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Positive Signale für Konjunktur: Industrie meldet überraschend größtes Auftragsplus seit einem Jahr
Die Unternehmen verzeichnen mehr Bestellungen, besonders Metallerzeugnisse und der Fahrzeugbau profitieren kräftig. Experten halten die Talsohle für durchschritten. Das hat vor allem einen Grund.
Stand:
Ökonomen sehen positive Zeichen für die Konjunktur: Die deutschen Industrieunternehmen haben im November überraschend deutlich mehr Aufträge erhalten. Im Vergleich zum Oktober stieg der Auftragseingang saison- und kalenderbereinigt um 5,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Ohne Berücksichtigung von Großaufträgen war der Auftragseingang demnach um 0,7 Prozent höher als im Vormonat.
Das ist der dritte Zuwachs in Folge und das größte Plus seit Dezember 2024. Von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten hatten nach einem starken Oktober-Wert mit einem Rückgang gerechnet. Der Anstieg im Oktober wurde zudem leicht auf 1,6 Prozent nach oben revidiert.
Eine überdurchschnittliche Häufung von Großaufträgen aus dem Inland sorgte den Angaben zufolge auch im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich für eine Zunahme von 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch ohne Großaufträge legten die Auftragseingänge im Dreimonatsvergleich um 2,1 Prozent zu. Im Vergleich zum November 2024 beträgt das Plus 10,5 Prozent.
Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt.
Jens-Oliver Niklasch, Landesbank Baden-Württemberg
Ökonomen sprachen von positiven Signalen. „Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt“, sagte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er sprach von einem echten Zeichen für eine mögliche Trendwende.
Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe sprach von einem „richtigen Klopper“. „Die Talsohle dürfte durchschritten sein“, betonte Ökonom Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research. „Das sind endlich einmal wieder gute Nachrichten für die Industrie.“
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, nannte die Zahlen eine Konjunkturüberraschung. Die Auftragseingänge werden nach seinen Worten in den kommenden Monaten vor allem auch von Rüstungsaufträgen geprägt bleiben. „Der US-Angriff auf Venezuela führt eindrücklich vor Augen, dass es der derzeitigen Weltordnung auf militärische Stärke ankommt.“ Entscheidend werde aber sein, wie schnell die Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen in konkreten Projekten münden.
Rüstungsgüter befeuern Konjunktur in Deutschland
Ähnlich äußerte sich der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien. Rüstungsbestellungen dürften zu weiter steigenden Auftragseingängen führen. Das Auftragsplus sei ein weiteres Indiz dafür, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden.
„Diese Stütze ist für die Industrie hochwillkommen“, betonte Dullien. 2026 dürfte deutlich besser für die deutsche Industrie werden als das abgelaufene Jahr. Neben steigenden Staatsausgaben für Rüstung dürfte auch der Anstieg bei Infrastrukturinvestitionen der Industrie mehr Aufträge bescheren.
Der stärkste Nachfrageimpuls stammte dem Statistischen Bundesamt zufolge erneut aus dem Inland mit einem Orderplus von 6,5 Prozent. Die Nachfrage aus dem Ausland zog ebenfalls an, und zwar um 4,9 Prozent.
Deutliche Auftragszuwächse gab es etwa für Hersteller von Metallerzeugnissen mit 25,3 Prozent und im sogenannten Sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge) mit einem Plus von 12,3 Prozent.
Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe hatte sich vor dem Jahreswechsel eingetrübt. „Kaum eine Branche bleibt davon ausgenommen“, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte. Auch das Bundeswirtschaftsministerium bleibt deshalb vorsichtig und verweist auf handels- und geopolitische Unwägbarkeiten. „Somit ist weiter mit einer gedämpften Exportentwicklung zu rechnen“, so das Ministerium. (dpa, Reuters)
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