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Havelblick. In Konradshöhe entstehen 17 Eigentumswohnungen

© ZOA3D, Wien

Tagesspiegel Plus

Paradies mit Kies: Wer in Berlin am Wasser wohnen will,  findet schöne „Leuchtturmprojekte“

Von Spandau bis Grünau entstehen derzeit viele spannende Neubauten, teilweise sogar mit preisgebundenen Wohnungen. Auch Bürogebäude in Uferlage sind in Planung.

Berlin ist eine der wasserreichsten Großstädte in Deutschland. Ob an Havel, Spree oder Dahme, das Wohnen mit Blick auf natürlich geschwungene Flussläufe zählt zu den Highlights. Baugrundstücke in ausgesuchten Lagen sind mehr als begehrt. Vom Spandauer Havelufer bis zum Dahmestrand in Grünau entstehen aktuell zahlreiche Wohnprojekte sowohl für den gehobenen Geschmack als auch im geförderten Bereich. Auch spektakuläre Bürobauten sind geplant.

Schon der Name klingt ein bisschen nach Opernball: Im Projekt „Speicherballett“ an der Havel in Hakenfelde gegenüber der Insel Eiswerder werden zwei alte denkmalgeschützte Lagerhäuser von der Buwog in hochwertigen Wohnraum umgewandelt. 82 Eigentumswohnungen – alle bereits verkauft – sollen im Herbst 2021 bezugsfertig sein. Ein weiter nördlich gelegener Speicher ohne Fenster wurde abgerissen. Im ähnlichen Stil werden dort 46 neue Apartments für Eigentümer errichtet.

Form erinnert an geschliffene Steine

Bis 2022 kommen in einem zweiten Bauabschnitt noch die „Havelkiesel“ mit 100 Eigentumswohnungen in drei Gebäuden hinzu. In abgerundeter Form erinnert eines der Häuser an vom Wasser geschliffene Steine, daher der Name. Die Kaufpreise variieren laut Prospekt zwischen 467.000 und 765.000 Euro.

Anschließend werden auf einem weiteren Baufeld Mietwohnungen errichtet. Der Bauantrag der Buwog ist genehmigt. Die Arbeiten entlang der Parkstraße beginnen in diesen Tagen. In den sechs Gebäuden mit fünf Geschossen plus Staffelaufbau sind 262 Wohneinheiten mit einem bis zu vier Zimmern geplant, drei Viertel davon barrierefrei.

E-Mobilität: Ladesäule in der Tiefgarage

Auch die kommunale Gewobag ist an den Gestaden der Havel aktiv. Im Projekt „Waterkant“ am Ostufer in Haselhorst an der Daumstraße werden nach und nach Hunderte von Wohnungen zum Bezug freigegeben. Bis zum Frühjahr 2022 entstehen mehr als 1000 Wohneinheiten, ab Ende 2023 gehen weitere 1000 in Bau. Das Quartier erhält zur Hälfte preisgebundene Wohnungen.

Noch etwas weiter nördlich an der Havel in Konradshöhe an der Stößerstraße geht das vornehme Neubauensemble „Havelblick“ jetzt in den Verkauf, Fertigstellung im Frühjahr 2022. Angesichts der besonders exklusiven Wasserlage werden von Engel & Völkers für die 17 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen im Eigentum Preise zwischen 649.000 und 1.725.000 Euro aufgerufen. Das ist nicht unbedingt ein Schnäppchen. Immerhin: Das dreigeschossige Ensemble punktet mit für E-Mobilität ausgestatteten Tiefgaragenstellplätzen, Barrierefreiheit und Aufzügen auf allen Ebenen.

Bis zu zwölf Meter hohe Bäume auf dem Dach

Eine Immobilie mit besonderem Qualitätsanspruch ist auch auf der Mierendorff-Insel an der Spree in Charlottenburg geplant. Das 1873 gegründete Familienunternehmen Bauwens mit Kölner Wurzeln entwickelt dort ein Gebäude mit einer bislang in Berlin nicht gekannten Dachgestaltung. Wie in einem kleinen Park sollen auf dem „Aera“, so der Projektname, bis zu zwölf Meter hohe Bäume und zahlreiche andere Pflanzengattungen auf einem 2200 Quadratmeter großen Plateau über dem achtgeschossigen Bürohaus gedeihen. Für die Öffentlichkeit gibt es einen freien Zugang von der Darwinstraße aus.

Die Arbeiten nach Entwürfen von Grüntuch Ernst Architekten und Capatti Staubach Landschaftsarchitekten sollen noch in der zweiten Jahreshälfte beginnen. Das „Leuchtturmprojekt“ aus dem Hause Bauwens will auf 12.000 Quadratmetern Nutzfläche demonstrieren, wie sich die Büroarbeitswelt in Zukunft darstellen könnte. Schräg gegenüber am anderen Ufer wird bereits seit Herbst 2020 an der Arcostraße gebaut.

