Anpassung der Maßeinheiten : Das Gewicht des Kilogramms wird neu definiert

Das Ur-Kilo hat an Masse verloren. Am Freitag wollen Wissenschaftler neue Maßeinheiten festlegen. Für Verbraucher ändert sich aber nichts.

Ein Kilo ist ein Kilo ist ein Kilo? Nicht unter Nano-Gesichtspunkten.
Ein Kilo ist ein Kilo ist ein Kilo? Nicht unter Nano-Gesichtspunkten.Foto: Christophe Ena/dpa

Revolution in Versailles: Zumindest in der Metrologie, der Wissenschaft vom präzisen Messen, wird am Freitag nahezu alles auf den Kopf gestellt. Auf der Generalkonferenz für Maß und Gewicht sollen Vertreter von 60 Staaten über ein neues Einheitensystem abstimmen. Das Kilogramm, Ampere (Stromstärke), Mol (chemische Stoffmenge) und Kelvin (Temperatur) werden dabei neu definiert. Experten rechnen mit großer Zustimmung für die Neuordnung in der Welt des Messens.

Eine Mehrheit für das Internationale Einheitensystem (SI, Système international d’unités) bedeutet aber nicht, dass Verbraucher sich neue Waagen kaufen müssen. Die Änderungen seien im täglichen Leben nicht bemerkbar, sagt Jens Simon, Sprecher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Ihm zufolge werden Mängel des bisherigen Systems beseitigt und eine universelle Sprache für eine hoch technische Welt geschaffen. Am 20. Mai 2019, dem Weltmetrologietag, solle das neue Einheitensystem in Kraft treten.

Das Ur-Kilo wird in einem Tresor in Paris verwahrt

Allein bei der PTB waren mehr als 50 Forscher an der Entwicklung beteiligt. Insgesamt würden rund um den Globus sicher Hunderte Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker von den nationalen Metrologie-Instituten wie etwa dem National Institute of Standards and Technology (NIST) in den USA zusammenkommen.

Die Gewichte werden auch mit neuen Maßeinheiten nicht leichter: Nadine Hüschert, Gewichtheberin vom TSC Berlin.
Die Gewichte werden auch mit neuen Maßeinheiten nicht leichter: Nadine Hüschert, Gewichtheberin vom TSC Berlin.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Mit Mängeln im alten System ist auch gemeint, dass das Ur-Kilogramm und seine Kopien sich zum Teil in ihrer Masse um ein halbes Mikrogramm (Millionstel Gramm) pro Jahr unterscheiden. Ein unhaltbarer Zustand für die Forscher. Bislang diente das seit Ende des 19. Jahrhunderts in einem Tresor in der Nähe von Paris verwahrte Ur-Kilo als Grundmaß aller Gewichte. Es hatte jedoch in den vergangenen Jahrzehnten an Masse verloren, ein Ersatz musste her. Auch weil viele andere Einheiten wie das Mol oder das Ampere vom Kilo abhängig waren. „Hat das Kilogramm ein Problem, haben es die anderen Einheiten automatisch auch“, hieß es in einer PTB-Veröffentlichung.

Naturkonstanten sind das Stabilste, was die Physik kennt

In einer Mess-Welt, die weder beim Nanometer (Millionstel Millimeter) noch bei der Femtosekunde (Millionstel einer Milliardstel Sekunde) aufhört, sind Schwankungen verpönt. Deshalb nun also die Einigung auf das Stabilste, was die Physik bisher kennt: Naturkonstanten wie die Lichtgeschwindigkeit, die Ladung des Elektrons oder das Planck’sche Wirkungsquantum bestimmen bald alle physikalischen Einheiten. So soll beispielsweise das Kilogramm mithilfe der Naturkonstanten definiert werden. Auf der Körperwaage im Bad aber bleibt ein Kilogramm gleich schwer. (dpa)

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