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Tagesspiegel Plus

Einkaufen mit Kryptowährungen: So kann man bald mit Mastercard und Visa in Bitcoin bezahlen

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis man auch per Kreditkarte mit Bitcoin und Co. bezahlen kann. Doch nicht jeder findet das sinnvoll.

Von Nele Höfler

Krypto-Fans träumen schon lange von einer digitalen, dezentralen Währung als Alternative zu Dollar, Euro und Co. 2010 bezahlte ein Programmierer erstmals mit Bitcoin: Er kaufte zwei Pizzen für 10.000 Bitcoin. Seither sind elf Jahre vergangen. Und Kryptowährungen sind hauptsächlich als Wertanlage und Spekulationsobjekt bekannt.

Insbesondere der Bitcoin hat im letzten Jahr einen aufsehenerregenden Höhenflug erlebt: Die zwei Pizzen von damals wären heute knapp 600 Millionen Dollar wert.

Bezahlen kann man mit Krypto-Coins jedoch nur bei einigen Online-Shops und vereinzelt auch in hippen Großstadt-Restaurants – und das mehr aus Marketing- als aus praktischen Gründen. Zahlungsdienstleister wie Mastercard, Visa und Paypal wollen ihre Systeme jedoch bald für digitale Währungen öffnen. Auf einen Schlag könnten dann Millionen von Händlern an der Kasse statt Euro auch Kryptowährung akzeptieren.

Zahlungsdienstleister wollen den Zug nicht verpassen

Eine Studie zeigt, dass Verbraucher Kryptowährungen als Zahlungsmittel im Alltag nutzen wollen. Die Plattform für Finanznachrichten PYMNTS hat gemeinsam mit dem Kryptodienstleister Bitpay 8000 US-Verbraucher befragt: Über 90 Prozent der Kryptobesitzer gaben an, beim Bezahlen von alltäglichen Einkäufen oder Dienstleistungen Kryptowährungen in Erwägung zu ziehen. Von denjenigen, die bisher keine digitale Währung besitzen, waren es fast zwei Drittel.

Den Trend wollen Zahlungsdienstleister nicht verpassen. Sie müssen verhindern, dass sich eine neue Form des Zahlungsverkehrs entwickelt, von dem ihre traditionellen Netzwerke ausgeschlossen sind.

In El Salvador ist Bitcoin bereits offizielles Zahlungsmittel.

© imago images/ZUMA Wire

Mastercard hat vor einigen Wochen eine Kooperation mit Bakkt, einem US-Anbieter von Bitcoin-Geldbörsen („Wallet“ genannt) angekündigt. Den Unternehmen zufolge macht es die Partnerschaft für Banken, Finanztechnologiefirmen und Händler einfacher, Kryptozahlungen anzubieten und zu akzeptieren. Banken könnten künftig Mastercard-Kreditkarten ausgeben, mit denen man in Bitcoin bezahlen kann.

Prämien in Form von Bitcoin

Bakkt wandelt die Coins beim Bezahlen automatisch in eine klassische Währung wie Dollar um, weil zum Beispiel Supermärkte und Restaurants keine Hardware-Geräte zum Empfangen von Bitcoins besitzen. Händler werden also wie bisher mit analogen Währungen bezahlt. Ob neben Bitcoin auch andere digitale Währungen akzeptiert werden, ist noch unklar.

Über Depot-Wallets von Bakkt sollen Verbraucher außerdem Kryptowährungen kaufen, verkaufen und halten können. Zudem sollen digitale Währungen als Belohnungen angeboten werden. Kunden können Prämien dann in Form von Bitcoin sammeln.

Ziel der Kooperation sei es, den stetigen Abfluss aus dem traditionellen Finanzsektor in den Kryptosektor zumindest abzubremsen, sagte Sherri Haymond, verantwortlich für digitale Partnerschaften bei Mastercard, dem amerikanischen Fernsehsender CNBC. Zuletzt hatte der Kreditkarten-Riese wie auch sein Konkurrent Visa unter der Coronakrise gelitten.

Visa hält nichts von Bitcoin zum Bezahlen

Anders als Mastercard sieht Visa derzeit keinen Bedarf, Kryptowährungen bei alltäglichen Einkäufen zu verwenden. „Verbraucher betrachten Kryptowährungen eher als Anlageklasse, nicht als Bezahlform“, erklärt Nikola Plecas, Crypto Business Lead Europe von Visa. Stattdessen setzt der Zahlungsdienstleister auf Stablecoins. Dabei handelt es sich um Kryptowährungen, die an einen Basiswert gekoppelt sind und diesem gegenüber wertstabil sind. Meist ist das eine nationale Währung wie etwa der Dollar.

