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„Wir schliessen. Alles muss raus“ steht auf dem Banner in der Tür eines Geschäfts in der Erfurter Altstadt.

© dpa/Martin Schutt

Sogar mehr als während Finanzkrise 2009: Zahl der Firmenpleiten auf höchstem Stand seit 20 Jahren

Fast 18.000 Insolvenzen von Firmen standen am Ende des Jahres 2025 zu Buche. Mit Nachholeffekten aus der Pandemie lassen sich die vielen Fälle laut Experten nicht mehr erklären.

Stand:

Die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland ist einer Studie zufolge 2025 so hoch ausgefallen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Insgesamt habe es 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften gegeben – der höchste Stand seit 2005, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Donnerstag mitteilte.

„Selbst im Zuge der großen Finanzkrise 2009 lag die Zahl rund fünf Prozent niedriger“, hieß es. Insgesamt waren etwa 170.000 Arbeitsplätze betroffen. Das sei ebenfalls ein sehr hoher Wert. Wie schon 2024 waren demnach auch im vergangenen Jahr besonders viele Jobs im Verarbeitenden Gewerbe betroffen – insgesamt rund 62.000.

Dem Institut zufolge lassen sich die vielen Fälle nicht mehr durch Nachholeffekte aus der Corona-Pandemie und der jahrelangen Niedrigzinspolitik erklären. „Die aktuell hohen Insolvenzzahlen spiegeln immer deutlicher die gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland wider“, sagte Steffen Müller, der Leiter der IWH-Insolvenzforschung, angesichts der schwachen Konjunktur und struktureller Probleme. Extrem niedrige Zinsen sowie umfangreiche staatliche Hilfen hatten Insolvenzen zunächst über Jahre hinweg verhindert.

Mit dem Zinsanstieg und dem Wegfall der Subventionen seien ab 2022 zwar Nachholeffekte ausgelöst worden. „Mittlerweile aber dürften die Nachholeffekte an Kraft verloren haben“, sagte Müller. Insolvenzen seien aber auch ein normaler Bestandteil der Marktwirtschaft: Sie stellten notwendige Marktbereinigungen dar und schafften Raum für zukunftsfähige Unternehmen.

Bis zuletzt zeigte der Trend nach oben: Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland lag dem IWH zufolge im Dezember bei 1519. Das seien 17 Prozent mehr als im Vormonat November, 14 Prozent mehr als im Vorjahresmonat Dezember 2024 und 75 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Dezember der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie.

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen. Auf Basis dieser Indikatoren erwartet Insolvenzforscher Müller für das erste Quartal 2026 weiterhin sehr hohe Zahlen. (Reuters)

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