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Erleichterung in Frankfurt : Deutsche Bank besteht US-Stresstest

Die Deutsche Bank hat auch den zweiten Teil des US-Stresstests der großen Geldhäuser bestanden. Das teilte die US-Notenbank Federal Reserve am Donnerstag mit.

Aktionäre sitzen während der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle vor dem Unternehmenslogo.
Aktionäre sitzen während der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle vor dem Unternehmenslogo.Foto: dpa

Achtungserfolg für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing: Sein Institut hat auch den zweiten - wichtigeren - Teil des US-Stresstests der bedeutenden Geldhäuser bestanden. Das teilte die US-Notenbank Federal Reserve am Donnerstag in Washington mit. Der mit Spannung erwartete Test der US-Tochter des größten deutschen Geldhauses habe gezeigt, dass das Institut deutliche Fortschritte erzielt habe. Damit kann der Finanzkonzern aus den USA künftig wieder Geld zur Muttergesellschaft in Frankfurt überweisen, ohne die Fed zu fragen. Im vergangenen Jahr war die Bank als einziges Institut durchgefallen und hatte seitdem diese Bedingung erfüllen müssen.

Die erste Runde der jährlichen Belastungsprobe, deren Ergebnisse vor einer Woche veröffentlicht worden waren, hatte die Deutsche Bank ebenfalls bestanden. Beim zweiten Teil war darüber spekuliert worden, ob die Bank die Aufseher nach 2015, 2016 und 2018 auch dieses Mal nicht überzeugen kann oder das Klassenziel erreicht. Auch "Bestanden mit Auflagen" wäre eine Option gewesen. Dieses Urteil bekam die Schweizer Großbank Credit Suisse, bei der die Aufseher nicht ganz zufrieden waren und Schwächen im Prozess der Kapitalplanung bemängelten.

Die Deutsche Bank, die derzeit massive Veränderungen bei ihrer Investmentbank prüft und das Geschäft an der Wall Street deutlich zusammendampfen dürfte, äußerte sich zufrieden, aber zugleich betont nüchtern zum Ergebnis des Stresstests. Die US-Zentralbank habe weder quantitative noch qualitative Einwände gegen die Kapitalplanung in den USA gehabt. Wäre die Bank abermals bei dem Test durchgefallen, hätte das die Reputation des krisengeplagten Hauses weiter angekratzt. Die DB USA hatte am Ende des ersten Quartals eine Bilanzsumme von 133 Milliarden Dollar. Das entspricht rund acht Prozent der Bilanzsumme des Gesamtkonzerns und 36 Prozent des gesamten Geschäftsumfangs der Deutschen Bank in den USA. Im nachbörslichen Handel legte die Deutsche-Bank-Aktie 5,7 Prozent zu.

Die Deutsche Bank arbeitet an einer neuen Strategie

Für Sewing und seine Mitarbeiter sind die Sommerferien trotz des positiven Resultats bei dem Test noch weit: Denn der 49-Jährige hat seinen Aktionären harte Einschnitte im darbenden Investmentbanking versprochen. Nun arbeiten einige hundert Mitarbeiter daran, dass er sein Versprechen einlösen und spätestens mit den Halbjahreszahlen am 24. Juli auch die neue Strategie vorstellen kann. Überzeugt sein Plan dann nicht, könnte es von Seiten des Kapitalmarktes und der mächtigen Großaktionäre ungemütlich werden für den jüngsten Chef in der fast 150-jährigen Geschichte der Deutschen Bank.

Insgesamt mussten sich dieses Mal 18 in den USA aktive in- und ausländische Institute der Prüfung stellen, im vergangenen Jahr waren es noch 34 gewesen.Die Deutsche Bank gehört zur Gruppe von Instituten, die von den Aufsehern wegen ihrer Größe, ihrer Vernetzung innerhalb des Finanzsystems und wegen ihrer Geschäfte besonders kritisch unter die Lupe genommen werden. Mit dabei waren auch die Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan und die Bank of America. Aus dem Ausland wurden neben Deutscher Bank und Credit Suisse auch deren Schweizer Konkurrentin UBS und die kanadische Toronto-Dominion-Bank unter die Lupe genommen.

18 Banken wurden getestet

Den ersten Teil des Stresstests hatte die Deutsche Bank klar bestanden. Selbst in einem sehr negativen Szenario über neun Quartale hinweg wäre die harte Kernkapitalquote (CET1) der DB USA nicht unter 14,8 Prozent gefallen. Damit wurde der von den Aufsichtsbehörden geforderte Mindestwert von 4,5 Prozent erheblich übertroffen. Die Verschuldungsquote (Tier 1 Leverage Ratio) würde demnach nicht unter 6,9 Prozent sinken (Mindestwert vier Prozent). Auch für alle anderen Kapitalquoten hatte das Institut die Mindestwerte übertroffen.

Bei dem Test wurde simuliert, wie sich ein extremer Wirtschaftsabschwung samt massivem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf die Kapitalpolster der Banken auswirken würde und auf ihre Fähigkeit, Unternehmen und Haushalten Geld zu leihen. Solche Simulationen werden seit der Finanzkrise 2008/09 regelmäßig von den Aufsehern in vielen Ländern durchgespielt - in Deutschland und Europa von der Europäischen Zentralbank (EZB). (rtr)

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