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Im zweiten Monat in Folge fällt die Inflation - auch wegen des Neun-Euro-Tickets.
© Arne Dedert/dpa

Kostenschub im Herbst erwartet: 9-Euro-Ticket drückt die deutsche Inflation vorerst

Öl und Eier wurden teurer, der Nahverkehr günstiger. Insgesamt sank die Preissteigerung leicht ab. Im Herbst fürchten Experten jedoch erneuten Inflationsdruck.

Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket haben die deutsche Inflationsrate im Juli den zweiten Monat in Folge fallen lassen. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch eine frühere Schätzung bestätigt.

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Im Mai war die Teuerungsrate mit 7,9 Prozent so hoch ausgefallen wie seit dem Winter 1973/74 nicht mehr, ehe sie wegen der staatlichen Entlastungen im Juni auf 7,6 Prozent fiel.

Experten warnen aber vor steigendem Inflationsdruck im Herbst, wenn nicht nur Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket auslaufen, sondern ab Oktober zusätzlich die Gas-Umlage erhoben wird. „Dies stellt für die Bürger einen massiven Kostenschub dar“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

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Energie bleibt Preistreiber Nummer 1

Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden seien Mehrkosten zwischen 300 und 1000 Euro pro Jahr zu erwarten. „Im Extremfall werden das Ende des Neun-Euro-Tickets und des Tankrabatts, die üblichen Gaspreiserhöhungen sowie die Gas-Umlage die deutsche Inflationsrate etwa drei Prozentpunkte nach oben treiben“, sagte Krämer. „Die Inflationsrate wäre dann im vierten Quartal zweistellig.“

Energie verteuerte sich im Juli wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine um 35,5 Prozent und bleibt damit Preistreiber Nummer eins. Allerdings war das Plus im Juni mit 38,0 Prozent noch höher ausgefallen.

Preisaufschlag bei Strom und Nahrungsmittel, Nachlass im Nahverkehr

Der Preisaufschlag bei Strom betrug 18,1 Prozent und hat sich vor allem infolge der Abschaffung der EEG-Umlage abgeschwächt (Juni: +22,0 Prozent). Kraftstoffe verteuerten sich auch infolge des Tankrabatts nur noch um 23,0 Prozent (Juni: +33,2 Prozent, Mai: +41,0 Prozent). Die Preise für leichtes Heizöl haben sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt.

Die Preise sowohl für die Bahntickets im Nahverkehr (-43,9 Prozent) als auch für die kombinierten Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches (-63,0 Prozent) gaben wegen des Neun-Euro-Tickets stark nach. Nahrungsmittel kosteten hingegen 14,8 Prozent mehr als im Juli 2021.

Verbraucherpreise stiegen um 0,9 Prozent

„Damit hat sich der Preisauftrieb den fünften Monat in Folge verstärkt“, betonten die Statistiker. Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, das heißt diese können sich für einen Euro weniger leisten.

Vor allem Preissprünge bei Energie infolge des Ukraine-Krieges und steigende Lebensmittelpreise heizen die Inflation in Europas größter Volkswirtschaft seit geraumer Zeit an. Im Vergleich zu Juni stiegen die Verbraucherpreise im Juli um 0,9 Prozent. Auch hier bestätigte die Behörde eine erste Schätzung.

Erheblich teurer wurden Speisefette und Speiseöle (+44,2 Prozent) sowie Molkereiprodukte und Eier (+24,2 Prozent). Fleisch und Fleischwaren kosteten 18,3 Prozent mehr.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juli angesichts der rekordhohen Inflation in der Währungsunion erstmals seit 2011 ihren Leitzins angehoben und beabsichtigt im September nachzulegen. Dadurch steigen die Kreditkosten für Verbraucher wie Unternehmen, worunter Konsum und Investitionen weiter leiden dürften. Das wiederum könnte der ohnehin schwächelnden Konjunktur zusetzen. (AFP)

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