprechen beispielsweise über ihre Gehälter im Freundes- und Familienkreis. Bei den 39- bis 44-Jährigen ist es lediglich jeder Dritte.

Eine Ausnahme bildet die eigene Beziehung. Mehr als jeder dritte junge Mensch weiß nicht, was der eigene Partner verdient. Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Censuswide mehr als 2000 Menschen in Onlineinterviews befragt.