Exklusiv

Nach Senkung der Mehrwertsteuer : Starbucks will Einsparungen nicht an Kunden weitergeben

Die Kaffeekette wird ihre Preise trotz geringerer Steuerlast nicht reduzieren. Kritiker der Steuersenkung sehen sich nun bestätigt.

Das Logo der US-Kaffeekette Starbucks.
Das Logo der US-Kaffeekette Starbucks.Foto: AFP

Für außergewöhnliche Kaffee-Kreationen müssen Kunden von Starbucks ja bekanntlich etwas tiefer in die Tasche greifen. Ein großer Mocha mit weißer Schokolade kostet fast sechs Euro, und für einen zusätzlichen Spritzer Karamellsirup werden noch einmal gut 90 Cent fällig.

Kaffeeliebhaber, die wegen der seit Juli niedrigeren Mehrwertsteuer jetzt auf günstigere Preise gehofft haben, werden enttäuscht. Starbucks wird die Einsparungen aus der Steuersenkung nicht an seine Kunden weitergeben. Das geht aus einer internen E-Mail an deutsche Starbucks-Partner hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt.

„Das bedeutet, dass sich für die Verkaufspreise keine Änderungen ergeben“, heißt es darin. Auch wenn sich für Verbraucher an der Kasse also nichts ändert: Indirekt kommt das einer Preiserhöhung gleich. Was Starbucks weniger an den Staat weitergeben muss, behält die Kette jetzt praktisch über einen höheren Nettopreis ein.

Amrest Coffee Deutschland, der Betreiber nahezu aller deutschen Starbucks-Filialen, begründet die Entscheidung mit den langfristigen Perspektiven der Kette. Das Unternehmen will an dem im März verkündeten Tarifvertragsabschluss festhalten und der vereinbarten schrittweisen Lohnsteigerung von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr nachkommen. „Die Mehrwertsteuersenkung gibt uns hierfür einen flexibleren Handlungsspielraum“, heißt es auf Nachfrage.

Kritiker sehen sich bestätigt

Anfang Juni hatte sich die Große Koalition auf eine befristete Mehrwertsteuersenkung geeinigt. Von Juli bis Dezember müssen Unternehmen nur 16 statt der regulären 19 Prozent abführen, der ermäßigte Steuersatz fällt von sieben auf fünf Prozent. Die Erleichterung bei der Mehrwertsteuer war eine Maßnahme des 130-Milliarden-Konjunkturpakets der Bundesregierung. Union und SPD erhoffen sich davon, den Konsum nach dem verlustreichen Lockdown wieder anzukurbeln.

Das gelingt jedoch nur, wenn Unternehmen die Ersparnis auch an die Verbraucher weitergeben. Kritiker der Maßnahme sehen sich am Beispiel Starbucks deshalb nun bestätigt. „Die Mehrwertsteuersenkung ist vor allem ein Steuerscheck für Konzerne mit großer Marktmacht“, sagte der Linken-Bundestagsabgeordnete Victor Perli dem Tagesspiegel.

Starbucks stand auch wegen Steuervermeidung in der Kritik

„Anstatt die Steuersenkung an die Kunden oder die eigenen Beschäftigten weiterzugeben, maximiert Starbucks seine Gewinne.“ So stärke man nicht die Kaufkraft, sondern fülle vor allem die Kassen der Krisengewinner, behauptet Perli.

[Alle wichtigen Updates des Tages zum Coronavirus finden Sie im kostenlosen Tagesspiegel-Newsletter "Fragen des Tages". Dazu die wichtigsten Nachrichten, Leseempfehlungen und Debatten. Zur Anmeldung geht es hier.]

Bereits in der Vergangenheit stand Starbucks wegen angeblicher Steuervermeidung in der Kritik. Der US-Konzern soll Gewinne in Länder mit günstigeren Steuerregelungen verschoben haben. EU-Wettbewerbshüter hatten im Jahr 2015 befunden, dass Starbucks in den Niederlanden unerlaubte staatliche Beihilfen und Steuervorteile in Millionenhöhe erhalten habe und forderten eine Nachzahlung von 30 Millionen Euro.

Im vergangenen September hatte das Gericht der Europäischen Union (EuG) diese Forderung jedoch gekippt. Es sei der EU-Kommission nicht gelungen, die Existenz einer Vorzugsbehandlung von Starbucks nachzuweisen, erklärten die Richter.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!