Black Friday : Deutsche geben Milliarden für Schnäppchen aus

Händler rechnen am Black Friday mit noch höheren Umsätzen als letztes Jahr. NGOs rufen derweil zur Blockade auf.

Das KaDeWe lockt gleich mit einem Black Weekend.
Das KaDeWe lockt gleich mit einem Black Weekend.Foto: AFP

Während an diesem Samstag etliche Händler die Verlängerung des Black Fridays zelebrieren und mit Rabatten locken, rufen NGOs wie Greenpeace zur Blockade auf. In Europa erklären sie den Samstag nach dem Shopping-Freitag zum „Buy-nothing-Tag“. Zwei Extreme treffen so in der Innenstadt aufeinander: Schnäppchenjäger und Konsumverweigerer. Dabei ist schon jetzt absehbar, wer das Rennen macht. 2,4 Milliarden Euro, schätzt der Handelsverband HDE, geben die Deutschen in diesen Tagen für Sonderangebote aus – 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dieses Plus führt der Verband vor allem auf die Bekanntheit der Schnäppchentage zurück, die weiter steigt. Mit dem Begriff „Black Friday“ können jedes Jahr mehr Menschen etwas anfangen. Dazu kommt, dass die Händler die Angebote längst nicht nur auf diesen einen Tag begrenzen. Onlinehändler feiern die Cyber Week, Einzelhändler dehnen den Black Friday auf den Samstag aus. Auch in Berlin werben dann erneut diverse Häuser mit Rabatten – vom KaDeWe bis zum Gesundbrunnen Center.

Geschäfte müssen Onlinehändlern etwas entgegen setzen

In der Branche sagen manche bereits, dass sei der neue Winterschlussverkauf. Dieser Abverkauf der Saisonware war früher ausschließlich an 12 festgelegten Tagen im Jahr und lockte dadurch die Massen in die Stadt – seitdem aber jeder Händler selbst entscheidet, wann er Schlussverkauf macht, bleibt der Mega-Ansturm oft aus. Der Blackfriday ist da ein willkommener Anlass für Rabatte. Zumal die meisten Einzelhändler auch schlicht mitmachen müssen, um die Kundschaft am Blackfriday nicht an die Onlineshops zu verlieren. Denn die werben – allen voran Amazon – in dieser Woche besonders massiv mit Rabatten.

Ob sich das am Ende auszahlt, ist allerdings unklar. Zum einen sinken durch die Sonderangebote die Margen der Händler. Zum anderen heißt es, Konsumenten würden sich dadurch in den Folgewochen vor Weihnachten etwas zurückhalten, schlicht weil sie einen Teil ihrer Geschenke schon am Black Friday besorgt haben. Das heißt: Die Deutschen geben dadurch nicht zwangsläufig mehr Geld aus sondern nur an anderen Tagen.

Selbst die Sparkassen beteiligen sich

Dennoch versuchen möglichst viele Unternehmen mitzumachen. Hotelportale werben mit verbilligten Reisen, Carsharing-Anbieter mit herabgesetzen Konditionen. Selbst die Sparkassen schließen sich an und nutzen ihren „Red Friday“, um Kunden vergünstigt eine Rechtschutzversicherung zu verkaufen.

Dabei hat dieser Rabattwahnsinn durchaus auch seine Schattenseiten. So ist längst nicht in allen Fällen gesagt, dass die Kunden wirklich einen guten Deal machen. So kann es trotz Rabatt sein, dass es das Produkt woanders günstiger gibt. Gleichzeitig ist die Verlockung groß, Dinge zu kaufen, die man nicht wirklich braucht. Schon jetzt rechnen die Händler nicht nur mit Umsatz- sondern auch mit Retourrekorden.

Gleichzeitig warnen Verbraucherschützer davor, dass Kriminelle den Black Friday für sich nutzen: Über Fake-Mails und fingierte Onlineseiten greifen sie Kreditkartendaten von Kunden ab. „Gerade bei groß angelegten Rabatt-Aktionen steigt die Gefahr, auf unseriöse Angebote hereinzufallen“, sagt Kathrin Körber, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachen. Um sich zu schützen, sollten Nutzer vor dem Kauf das Impressum des Onlineshops prüfen – dort müssen Firmensitz und Kontaktmöglichkeiten angeben sein. Auch sollte man nicht auf „Kaufen“ klicken, wenn das Widerrufsrecht ausgeschlossen ist.

Verdi bestreikt Amazon

Die Gewerkschaft Verdi nutzte den Black Friday erneut, um auf die Arbeitsbedingungen beim Onlinehändler Amazon hinzuweisen. „Der Einsatz der Beschäftigten muss besser honoriert werden, durch eine höhere Bezahlung und durch ein tarifliches Weihnachtsgeld“, forderte Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Rund 620 Beschäftigte an den Standorten Bad Hersfeld und Rheinberg ließen ihre Arbeit deshalb ruhen. Der Onlinehändler will auf die Verdi-Forderung allerdings weiterhin nicht eingehen. Mitarbeiter würden mit einem Stundenlohn von mindestens 10,78 Euro beginnen und nach zwei Jahren im Schnitt 2397 Euro verdienen. Folgen hat der Ausstand auch nicht: „Da die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter weiterhin wie geplant arbeitet, sind Kundenbestellungen vom Streik nicht betroffen“, hieß es bei Amazon.

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