„Klischees aus dem vorigen Jahrhundert“ : Negativpreis für sexistische Werbung verliehen

Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ macht auf sexistische Werbung aufmerksam. Der „Zornige Kaktus“ geht auch an Edeka.

Ein Plakat gegen sexistische Werbung in Bremen.
Ein Plakat gegen sexistische Werbung in Bremen.Foto: picture alliance / Carmen Jasper

Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ macht mit ihrem Negativpreis „Zorniger Kaktus“ auf Sexismus in der Werbung aufmerksam. Rund 2.700 Menschen wählten in einer Online-Abstimmung aus 50 nominierten Anzeigen die frauenverachtendste Reklame aus, teilte „Terre des Femmes“ am Montag in Berlin mit.

Als „Sieger“ ging demnach ein fränkisches Unternehmen für Rohr- und Kanalreinigung hervor, das auf seinem Firmenwagen mit einer Frau wirbt, die in einem Rohr sitzt. Nicht nur stehe das in keinem Zusammenhang mit den angebotenen Dienstleistungen, diese seien auch noch grafisch in ihrem Schritt platziert und lenkten den Blick dorthin, kritisierte „Terre des Femmes.“ Der Slogan „Wir kommen immer durch!!!“ suggeriere zudem, dass Frauen immer sexuell verfügbar seien oder zumindest gefügig gemacht werden könnten.

Auch Handwerkerinnen kritisierten den Einsatz von sexistischen Werbemotiven: In einer Branche, die um Nachwuchs ringe, wirkten diese besonders abschreckend für Bewerberinnen und trügen zu einem schlechten Image der Berufe bei, erklärten Branchenvertreterinnen.

Der zweite Platz für sexistische Werbung ging an das Landratsamt Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Das Amt warb mit der Aufschrift „Prachtregion“ auf dem Hintern von Volleyball-Spielerinnen für mehr Tourismus. Die Sportlerinnen würden zu Sexobjekten degradiert, so die Jury.

Den dritten Negativpreis erhielt die Supermarktkette Edeka mit dem Clip „Danke Mama, dass du nicht Papa bist“, der laut „Terre des Femmes“ nahe legt, dass auch bemühte Männer keine guten Väter sein können. „Mit diesem Clip hat Edeka es geschafft, in gut einer Minute sowohl Männer als auch Frauen auf Klischees aus dem vorigen Jahrhundert zu reduzieren“, kritisierte die Frauenrechtsorganisation.

Sieben deutsche Städte haben den Angaben zufolge sexistische und diskriminierende Werbung auf öffentlichen Werbeflächen verboten, seit Anfang 2019 auch das gesamte Bundesland Berlin. (epd)

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