Smartphone-Bank in der Identitätskrise : Finanzaufsicht Bafin untersucht N26

N26 wirbt damit, die No-Bullshit-Bank sein. Trotzdem konnten Tester bei dem Berliner Institut Konten mit gefälschten Pässen eröffnen. Die Bafin schreitet ein.

Gründer Valentin Stalf hat große Pläne. Nach Großbritannien soll N26 bald auch in den USA starten.
Gründer Valentin Stalf hat große Pläne. Nach Großbritannien soll N26 bald auch in den USA starten.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Im Netz sind Nutzer ungeduldig. Für Valentin Stalf, den Gründer der Berliner Smartphone-Bank N26, ist Zeit deshalb Geld. Je schneller es geht, bei seinem Institut ein Konto zu eröffnen, desto besser. Doch bei dem Streben, die Kontoeröffnung schneller und einfacher zu machen, sind er und seine Mitstreiter nun womöglich übers Ziel hinausgeschossen. Mehreren Testern ist es im Auftrag der „Wirtschaftswoche“ gelungen, Konten mit gefälschten Pässen zu eröffnen. Und das obwohl die Papiere angeblich so schlecht gemacht waren, dass es hätte auffallen müssen.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte das schwerwiegende Folgen für das Berliner Start-up haben. Denn genutzt werden solche Geisterkonten meist von Kriminellen, die darüber Gelder waschen oder Terroranschläge finanzieren. Deshalb schauen Aufseher genau hin, wenn auch nur der Verdacht im Raum steht, dass Konten mit falschen Papieren eröffnet werden. Institute wie ING oder die Deutsche Bank mussten in der Vergangenheit enorme Strafen zahlen, weil Kunden Konten für kriminelle Zwecke verwendet haben.

Auch im Fall von N26 wird die Finanzaufsicht Bafin nun aktiv. Man habe „die notwendigen aufsichtsrechtlichen Maßnahmen getroffen“, sagt ein Sprecher. Bleibt aber die Frage, wie es soweit kommen konnte. Zumal N26 in der Werbung großspurig verspricht, eben keinen „bullshit“ zu machen.

Die Bafin hält das Verfahren nicht für sicher

Um Geldwäsche zu verhindern, muss N26 – wie alle Geldinstitute – Neukunden überprüfen. In Deutschland nutzt das Start-up dafür inzwischen ausschließlich die Video-Identifizierung: Dabei hält der Kunde seinen Ausweis in die Kamera, während ein Mitarbeiter dessen Echtheit prüft. Im europäischen Ausland bietet N26 alternativ eine Art „Selfie-Identifizierung“ an. Dabei muss der Kunde nur seinen Pass fotografieren und ein Foto von sich machen. Ein Verfahren, das hierzulande jedoch umstritten ist. Die Bafin erkennt es laut eines Sprechers nicht „als sicheres Verfahren“ an. Womöglich auch deshalb setzt N26 die Selfie-Identifizierung nur im europäischen Ausland ein.

Eine Genehmigung von der Bafin braucht das Institut dafür nicht. N26 arbeitet für die Identifizierung per Foto mit Safened zusammen, einem Dienstleister aus Großbritannien, der eine Freigabe von den britischen Finanzaufsicht hat. Über das sogenannte „Passporting“-System dürfen britische Institute ihre Dienste im EU-Ausland anbieten – ohne separate Genehmigung nationaler Aufseher.

Dass Kunden das Verfahren genutzt haben, um unter falschen Namen Konten zu eröffnen, hat N26 selbst bislang nicht festgestellt. Die Selfie-Methode weise keine erhöhten Betrugsraten auf, sagt eine Sprecherin. „Wir legen größten Wert auf sichere Identifizierungsverfahren bei der Kundenanmeldung und überprüfen unsere Sicherungs- und Kontrollmechanismen ständig.“ Auch bei dem Dienstleister selbst heißt es, man nehme die Vorwürfe ernst. „Wir untersuchen das und ergreifen, wenn nötig, geeignete Maßnahmen“, schreibt Safened.

Schon früher gab es Sicherheitslücken bei N26

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Experten bei N26 Sicherheitslücken aufdecken. Vor zwei Jahren ist es einem ITler gelungen, Kundendaten abzufangen und Transaktionen zu manipulieren. Im Juli diesen Jahres dann haben Kriminelle das Video-Identifikationsverfahren von N26 missbraucht: Sie haben gefälschte Stellenanzeigen im Netz geschaltet und Bewerber gebeten, sich via N26 auszuweisen. Die Betroffenen haben so ungewollt Konten eröffnet, über die die Täter dann illegale Zahlungen abwickeln konnten.

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Dass N26 trotz dieser Erfahrung nun auf eine Identifizierungsmethode umgestiegen ist, die die deutsche Aufsicht für nicht sicher hält, könnte laut „Wirtschaftswoche“ am Kostendruck liegen. Das Institut ist seit der Gründung vor fünf Jahren rasant gewachsen und hat heute 1,5 Millionen Kunden in 18 Ländern. Gerade erst ist N26 in Großbritannien gestartet, Anfang 2019 soll es in den USA losgehen. All das kostet – dabei hat Gründer Stalf in Aussicht gestellt, bereits im kommenden Jahr erstmals Gewinne zu machen.

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