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Tesla-Chef Elon Musk.

© imago images/Xinhua

Tagesspiegel Plus

Von Elon Musk profitieren?: Was für den Kauf der Tesla-Aktie spricht – und was dagegen

Eine halbe Million Fahrzeuge will Tesla in diesem Jahr produzieren. Anleger könnte das reizen einzusteigen. Doch kann das gutgehen?

Von Andreas Oswald

Schon wieder ist die Tesla-Aktie gestiegen und steht davor, alte Höchststände wieder zu erklimmen. Mancher Anleger dürfte nun von dem Wunsch erfasst werden einzusteigen. Tesla, die neue Apple-Story, Elon Musk, der neue Steve Jobs  – so sehen das manche. Er gilt als Superstar der Investoren, Visionär mit Show-Qualitäten, schillernd und manchmal ein wenig entrückt.

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Wie es mit seinem Elektroauto weiter geht, das könnte er kürzlich aus Versehen verraten haben. Bei seinem gefeierten Besuch in Deutschland landete er mit seiner Privatmaschine in Braunschweig. Noch auf der Landepiste stieg er auf der Fahrerseite in einen neuen ID.3 ein, das Vorzeige-Elektroauto von Volkswagen.

Auf dem Beifahrersitz saß VW-Chef Herbert Diess. Elon Musk gab Gas. Wie die "Financial Times" erfahren haben will, sagte er nach der Spritztour zu Diess: "Für einen Nicht-Sportwagen ist er ziemlich gut".

Ist VW ein ernst zu nehmender Konkurrent?

Ein solcher Satz muss nichts aussagen, aber wenig später sagte er in der Rede zu seinem groß angekündigten "battery day", er plane einen Kleinwagen für Tesla. Er soll in drei Jahren auf den Markt kommen. Es wäre eine Konkurrenz für VWs ID.3.

Elon Musk, Tesla-Chef, steht auf der Baustelle der Tesla Gigafactory bei Berlin.
Elon Musk, Tesla-Chef, steht auf der Baustelle der Tesla Gigafactory bei Berlin.

© dpa

Doch: Drei Jahre sind eine lange Zeit. Kann Tesla mit mehrjähriger Verspätung in diesen Markt eindringen, VW ernsthaft Konkurrenz machen? Für Anleger ist die Frage wichtig. Denn wie es mit der Aktie des Elektrobauers weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, ob der Konzern den Massenmarkt erobern kann.

Für Tesla spricht, dass der Konzern technologisch einen mehrjährigen Vorsprung vor Wettbewerbern hat, jedenfalls ist das eine verbreitete Ansicht. Sie wird unter anderem untermauert durch offizielle US-Zahlen, wonach Teslas Standardmodell S 3,2 Meilen pro Kilowattstunde schafft, ca. 50 Prozent mehr als Audis etron und Porsches Taycan.

Tesla gilt als Vorreiter beim Bau von Elektroautos.
Tesla gilt als Vorreiter beim Bau von Elektroautos.

© imago images/Winfried Rothermel

Aber kann Tesla diesen Vorsprung auch halten? Die Welt kann sich schnell ändern. So beherrschten noch vor eineinhalb Jahren andere Tesla-Nachrichten die Schlagzeilen: Von drohendem Bankrott war die Rede, von der Unfähigkeit des Konzerns, geplante Stückzahlen zu produzieren und zu liefern, und von einem Mangel an Bauteilen, die benötigt wurden.

Die Sache mit der Haschischzigarette

Extrovertierte Auftritte von Elon Musk – er holte in einem Radiostudio eine Haschischzigarette hervor, zündete sie sich an und sagte Dinge, die nicht für jeden verständlich waren – taten ihr übriges, an der Seriosität seiner Projekte zu zweifeln.

Seither hat sich allerdings vieles geändert. Tesla kann inzwischen die einst in Aussicht gestellten Stückzahlen produzieren, ist seit vier Quartalen in den schwarzen Zahlen und hat keine Probleme mehr, sich zu finanzieren. Dies und der technologische Vorsprung sind vier gewichtige Gründe, die dafür sprechen, dass Tesla eine blühende Zukunft erwarten kann.

