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Gütesiegel für Fleisch : Heftige Kritik an Klöckners Tierwohl-Logo

Ein staatliches Label für Fleisch im Supermarkt soll Vorgaben für Ställe, Transport und Schlachtung machen. Tierschützer rügen die Unverbindlichkeit.

Das staatliche Label soll ab 2020 zunächst für Schweinefleisch gelten.
Das staatliche Label soll ab 2020 zunächst für Schweinefleisch gelten.Foto: Jens Büttner/dpa

Mehr Platz für Schweine, weniger Stress bei Schlachtung und Transport - und eine freiwillige Teilnahme: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am Mittwoch die Kriterien für das neue staatliche Tierwohlkennzeichen vorgestellt, das Kunden beim Fleischkauf Rückschlüsse auf die Haltungsbedingungen ermöglichen soll. "Tiere sind Mitgeschöpfe, keine Wegwerfware", erklärte Klöckner. Deshalb gehe das Thema alle an, "nicht nur die Tierhalter, sondern auch Handel, Gastronomie und Verbraucher".

Konkret ist eine dreistufige Kennzeichnung vorgesehen, die über die Haltungsbedingungen der Tiere von der Geburt bis zur Schlachtung informiert. Um mit dem Label auf den Verpackungen werben zu dürfen, müssen die Anbieter Klöckner zufolge "verpflichtend und überprüfbar" höhere Tierschutzanforderungen erfüllen.

Ab 2020 zunächst für Schweinefleisch im Handel

Dadurch soll es nach Angaben der Ministerin Verbesserungen etwa beim Platzangebot in den Ställen, bei den Beschäftigungsmaterialien für die Tiere und bei deren Transport geben, aber auch bei Fortbildung und Stallmanagement der Tierhalter. In der ersten Stufe sollen Schweine demnach 20 Prozent mehr Platz im Stall haben als gesetzlich vorgeschrieben. "Verbraucher sollen schnell erkennen können, wo mehr Tierwohl drinsteckt, und Tierhalter sollen für ihre Mehrinvestitionen zum Wohle der Tiere honoriert werden", erklärte Klöckner. Geplant ist zudem eine mehrjährige Informationskampagne.

Landwirte sollen das Logo freiwillig nutzen können, was Umweltschützer kritisieren. Das staatliche Label soll voraussichtlich ab 2020 zunächst für Schweinefleisch in den Handel kommen. Schon zuvor wollen mehrere Supermarktketten im April eine eigene Fleisch-Kennzeichnung zur Haltungsform starten.

Grüne wollen kein "kein freiwilliges Wischiwaschi-Label"

Ex-Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne) übt scharfe Kritik an dem Tierwohllabel. „Das Tierwohllabel von Ministerin Klöckner grenzt an Verbrauchertäuschung", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete dem Tagesspiegel (Donnerstagausgabe). Es biete in der Eingangsstufe kaum einen Unterschied zum gesetzlichen Standard. In Zukunft habe ein 110 Kg schweres Schwein gerade mal 0,90 m² Platz statt  0,75 m², kritisierte Künast. Klöckners Tierwohllabel schaffe kein Tierwohl, sondern sei "ein Absatzprogramm für einige Fleischerzeuger", so Künast. Da das Label freiwillig sei, würden die meisten Schweine "auch weiterhin arme Schweine bleiben." Statt auf freiwillige Lösungen zu setzen, fordert Künast strengere gesetzliche Standards für die Tierhalter.

Der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Martin Rücker, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Anstatt ein weiteres rein freiwilliges Siegel auf den Markt zu bringen, muss sich Julia Klöckner für gesetzliche Vorgaben einsetzen, damit alle und nicht nur einige wenige Nutztiere tiergerecht gehalten werden."

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte, Bürger hätten das Recht zu erfahren, wie die Tiere gehalten wurden, deren Produkte sie essen. "Dafür brauchen wir eine verbindliche Fleischkennzeichnung - kein freiwilliges Wischiwaschi-Label."

Auch Grünen-Chef Robert Habeck kritisierte die Unverbindlichkeit des Labels: "Das hilft keinem Schwein, Hühnern und Rindern schon gar nicht, und den Verbrauchern auch nur bedingt", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Umweltorganisation Greenpeace warnte vor Rückschritten für den Tierschutz. Statt eine überflüssige freiwillige Kennzeichnung mit Millionen an Steuergeld zu finanzieren, müsse die Ministerin Bauern bei mehr Tier- und Klimaschutz helfen. Die Ministerin werte "das Fleisch von Schweinen aus schlechter Tierhaltung auf, statt Missstände zu beseitigen". (AFP, dpa)

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