Zeitgemäße Interpretation der gründerzeitlichen Quartierbebauung.

die Gewobag über das neue Projekt an der Arcostraße

Die Gewobag lässt dort eine Wohnanlage mit zehn fünf- bis siebenstöckigen Häusern errichten. Die Hälfte der 111 Wohnungen ist preisgebunden. An Räume für eine Kita und für Gastronomie wurde auch gedacht. Die Fassaden erhalten Nisthilfen für Mauersegler und Fledermäuse. Es entsteht eine „zeitgemäße Interpretation der gründerzeitlichen Quartierbebauung“, sagt die Gewobag. Der Erstbezug für die Neubauwohnungen zwischen Rathaus Charlottenburg und Spree ist für den Herbst 2022 geplant.

Gefragt ist das Wohnen am Wasser auch im Südosten Berlins. Im Projekt Uferkrone Suno der Buwog an der Spreestraße in Köpenick, Fertigstellung 2022, war von den insgesamt 82 Eigentumswohnungen im März 2021 laut Bauträger nur noch eine zu verkaufen. Das Mehrfamilienhaus in Süd-West-Ausrichtung mit Uferpromenade und Bootsanlegestelle liegt nur wenige hundert Meter von der historischen Köpenicker Altstadt entfernt.

Familienfreundliches Wohnquartier an der Wendenschloßstraße

„Willkommen an Bord“ heißt es im Prospekt von Kondor Wessels für das weiter südlich an der Dahme gelegene Projekt Achterdeck nach Plänen des Büros Pätzold Architekten. In diesem Jahr beginnt der Bau für das familienfreundliche Wohnquartier mit acht Häusern an der Wendenschloßstraße. 187 Eigentumswohnungen stehen ab sofort zu Preisen ab 215.000 Euro zum Verkauf, Fertigstellung voraussichtlich Ende 2025.

Etwas weiter im Süden in Grünau wächst das Quartier 52 Grad Nord der Buwog. Auf dem knapp zehn Hektar großen Gelände des einstigen VEB Berlin-Chemie an der Regattastraße entstehen seit 2016 bis 2023 rund 1000 Wohnungen. Im nächsten Bauabschnitt werden an der Dahme für Familien konzipierte Wohneinheiten in Holz-Hybrid- Bauweise fertig gestellt. Die Buwog-Lotsenhäuser nach Entwürfen der Architekten Kampmann, Fiedler und Fabianski bieten Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern in Größen von 70 bis 137 Quadratmetern. Alle 44 Eigentumswohnungen sind schon verkauft. Der Einzug ist im kommenden Jahr geplant.

Historischer Riviera-Saal wird zum Restaurant

In Grünau wird neben Familien aber auch an Ältere gedacht. Ein Beispiel dafür ist die Seniorenresidenz Riviera an der Regattastraße südlich von der Wassersportallee. Schräg gegenüber vom Café Liebig ist die Terragon AG jetzt mit dem Innenausbau des Viersternehauses beschäftigt. Im Oktober 2021 ziehen die ersten Bewohner ein. Schon im vergangenen Jahr wurden einige Mietverträge abgeschlossen. Das durchschnittliche Alter der Interessenten liegt bei 79 Jahren. 208 Wohnungen, zwischen 42 und 140 Quadratmetern groß, stehen zur Verfügung. Im Haus San Remo wird der historische Riviera-Saal, der wieder als öffentliches Restaurant dienen soll, denkmalgerecht rekonstruiert. Die Stuckateure sind mit ihrer Arbeit in den letzten Zügen.

An der Spree wäre noch Platz für Wohnungen auf einem landeseigenen Grundstück neben dem Viktoriaspeicher in Kreuzberg. 
An der Spree wäre noch Platz für Wohnungen auf einem landeseigenen Grundstück neben dem Viktoriaspeicher in Kreuzberg. 

© Kitty Kleist-Heinrich

Im Haus Venezia, im einstigen Gesellschaftshaus, werden Wände und Decken instandgesetzt. Daneben entstehen noch die Neubauten Genova, Capri und Napoli, die in einem Jahr bezugsfertig sein sollen. Die Mietkosten inklusive einer Servicepauschale liegen nach Angaben eines Sprechers der Terragon für eine Zweizimmerwohnung mit 60 Quadratmetern Wohnfläche bei etwa 1700 Euro im Monat. Betreiber ist die Agaplesion, ein Gesundheitsdienstleister in der Tradition christlicher Diakonie.

Nicht direkt am Wasser, aber doch in dessen Nähe wurde Mitte März der Grundstein für das zweiteilige Ensem | ble QH Crown gelegt (Projektentwickler Taurecon). Es schließt nördlich gelegen das Quartier Heidestraße in Reichweite des Berliner Hauptbahnhofs ab. Geplant sind hier zirka 130 exklusive Mietwohnungen. Die Federführung bei der Gestaltung liegt bei gmp Architekten.

Wer in Berlin am Wasser wohnen möchte, sollte sich auf hohe Preise einstellen. Laut Wohnimmobilienmarktbericht der Hypovereinsbank führen Grundstücke in unmittelbarer Wasserlage die Liste der teuersten Baugrundstücke an. Sie liegen noch einmal deutlich über denen in vergleichbarer Lage ohne Wasserzugang. Für Baugrund in Berlin muss inzwischen mit einem Preis von 600 Euro pro Quadratmeter in guter Randlage gerechnet werden. In zentralen Lagen ist mittlerweile die 2000-Euro-Marke pro Quadratmeter überschritten.

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