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Audi-Chef in Untersuchungshaft : Audi-Vertriebsvorsitzender soll vorläufig Chefposten besetzen

Der Vorstandsvorsitzende der Audi-AG, Rupert Stadler, ist am Montag vorläufig festgenommen worden. Audi-Vertriebsvorstand Schot soll wohl vorerst seinen Posten besetzen.

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG.
Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Der derzeitige Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot soll bei dem Autobauer wohl vorläufig den Chefposten vom verhafteten Rupert Stadler übernehmen. Der Audi-Aufsichtsrat muss der Personalie noch formal zustimmen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag von mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr.

Der wegen des Dieselskandals unter Druck stehende Audi-Chef Rupert Stadler war am Montagvormittag vorübergehend festgenommen worden. „Der Beschuldigte wurde der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat“, teilte die Staatsanwaltschaft München II mit. Als Grund nannte die Behörde Verdunkelungsgefahr. „Darüber hinaus können wir uns vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen inhaltlich nicht äußern. Für Stadler gelte weiterhin die Unschuldsvermutung.

Im Skandal um manipulierte Diesel-Fahrzeuge des VW-Konzerns war zuletzt auch Stadler in den Fokus der Ermittler gerückt. Die Münchner Staatsanwaltschaft leitete Anfang Juni ein Ermittlungsverfahren gegen Stadler sowie ein weiteres Mitglied des Vorstands der VW-Tochter ein. Sie legt ihnen „Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last“. Die beiden hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Staatsanwaltschaft wirft Stadler einem Insider zufolge vor, dieser hätte von Ende 2015 an dafür sorgen müssen, dass in Europa nicht länger Fahrzeuge mit manipulierten Abgassystemen verkauft wurden. Kritiker halten Stadler seit längerem eine schleppende Aufarbeitung des Skandals vor. Wegen des Vorwurfs, er hätte den Verkauf manipulierter Fahrzeuge stoppen müssen, stand Stadler bisher nicht im Fadenkreuz. Stadler ist seit elf Jahren Audi-Chef.

"Mär der Autoindustrie" in sich zusammengefallen

Aus derr Politik meldeten sich als erstes die Grünen zu Wort. Fraktionsvize Oliver Krischer bezeichnete die vorläufige Festnahme von Audi-Chef Rupert Stadler im Abgasskandal auch als Folge von Versäumnissen im VW-Konzern. „Heute ist die Mär der Autoindustrie endgültig in sich zusammengefallen, beim Abgasskandal handle sich um die Verfehlungen einzelner Ingenieure“, sagte Krischer am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Immer klarer wird: Das Tricksen und Betrügen ist in den Konzernen von ganz oben mindestens toleriert, wenn nicht sogar angeordnet worden. In fast drei Jahren seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals haben es weder der VW-Konzern noch die Branche insgesamt geschafft, einen klaren Schnitt zu ziehen.“

Die Festnahme Stadlers zeige, wie wenig der Skandal und seine Folgen von VW und den anderen Autobauern offensichtlich ernst genommen worden sei. „Es ist gut, dass jetzt wenigstens Staatsanwälte versuchen, den größten Industrieskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte strafrechtlich aufzuarbeiten, wo die Bundesregierung kläglich versagt hat.“

VW-Aktien unter Druck

An der Börse verschreckte die Verhaftung am Montag die Volkswagen-Anleger. Die Aktien bauten ihre Verluste nach dem Bekanntwerden des Haftbefehls aus und gaben 2,2 Prozent auf 157,50 Euro nach. Damit waren sie einer der größten Verlierer im Leitindex Dax. "Das hat jetzt nochmal eine neue Qualität und vor allem ausländische Anleger werden davon wach gerüttelt, dass die Sache noch nicht ausgestanden ist", sagte ein Händler.

Der Kursverlust bei VW war allerdings nicht viel größer als der von anderen Autoaktien. Daimler und BMW gaben ebenfalls je gut ein Prozent nach. Der europäische Auto-Branchenindex notierte 1,3 Prozent schwächer. (dpa, Reuters, AFP)

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