Der volatile Kurs des Bitcoin ist einer der Hauptgründe, weshalb Kritiker ihn nicht als Zahlungsmittel sehen.

© REUTERS/Dado Ruvic/Illustration

Erste Transaktionen in USD-Coin testet Visa derzeit in den USA. Dabei werden erstmals Transaktionen in einer digitalen Währung direkt mit Visa über eine öffentliche Blockchain abgewickelt. Anders als bei Kryptowährungen wie Bitcoin und Co. muss Visa die Stablecoins bei einer Transaktion nicht in eine traditionelle Währung umwandeln. Das spart Kosten und Zeit.

Derzeit können nur US-Kunden Stablecoins zum Bezahlen verwenden. Man prüfe jedoch Anforderungen anderer Märkte und Regionen weltweit, um die Funktion weltweit zu ermöglichen.

Für das Pilotprojekt wurden notwendige Infrastruktur-Upgrades vorgenommen, mit denen das Netzwerk laut Plecas in der Lage ist, neben weiteren Stablecoins auch digitale Zentralbankwährungen zu unterstützen, sobald die Notenbanken so weit sind.

Der Händler bekommt nichts davon mit, womit gezahlt wird

Wer über Visa mit Bitcoin, Ether und Co. bezahlen möchte, muss sich eine mit Krypto-Guthaben verknüpfte Visa-Karte besorgen. Der Kreditkartenanbieter kooperiert mit mehr als 50 Kryptoplattformen. Im deutschsprachigen Raum gehören Bitpanda und Nuri zu den bekanntesten.

Bitcoin ist als seriöse alternative Zahlungsmethode wirklich lächerlich.

 Chris Flowers, Gründer des Finanzdienstleisters J.C. Flowers

Nutzer der Plattformen können in der App ihre bevorzugte Bezahlform einstellen – egal ob Kryptowährung, Edelmetall oder Euro. Die Debitkarte ist dann für Zahlungen mit dem Asset verbunden. Während des Zahlvorgangs wird das gewählte Asset automatisch in Euro gewechselt. Der Händler bekommt davon gar nichts mit. Für diese Umwandlung zahlt der Kartennutzer eine Gebühr. Gezahlt werden kann mit der Debitkarte überall, wo Visa akzeptiert wird.

Per Kreditkarten zu zahlen, hat sich in der Pandemie weiter durchgesetzt.

© imago images/Westend61

US-Kunden können bei Paypal seit März Bitcoin, Ether, Bitcoin Cash und Litecoin als Zahlungsquelle wählen. Die Händler erhalten nach Unternehmensangaben herkömmliches Geld. Im kommenden Jahr soll die Funktion auf internationale Märkte ausgeweitet werden – wann es in Deutschland so weit ist, ist noch nicht bekannt.

„Bitcoin als Zahlungemittel wirklich lächerlich“

Einer der bedeutendsten Private-Equity-Investoren im Finanzdienstleistungsbereich hält Bitcoin für kein geeignetes Zahlungsmittel. „Bitcoin ist als seriöse alternative Zahlungsmethode wirklich lächerlich“, sagte J.C. Flowers-Gründer Chris Flowers am letzten Tag der Berliner SuperReturn-Konferenz am Freitag. „Es ist zu langsam und zu teuer.“

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Auch Krypto- und Blockchain-Experte Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance & Management sieht in Deutschland aktuell noch keinen Vorteil darin, in Bitcoin zu bezahlen. Anders als in anderen Ländern funktioniere dafür unser System zu gut. „Was wir hier erleben, ist die Entstehung einer neuartigen Finanzinfrastruktur – noch ist sie aber mikroskopisch klein.“

Doch die Inflation im Euro-Raum steigt, zuletzt so stark wie seit über 13 Jahren nicht mehr. Sandner geht deshalb davon aus, dass die Menschen sich mittelfristig vom Euro wegorientieren und einen Teil ihres Vermögens in Kryptowährungen oder anderen Werten aufbewahren.

Folgt man dieser Argumentation, dürfte auch das Bedürfnis steigen, damit bezahlen zu können. Spätestens dann bräuchte es auch die Lösungen der Zahlungsdienstleister.

Dieser Text erschien zuerst im Handelsblatt.

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