Makler : Diskreter Marktplatz

Corona beschleunigt den kontaktlosen Immobilienhandel Die Gebrüder Christel haben mit ihrem Start-up eine Matching-Plattform im Internet aufgelegt

„Offmade“ online: Lucas Christel (links) mit Bruder Lennart
„Offmade“ online: Lucas Christel (links) mit Bruder LennartFoto: avital

Ob oder wann die Digitalisierung in der Immobilienbranche voll durchschlägt, ist nicht mehr die Frage. Die Überlegungen kreisen inzwischen darum, wie dieser Prozess vonstatten gehen kann. Das vor einem Jahr gegründete Berliner Start-up offmade der Brüder Lucas und Lennart Christel ist dabei ein Vorreiter in Sachen digitaler Wandel. Mit der Online-Transaktionsplattform für Immobilieninvestments hat das junge Unternehmen Neuland betreten.

Bei offmade gehen mittlerweile in einem Zwei-Wochen-Zeitraum im Durchschnitt Objekte im mittleren zweistelligen Euro-Bereich ein. „Wir haben jetzt knapp 1000 registrierte Mitglieder und wachsen sehr dynamisch“, sagt Lucas Christel. Die Marktteilnehmer müssten zunächst Nachweise über ihre Geschäftstätigkeit vorlegen. „Nach einer umfangreichen Prüfung bereiten wir dann das Profil komplett digital auf und bringen Immobilienangebote oder Ankaufsprofile in anonymisierter Form über einen Matching-Algorithmus zusammen“, erläutert der Mitgründer, „der darauf folgende Transaktionsprozess kann vollständig digital mit Unterstützung unseres internen Transaktions-Teams abgewickelt werden.“ So könnten auch private Eigentümer ohne Markterfahrung einen Nutzen daraus ziehen.

Zu den Mitgliedern auf der Plattform zählen zum Beispiel Fondsgesellschaften, Family Offices und ausgewählte Makler. „In der bislang stark unterdigitalisierten Investment-Immobilienbranche“, so die Einschätzung der Christel-Brüder, könnten sie von „datengeschützten Prozessen, Effizienz und Aktualität bei der Akquise und bei Immobilienangeboten profitieren“. Die Mitgliedschaft ist aktuell kostenlos.

Das junge Unternehmen versteht sich als Pionier in der PropTech-Szene (Property Technology). Zielsetzung ist die weitgehende Digitalisierung des Kaufs und Verkaufs von Immobilien. Der traditionelle Handel in der Branche sei bisher „stark von ineffizienten Prozessen, Misstrauen unter den Marktteilnehmern und einer hohen Abhängigkeit von persönlichen Kontakten geprägt und sehr schwerfällig“, analysiert Lucas Christel. Man wolle mit offmade den hyper-lokalen Immobilienmarkt aufbrechen und Interessenten diskret zusammenbringen.

Die meisten Angebote liegen in Deutschland

Der so genannte „Sweet Spot“, der Schwerpunkt der bisher gelisteten Verkaufsobjekte, liegt im Durchschnitt bei einem Volumen von zwei bis 20 Millionen Euro. Es wurden aber auch schon größere Objekte und Portfolien aufgenommen. Die Angebote befinden sich zum Großteil in Deutschland. Jüngst sind aber auch Immobilien aus Frankreich hinzu gekommen.

Inzwischen beschäftigt das Start-up 15 Mitarbeiter. Neben der Prüfung der einzelnen Angebote arbeitet das offmade-Team intensiv an der Weiterentwicklung der eigenen Software. „Wir entwickeln laufend Verbesserungen und greifen Anregungen unserer Mitglieder auf“, berichtete Lennart Christel, „und kommen so unserer Vision immer näher.“ Den Technologie-Bereich leitet übrigens Aleksandar Orlic, zuvor einer der Mitgründer der Online-Bank Penta.

Die Christel-Brüder sind in Berlin aufgewachsen und haben sich früh für das Immobiliengeschehen interessiert. Lucas (24): „Ich fand es schon immer spannend, wie sich Investments auf eine Stadt auswirken, wie viel daran hängt.“ Und so studierte er in Hamburg und in Singapur Rechtswissenschaften und arbeitete auch schon in internationalen Kanzleien mit Immobilienschwerpunkt. Lennart (26) belegte einen Dualstudiengang bei Engel & Völkers Commercial Berlin und an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin im Fach Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Immobilienwirtschaft. Er arbeitete dann auch schon selbständig in der Investment-Branche.

Die Firmengründung vor knapp einem Jahr war der nächste Schritt. Zunächst residierte die offmade GmbH in der Markgrafenstraße in Kreuzberg. Vor zwei Monaten folgte der Umzug in die Schlüterstraße Ecke Kurfürstendamm. Nicht ausgeschlossen, dass bald noch größere Räumlichkeiten benötigt werden. Während des Corona-Lockdowns gingen die Mitarbeiter ins Homeoffice, jetzt kehrten sie zurück ins Büro. „Wir spüren zur Zeit eine enorme Nachfrage“, erzählen die beiden Firmeninhaber.

Die Pandemie beschleunigt die Nachfrage

Die Corona-Krise brachte entgegen manchen Erwartungen den deutschen Immobilienmarkt nicht gänzlich aus dem Gleichgewicht. Die offmade-Macher sehen bei Wohngebäuden, Wohn- und Geschäftshäusern sowie Logistikstandorten weiterhin ein aktives Transaktionsgeschehen. Sie können sich vorstellen, bald auch noch größere Portfolios in ihr Repertoire aufzunehmen. Das junge Unternehmen setzt dabei auf eine niedrige Vermittlungsprovision von einem Prozent.

Die Geschäftsidee des kontaktlosen digitalen Immobilienkaufs ist gerade in Corona-Zeiten ein aktuelles Thema. Viele andere Branchen steigen auf neue elektronische Hilfsmittel um. Im Einzelhandel und in der Paketzustellung gilt das kontaktfreie Bezahlen und die externe Empfangsbestätigung als up-to-date. Die Pandemie hat in vielen Bereichen die Digitalisierung vorangetrieben. „Für unser Start-up ist die Corona-Krise eine Herausforderung und bietet uns die Chance, den Wandel in der Immobilieninvestment-Branche zu forcieren“, sagt Lennart Christel.

Die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht. Das glaubt zumindest auch der Wagniskapital-Geber Global Founders Capital, Förderer von Start-up-Initiativen und weltweit einer der größten Venture Capital Fonds. Im Dezember 2019, noch vor Beginn der Pandemie, erhielt offmade 1,1 Millionen Euro. Das Geld soll nun vorwiegend für die Personal- und Produktentwicklung aber auch für das Marketing genutzt werden.

Mehr zum Thema

Bei der fortschreitenden Digitalisierung in der Immobilienbranche bleiben im Moment zwei wichtige Aktionsfelder ausgespart. Für die Unterschrift beim Notar ist immer noch das persönliche Erscheinen erforderlich. Und der digitalisierte Grundbucheintrag kommt bisher auch nicht in Frage. Aber da sehen die Christel-Brüder durchaus Entwicklungschancen. „Wenn es dazu käme, wäre das ein Riesenfortschritt für die Digitalisierung der Immobilienbranche in Deutschland“, finden sie.