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Wohnungstausch

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Alternativen zu Immoscout24 und Co.: Wie Sie eine Wohnung finden, wenn die großen Portale nichts hergeben

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die besten Wohnungen häufig schon einen neuen Eigentümer oder Mieter finden, bevor sie hier ausgestellt werden. Zum Glück gibt es andere Wege.

Von Sabine Hölper

| Update:

Wohnungssuchende, egal ob sie kaufen oder mieten möchten, sehen sich in der Regel auf den beiden Internetportalen Immoscout24 und Immowelt um. Fündig werden sie dort aber immer seltener. Beide Webseiten listen recht wenige freie Wohnungen auf. Die Angebote sind zudem oft sehr teuer.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die besten Wohnungen schon einen neuen Eigentümer oder Mieter finden, bevor sie hier ausgestellt werden. Zum Glück gibt es Alternativen. Jeder Wohnungssuchende sollte sie kennen.

Die Suchportale richtig nutzen

Selbstverständlich sollte man dennoch die großen Portale Immoscout24 und Immowelt nutzen – dann aber am besten in Verbindung mit den angebotenen Zusatzfunktionen. Kostenfrei und einfach ist, sich zu registrieren und die Suchkriterien abzuspeichern.

In der Folge werden dem Interessenten mindestens einmal täglich alle neu eingestellten Inserate übermittelt. Ebenfalls kostenlos kann der Suchende seine Profildaten wie etwa Anzahl der einziehenden Personen, Haushaltseinkommen etc. hinterlegen. Er entscheidet dann bei jeder Anfrage neu, ob diese an den Wohnungsanbieter weitergereicht werden sollen.

Noch größer sind die Chancen auf eine Besichtigung, sofern man ein bisschen Geld investiert. Für zwischen knapp 20 und 30 Euro (je nach Vertragslaufzeit) pro Monat kann man zum Beispiel bei Immoscout24 eine sogenannte Plus-Mitgliedschaft erwerben. Damit kann man eine digitale Bewerbermappe mit formellen Einkommensnachweisen, Schufa-Bonitätscheck und anderen Daten anlegen.

Immobilienscount24 heißt inzwischen Immoscout24 und ist die größte Wohnungsplattform in Deutschland.
Immobilienscount24 heißt inzwischen Immoscout24 und ist die größte Wohnungsplattform in Deutschland.

© imago/Schöning

Diese kann der Anbieter nach Freigabe mit einem Klick einsehen. „Außerdem schlagen wir dem Suchenden anhand des Profils weitere passende Immobilien vor“, heißt es von Immoscout24. Der größte Vorteil für Plus-Mitglieder dürfte aber folgender sein: Diverse Inserate von privaten Anbietern können in den ersten 48 Stunden nur von ihnen gesehen werden.

Alternative digitale Anbieter

Das Prinzip „Mieter sucht Vermieter“ setzen einige jüngere Unternehmen um, etwa das Berliner Start-up Housy, das Ingolstädter faceyourbace oder das Hamburger Immomio. Sie alle verfahren nach dem Prinzip: Der Wohnungssuchende definiert seine Suchkriterien und registriert sich mit seinen Daten. Sobald eine neue Wohnung hereinkommt, die den Kriterien entspricht, wird der Suchende informiert.

Bei Interesse lässt er dem Vermieter seine Daten zukommen – und ist damit im engeren Bewerberkreis. Die genaue Vorgehensweise unterscheidet sich minimal. Bei Faceyourbase etwa lädt man keine Dokumente hoch, sondern legt diese erst bei Besichtigung vor. Die ersten zehn Bewerber, die auf ein Inserat reagieren, bekommen die Möglichkeit zur Besichtigung.

Diverse Apps erweitern die Möglichkeiten, die man als Wohnungssuchender hat.
Diverse Apps erweitern die Möglichkeiten, die man als Wohnungssuchender hat.

© imago images/Seeliger

Bei Housy indes lädt man die Unterlagen hoch, sodass der Vermieter sie bereits vor einem potenziellen Termin studieren kann. Eingeladen werden laut Housy-Geschäftsführer Sebastian Melchert dann „rund acht bis 15 Personen“. Für Mietinteressenten ist dieser Service, anders als etwa bei Immoscout24, kostenfrei. Der große Vorteil dieser Vorgehensweise: Der Vermieter lädt lieber Interessenten ein, von denen er sich vorher schon ein Bild machen konnte. Wird mann dann eingeladen, konkurriert man nur mit wenigen anderen.

Ferner hat man laut Housy-Chef Melchert Zugang zu tendenziell günstigeren Wohnungen. „Es gibt gute Objekte ab fünf, sechs Euro pro Quadratmeter“, sagt er. Es spricht nichts dagegen, sich auf allen Portalen zu registrieren. Am aussichtsreichsten erscheint jedoch die Zusammenarbeit mit Housy. Während zum Beispiel faceyourbase laut Vorstand Christian Dau „rund 250 Wohnungen in ganz Deutschland pro Jahr“ vermittelt, spricht Housy-Chef Melchert von „etwa 3000 Wohnungsvermittlungen in sechs Monaten“ – vornehmlich in Berlin und Brandenburg.