Dem Elektroauto gehört die Zukunft

Die Coronakrise hat ebenfalls geholfen. Während die Verkaufszahlen herkömmlicher Autobauer einbrachen, fuhr Tesla unbeschadet durch die Krise.

Elon Musk setzt sich ambitionierte Ziele.
Elon Musk setzt sich ambitionierte Ziele.

© John Raoux/dpa

Dazu kommt: Die Aussichten für Elektroautos sind hervorragend. Laut McKinsey wird im Jahr 2030 jedes zweite in der EU und in China verkaufte Auto elektrisch angetrieben.

Was gegen den Kauf der Aktie spricht

Zweifelnde Fragen, ob Tesla den Vorsprung und den Show-Hype noch mehrere Jahre aufrecht erhalten kann, sind noch keine gewichtigen Gründe, die gegen die Aktie sprechen. Ein Grund ist allerdings die Überbewertung. Trotz zwischenzeitlichen Einbruchs hat sich die Aktie wieder erholt und notiert nahe ihren Höchstständen. Tesla ist an der Börse etwa so viel wert wie die folgenden fünf größten Automobilbauer zusammen. Dabei produzierte Tesla 2019 nur 368 000 Fahrzeuge, Volkswagen allein dagegen 11 Millionen.

Nach Angaben von Bloombergs Marktanalyst John Authers bewegt sich die Tesla-Aktie "weit jenseits von allem, was fundamentale Daten rechtfertigen könnten, so dass es fair ist zu sagen, dass sie eine Korrektur nötig hat, wobei es lächerlich wäre zu implizieren, dass ein Fall um 10 Prozent ausreichend wäre".

Elon Musk macht beim ersten Richtfest auf der Baustelle in Grünheide Selfies.
Elon Musk macht beim ersten Richtfest auf der Baustelle in Grünheide Selfies.

© Geisler-Fotopress

Wer die Tesla-Aktie kaufen möchte, könnte vorher darüber nachdenken, wie er sich fühlen würde, wenn eine solche Korrektur kommt. Einen Vorgeschmack bot Anfang September ein Kursverfall der Aktie um 21 Prozent an einem einzigen Tag. Grund war die Nachricht, dass Tesla nicht in den wichtigen Index S&P 500 aufgenommen wird.

Seither geht es aber wieder aufwärts. Und damit das Fieber der Anleger, die dabei sein wollen.

Was sagen Banken und Fondshäuser?

Die Analysten der großen Banken und Fondshäuser sind überwiegend vorsichtig. Eine Kaufempfehlung gibt derzeit einzig noch Jeffries aus. JPMorgan empfiehlt, die Aktie unterzugewichten, Bernstein Research und RBC trauen Tesla nur ein "Underperform" zu. Eine neutrale Bewertung - "Halten" - gaben zuletzt Goldman Sachs, UBS und Credit Suisse ab. Ein gemischtes Bild also von dieser Seite, mit leichter Tendenz zur Skepsis.

Der entscheidende Grund, Tesla nicht zu kaufen, ist also die Überbewertung an der Börse. Wird Tesla die extrem hohen Erwartungen, die sich in dem hohen Kurs ausdrücken, erfüllen können? Oder gar übertreffen können? Letzteres wäre notwendig, wenn der Kurs langfristig weiter stark ansteigen sollte.

Es gibt noch eine letzte Überlegung

Anleger, die auf Einzelaktien setzen, haben nicht oft Glück. Einer Studie von Hendrik Bessembinder von der Arizona State University zufolge generiert nur ein kleiner Anteil aller Aktiengesellschaften - vier Prozent - die gesamte Überrendite des Aktienmarkts gegenüber Staatsanleihen. Wie wahrscheinlich ist es, dass Anleger diese wenigen Aktien identifizieren?

Es sind also wenige Aktien, die den Gewinn bringen. Tesla könnte eine solche Aktie sein. So wie vorher Apple, Amazon, Microsoft oder Exxon Mobil. Oder sie ist es nicht.

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