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"Führungsstarker Stratege und Analytiker" : Oliver Zipse löst Harald Krüger als BMW-Chef ab

Der bisherige Produktionsvorstand Oliver Zipse wird neuer Vorstandschef von BMW. Er galt als Favorit für die Nachfolge von Harald Krüger.

Oliver Zipse ist neuer BMW-Chef.
Oliver Zipse ist neuer BMW-Chef.Foto: Tobias Hase/dpa

Oliver Zipse wird neuer Vorstandschef von BMW. Der Aufsichtsrat beförderte den 55-Jährigen, der bisher das Produktionsressort leitet, am Donnerstag bei einer Sitzung am US-Standort Spartanburg in South Carolina an die Spitze des Münchner Autobauers. Er löst Mitte August Harald Krüger (53) ab, der Anfang Juli nach wochenlangen Spekulationen über seine Zukunft erklärt hatte, dass er für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung steht. Der glücklose Manager verlässt BMW nach nur vier Jahren im Amt.

"Mit Oliver Zipse übernimmt ein führungsstarker Stratege und Analytiker den Vorstandsvorsitz der BMW AG", sagte Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, der BMW vor Krüger geführt hatte. "Er wird der BMW Group zusätzliche Impulse bei der Gestaltung der Mobilität der Zukunft verleihen."

Zipse galt als Favorit für die Nachfolge Krügers. Mit ihm verbindet man bei BMW den Wunsch nach einer stärkeren Führung. Der Manager mit dem Schmiss an der Oberlippe soll dem Konzern auf dem Weg ins Zeitalter der Elektromobilität und des autonomen Fahrens die Orientierung geben, die Krüger vermissen ließ. Der gebürtige Heidelberger war mit Krügers Berufung zum Konzernchef 2015 in den Vorstand aufgestiegen. Vorher war er unter anderem Strategie-Chef. Der mit einer Japanerin verheiratete Vater zweier Söhne hat sein ganzes Berufsleben bei BMW verbracht.

Der neue BMW-Chef hat sich Insidern zufolge für den Spitzenposten empfohlen, indem er BMW durch ein ausgeklügeltes Netz von weltumspannenden Produktionsstandorten weniger abhängig von Handelskonflikten und konjunkturellen Schwankungen gemacht hat. Das allein reicht nach Meinung von Experten aber nicht aus, um BMW in eine Zukunft zu führen, in der Software und IT eine wachsende Rolle spielen. Digitale, vernetzte Mobilitätsdienste nehmen einen immer größeren Stellenwert ein und versprechen ein Milliardengeschäft, um das sich die Autokonzerne mit Konzernen aus der IT- und Internetbranche streiten. Im Nacken sitzt ihnen auch der amerikanische Elektroautobauer Tesla, der mit seinem günstigeren Model 3 Marktanteile erobern will.

Die Bayern haben mit dem batteriegetriebenen i3 und dem Hybridsportwagen i8 zwar früh auf Elektromobilität gesetzt, drohen inzwischen aber abgehängt zu werden, da Konkurrenten wie Volkswagen massiv in E-Autos investieren. Der Druck ist noch dadurch gestiegen, dass BMW zu Jahresbeginn im Autogeschäft erstmals seit zehn Jahren Verluste geschrieben hat und vor harten Einschnitten steht. Selbst ein Personalabbau wird nicht ausgeschlossen.

Der Aufsichtsrat tagte am US-Standort Spartanburg in South Carolina, wo BMW sein größtes Werk unterhält. Neben Zipse war Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich für den Chefposten von BMW gehandelt worden. Der 59-Jährige soll im Unternehmen gehalten werden.

Von Zipse wird eine neue Strategie für BMW erwartet 

Aufsichtsratschef Reithofer gab sich in Spartanburg zuversichtlich: "Mit ihrer Innovationskraft, ihren starken Marken und ihren engagierten Mitarbeitern wird die BMW Group auch in Zukunft ihre Führungsrolle im Premiumsegment ausbauen und ihren langfristigen Erfolgskurs fortsetzen." Doch für die Einarbeitung bleibt dem neuen Vorstandschef wenig Zeit. Schon zur Automobilmesse IAA im September in Frankfurt wird eine neue Strategie erwartet, die BMW auf den Wandel in der Mobilität vorbereiten soll.

Allen Herstellern drohen ab 2022 empfindliche Geldbußen, wenn sie die Klimaziele reißen. Der Investmentberater Evercore ISI hat für BMW auf Grundlage des Absatzes von 2018 potenzielle Strafen von 2,7 Milliarden Euro errechnet. Auf etwa genausoviel kamen die Analysten für den Erzrivalen Daimler. Da die Verkaufszahlen elektrifizierter Autos steigen, halten Experten niedrigere Strafen für möglich. Dennoch sind hohe Investitionen nötig, um die Vorgaben zu erfüllen.

Zipse soll zudem die von BMW eingegangenen Partnerschaften vorantreiben - allen voran die mit Daimler bei selbstfahrenden Autos und Mobilitätsdiensten. Wegen der hohen Investitionen in die neuen Trends der Autobranche sind die Hersteller immer mehr auf Kooperationen angewiesen, um die Kosten für Neuentwicklungen zu teilten. Die Münchner arbeiten mit dem Chiphersteller Intel, Fiat Chrysler und anderen zusammen. VW und Ford hatte kürzlich ihre Zusammenarbeit auf autonomes Fahren und Elektroautos ausgeweitet.

Mit Spannung wird erwartet, ob Zipse an der von Krüger propagierten "Technologie-Offenheit" festhält. Danach hält sich BMW alle Optionen für künftige Antriebe offen - vom saubereren Verbrennungsmotor über Hybridautos bis zu reinen Stromern und Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft. Die deutschen Autobauer hatten im Frühjahr tagelang über eine gemeinsame Linie für eine stärkere Förderung der Elektromobilität gestritten. Volkswagen hatte sich dafür eingesetzt, alle Kräfte für den Durchbruch des Elektroantriebs zu bündeln. (rtr)

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