Wohnungen bei Kleinanzeigen

Neben den genannten Portalen gibt es weitere, die man nutzen sollte. Dazu gehören etwa ebay-kleinanzeigen.de, wg-gesucht.de oder wohnungsboerse.net. Zum Teil stößt man hier zwar auf die gleichen Anzeigen wie auf Immoscout24 oder Immowelt.

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Es finden sich aber immer auch Wohnungen, die exklusiv angeboten werden. Vor allem inserieren auf diesen Webseiten Privatleute. Die Chance auf eine eher günstige Wohnung ist somit größer.

Tauschen statt kaufen

Eine Alternative der etwas anderen Art lautet Wohnungstausch. Eine der wichtigsten Plattformen ist tauschwohnung.com. Hier registrieren sich Menschen, die sich verändern wollen, etwa verkleinern oder vergrößern oder in eine andere Stadt ziehen.

Zwei Wohnungen werden pro Tag getauscht

John Weinert, Geschäftsführer von tauschwohnung.com

Sie treffen – mit etwas Glück – auf andere, die das Gleiche in umgekehrter Richtung vorhaben: Die Familie, die Nachwuchs erwartet und daher mehr Platz braucht, tauscht mit dem Ehepaar, dessen Kinder aus dem Haus sind. Das Bonner Unternehmen ist vor allem in Berlin aktiv. Von gut 7600 tauschbereiten Wohnungen, die aktuell gelistet sind, befinden sich fast 4200 in der Hauptstadt.

„Zwei Wohnungen werden pro Tag getauscht“, sagt Geschäftsführer John Weinert. Meist finden die Wechsel innerhalb der Stadt statt. Die Kosten für diese Möglichkeit, eine Bleibe zu finden, sind gering. Bei tauschwohnung.com zahlen die Nutzer, was sie zahlen möchten. Im Schnitt, so Weinert, sind das rund 12 Euro. Die Hürde ist daher weniger eine finanzielle, sondern eher eine organisatorische: Beide Vermieter sollten vorab informiert werden und ihre Erlaubnis erteilen.

Landeseigene Baugesellschaften mit großem Netzwerk

Getauscht werden kann auch bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften der Stadt wie etwa Gewobag oder degewo. Auf der Webseite inberlinwohnen.de des BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V. können sich alle Mieter der sechs Gesellschaften mit Interesse am unternehmensübergreifenden Wohnungstausch registrieren und nach Interessenten suchen.

Im Portfolio sind somit 330.000 potenzielle Wohnungen. Laut Sprecher David Eberhart wird der Service gut frequentiert. Seit September 2018 seien „70.000 Tauschanregungen“ auf dem Portal eingegangen. Die Vermittlungsquote hinkt da mit „200 positiven Tauschverfahren“ zwar hinterher. Dennoch: Die Chance besteht. Der Versuch kostet nichts.

Genossenschaften haben zahlreiche Mietwohnungen

Eine weitere Möglichkeit, an eine günstige Mietwohnung zu kommen, ist die Registrierung bei einer Genossenschaft. Gegen einen geringen jährlichen Beitrag wird man Mitglied – mit Aussicht auf eine Wohnung. Allerdings: Manche Gesellschaften nehmen keine neuen Suchenden mehr auf. Bei den anderen sind die Wartelisten lang. Aber irgendwann kann es klappen.

Die Vorteile eines Maklers

Wer eine Wohnung kaufen möchte, sollte nicht nur auf Immobilienportalen Ausschau halten, sondern direkt zu diversen Maklern gehen. „Etliche Wohnungen, die wir vertreiben, landen gar nicht auf dem Markt“, sagt Clemens Paschke, Geschäftsführer des Berliner Immobilienunternehmens Ziegert EverEstate.

Ein Makler ist teuer, aber kann sich unter Umständen lohnen.
Ein Makler ist teuer, aber kann sich unter Umständen lohnen.

© imago/Shotshop

„Sie werden, sobald sie neu hereinkommen, den gelisteten Interessenten exklusiv angeboten.“ Oft sind das die attraktivsten Objekte, schön und tendenziell günstiger. Ein weiterer Pluspunkt des Kontakts zum Makler: „Wir beraten dahingehend, welche Wohnung die passendste ist“, sagt Paschke.

Wer überdies von sich aus aktiv werden will, sollte einfach loslegen. Grundsätzlich gilt: jeden ansprechen, ob Familie, Freunde oder die Bäckersfrau ums Eck. Auch Zettel an Laternenmasten können zum erhofften Glück führen, außerdem natürlich Inserate in der Tageszeitung. Effizient ist zudem das Streuen des Miet- oder Kaufwunschs in sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder Nachbarschaftsnetzwerken wie nebenan.de.

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