Illegaler Grenzübertritt : Hoffnung für Milchkuh Penka

Der unerlaubte Ausflug ins benachbarte Serbien hätte das bulgarische Hausrind Penka fast das Leben gekostet. Doch der internationale Protest zeigte Wirkung.

Thomas Roser
Auch eine Kuh braucht ein Zuhause. Diese hier hat es auf einer Salzwiese in der niedersächsischen Gemeinde Hagermarsch, im Hintergrund der Leuchtturm der ostfriesischen Insel Norderney.
Auch eine Kuh braucht ein Zuhause. Diese hier hat es auf einer Salzwiese in der niedersächsischen Gemeinde Hagermarsch, im...Foto: Matthias Balk/dpa

Seit Tagen hält das Schicksal der achtjährigen Milchkuh Penka Bulgarien in Atem: Das Hausrind sollte einen leichtsinnigen Ausflug über die EU-Außengrenze nach Serbien mit dem Leben bezahlen. Doch womöglich zeichnet sich sich nun eine Rettung ab.

Mitte Mai war die dunkelbraune Penka aus der siebenköpfigen Herde des 60 Jahre alten Bauern Iwan Charalampiew verschwunden. Vielleicht habe sie die Witterung eines Wolfs oder Bären verschreckt, vermutet ihr Besitzer. Groß war seine Freude, als ihn zwei Wochen später ein Anruf aus dem nahen Serbien erreichte, dass Penka auf einer Weide im 40 Kilometer entfernten Bosilegrad gefunden worden sei: Ihre bulgarische Ohrmarke hatte die serbischen Behörden auf die Spur ihres Besitzers gebracht.

Erleichtert brach der Bauer zur Heimholung auf. Doch obwohl ein Attest eines serbischen Veterinärs Penka eine tadellose Gesundheit bescheinigte, wurde dem Bauern bei der Rückführung von einem bulgarischen Tierarzt eröffnet, dass Penka als illegal eingeführte Kuh ihr Leben aushauchen müsse: Laut EU-Vorschriften sei die unkontrollierte Einfuhr von Rindern aus Nicht-EU-Staaten verboten.

Die zuerst von Bulgariens Staatsfernsehen BNT im Balkanstaat verbreitete Kunde von der drohenden Todesstrafe für die angeblich schwangere „Flüchtlingskuh“ sorgte auf dem ganzen Kontinent für heftige Proteste von Tierschützern und empörte Medienreaktionen. Die vom britischen „Daily Telegraph“ initiierte Petition „Rettet Penka, die schwangere Kuh“ wurde in wenigen Tagen von über zehntausenden Sympathisanten unterzeichnet.

Den „unwiderstehlichen Freiheitsdrang“ der Kuh würdigt derweil die bulgarische Agentur „Monitor“: „Penka ist ein Held. Macht sie nicht zum ersten Märtyrer des vereinten Europas.“

Doch möglicherweise ist für die illegale Grenzgängerin nun die Rettung vor dem Schlachthaus in Sicht. Beeindruckt von der Welle der Proteste hat Bulgariens Agrarminister Rumen Poroschanow angekündigt, überprüfen zu lassen, ob für die illegale Grenzgängerin eine Ausnahmeregelung gemacht werden könne. Aber zu ihrer Rettung muss sich die Wanderkuh nun auch von bulgarischen Veterinären bis zum Ende der Woche einen makellosen Gesundheitszustand bescheinigen lassen.

Ein überraschender Befund aus ihrer derzeitigen Quarantäne hat ihre besorgten Fans bereits jetzt erreicht: Trächtig ist Penka jedenfalls nicht.

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