Neues Center in Moabit : Ehemalige Schultheiss-Brauerei wird Shopping-Quartier

HGHI-Geschäftsführer Harald Huth sieht große Perspektiven für den Standort im einstigen Arbeiterbezirk.

Mehr als 45 000 Quadratmeter Verkaufs- und Büroflächen werden rund um das einstige Brauereigebäude bereitgestellt.
Mehr als 45 000 Quadratmeter Verkaufs- und Büroflächen werden rund um das einstige Brauereigebäude bereitgestellt.Grafik: HGHI Holding GmbH

Einst wurde an der Stromstraße in Moabit Bier gebraut. Jetzt befindet sich dort eine Großbaustelle. Im Sommer 2018 soll das Schultheiss-Quartier eröffnet werden, ein weiteres Einkaufszentrum in Dimensionen, die Berlin inzwischen von Arkaden, Malls und Shoppingcentern kennt.

Zwischen Turmstraße, Stromstraße, Perleberger und Lübecker Straße rotieren die Betonmischer. Der Sound von Sandstrahlgebläse und Hammerschlägen dringt durch das belebte Quartier. Aus einem Tankfahrzeug wird Substrat für die Dachbegrünung abgefüllt. Überall sind fleißige Handwerker zu sehen, auf den Gerüsten, beim Innenausbau, an den Zufahrten, auf den Dächern.

Was hier, nicht weit vom U-Bahnhof Turmstraße entfernt, entsteht, verändert das alte Moabit.

Auf Plakatfolien am Bauzaun steht „Ein buntes Zentrum für einen bunten Kiez“. An anderer Stelle ist auf einem Schild von einer „Ideenfactory“ mit Ateliers für Künstler und Kleingewerbler die Rede. In Zahlen: Mehr als 30 000 Quadratmeter Verkaufs- und rund 15 000 Quadratmeter Büroflächen werden von der HGHI Holding GmbH rund um das denkmalgeschützte einstige Brauereigebäude bereitgestellt. Dazu kommt noch ein Hotel an der Turmstraße mit 8500 Quadratmetern Fläche und 250 Zimmern. Das Gesamtinvestitionsvolumen wird auf der Internetseite der Projektentwickler mit 250 Millionen Euro angegeben.

Beim Projekt in Moabit spielt Brauerei-Kolorit eine große Rolle

Historie

Das Brauereigebäude, wie es heute zu sehen ist, wurde 1871/72 nach den Plänen des Architekten Friedrich Koch erbaut. Mit seiner burgartigen Front, den Zinnen und den fröhlichen Seitentürmchen prägt die Brauereianlage aus Sudhaus und einem Dutzend Gebäudeteilen das Stadtbild von Moabit wie kaum ein anderes Objekt. Die alte Brauerei, zu der auch einmal Ballsaal, Biergarten und Kegelbahn gehörten, war bis 1980 in Betrieb, sieben Jahre später kam das Ensemble unter Denkmalschutz. Im Sudhaus wurde Badminton, Squash und Tischtennis gespielt; auf dem Gelände hatten Künstler Ateliers, in Nebengebäuden war Kleingewerbe ansässig. Im Dezember 2012 hatte das Unternehmen High Gain House Investment (HGHI) das Brauereigelände von der HLG Projektmanagement erworben.

Mit rund 100 Geschäften ist das Schultheiss-Quartier in Moabit etwa mit der Größe der Potsdamer Platz Arkaden vergleichbar. HGHI-Geschäftsführer Harald Huth sieht große Perspektiven für den Standort im einstigen Arbeiterbezirk: „Im Herzen von Berlin-Mitte vereint das Schultheiss-Quartier alle Facetten des städtischen Lebens wie Arbeiten, Einkaufen, Übernachten und Unterhaltung in einem einzigartigen Ambiente.“ Die HGHI Holding GmbH ist spezialisiert auf Shoppingcenter. Sie hat mit der vor drei Jahren eröffneten Mall of Berlin am Leipziger Platz den bisher größten Einkaufstempel in der Stadt errichtet.

Beim Projekt in Moabit spielt Brauerei-Kolorit eine große Rolle. Die hellgelbe Backsteinfassade an der Stromstraße erinnert an die glorreichen Zeiten, in denen die kupfernen Bierkessel und die burgähnlichen Gemäuer vom Wachstum der Großstadt kündeten. Seit der Gründerzeit vor 150 Jahren wurde an der Stromstraße gebraut. Bis um 1980 die letzte Maische angerührt wurde. In den 70ern hatte die Brauerei einen besonderen Ruf an den Universitäten. Die Studentenjobs im Flaschenkeller galten als das Nonplusultra, wenn es um die härtesten Jobs ging.

Von 1990 bis 2015 residierte im alten Sudhaus ein gastronomischer Betrieb. Nach der Schließung des Restaurants ist dort zwar unter ungeklärten Umständen ein großer Kupferkessel verschwunden (im Bezirksamt spricht man von Diebstahl). Dennoch könnte im Altbau wieder so etwas wie Brauhausflair aufkommen. „Die Berücksichtigung von Sudkesseln ist eine von mehreren Optionen, die wir derzeit prüfen“, sagt Mirco Hillmann von der HGHI.

Seite 1 von 2 Artikel auf einer Seite lesen

15 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben