Studie zur Arbeitszufriedenheit : Wer lustlos arbeitet, hat oft einen schlechten Chef

Viele Mitarbeiter denken am Montag: Noch vier mal schlafen, dann ist endlich Freitag. Schuld daran sind oft die falschen Führungskräfte.

Ein Mann mit Anzug und Aktenkoffer wirft einen Schatten auf das Kopfsteinpflaster.
Ein Mann mit Anzug und Aktenkoffer wirft einen Schatten auf das Kopfsteinpflaster.Foto: dpa

Nie ein Lob hören, dafür Ärger für jeden kleinen Fehler kriegen – oder gar nicht mehr wissen, wieso man morgens überhaupt ins Büro soll. Dies sind Gründe, warum sich vier von fünf Mitarbeitern hierzulande kaum oder überhaupt nicht mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen. Montags schon denken: Noch vier mal schlafen, dann ist endlich wieder Freitag. Zumindest kommt eine Studie des Beratungshauses Gallup zu diesem Schluss, das seit 2001 einmal im Jahr tausend zufällig ausgewählte Beschäftigte zu ihrer Arbeitslust befragt.

Es ist seltsam: Der gute Arbeitsmarkt soll angeblich dazu führen, dass sich Bewerber ihre Stelle in Deutschland gerade aussuchen können. Wem was nicht passt, der zieht weiter. Bei der Umfrage gaben aber 71 Prozent an, nur Dienst nach Vorschrift zu machen – ganz gleich, wie langweilig das ist. 14 Prozent haben innerlich bereits gekündigt. Diese Zahl ist im Vergleich zum vergangenen Jahr nur um ein Prozent gesunken. Damit sind immer noch mehr als fünf Millionen Menschen mit dem, was sie Tag für Tag tun, so unzufrieden, dass sie am liebsten sofort ihre Ordner packen würden oder sich schon nach einem neuen Chef umsehen. Richtig wohl fühlen sich nur 15 Prozent aller Mitarbeiter, was „nach wie vor“ einem niedrigen Niveau entspreche.

Kein Kontrolleur, sondern Ansporner

Ist jemand unzufrieden, lustlos, ist der Schuldige oft der Vorgesetzte. Nur einen von fünf Befragten bringt die Art, wie dieser ihn behandelt, dazu, „hervorragende Arbeit“ zu leisten. Lediglich ein Drittel gab an, dass Entscheidungen von dem getroffen werden, der mit der jeweiligen Aufgabe am vertrautesten ist. Ein Fünftel stimmte der Aussage zu, das Arbeitsumfeld ermutige die Mitarbeiter dazu, Neues auszuprobieren, zu scheitern, aus Missgeschicken zu lernen, besser zu werden. Vier Fünftel nicht.

Der Gallup-Berater Marco Nink schlussfolgert daraus: „Wenn Mitarbeiter mehr Eigeninitiative zeigen und größere Verantwortung übernehmen sollen, brauchen wir ein Umdenken auf allen Führungsebenen.“ Der Vorgesetzte solle nicht mehr der strenge „Leistungskontrolleur“ sein, sondern ein Coach, der berät, begeistert, anspornt. Immerhin sind glückliche Mitarbeiter auch seltener krank und leisten mehr. Gallup schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden, den die innere Kündigung von Angestellten auslöst, auf bis zu 103 Milliarden Euro.

Oft werden die Falschen befördert

Nink muss all das sagen, denn Gallup verdient sein Geld auch mit Führungskräfte-Schulungen. Wäre in den Chefetagen alles gut, bräuchte es keine Berater. Doch auch andere Studien bestätigen: Führungskräfte in Deutschland tun sich noch immer schwer damit, andere zu unterstützen, zu loben, sie entscheiden zu lassen. Warum? Oft werden die Falschen befördert, ist unter anderem der Soziologe Nink überzeugt. Meist rücken die auf, die gute Experten in ihrem Bereich seien. Nicht die, die Menschen lesen können.

Der Studie zufolge fehlt es in vielen deutschen Betrieben außerdem an Flexibilität und Mut für Veränderungen. Dabei mögen mehr Mitarbeiter ihren Job, die ihr Unternehmen als schnell und effizient einschätzen (43 Prozent) als jene, die in langsamen Betrieben sind, wo neue Entwicklung erstmal skeptisch beäugt werden (sechs Prozent).

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Im europäischen Vergleich zu den drei weiteren führenden Volkswirtschaften, schneidet Deutschland bei der sogenannten „Agilität“ ebenfalls nicht gut ab. Während nur einer von zehn Deutschen angab, dass sein Unternehmen flott Entscheidungen treffe, zackig auf Anforderungen reagiere, stimmten in Großbritannien 13 Prozent zu, in Spanien 15 Prozent, in Frankreich 16 Prozent. „Der aktuelle Erfolg der deutschen Wirtschaft lässt Unternehmen träge werden“, meint Gallup-Berater Nink. „Diese Einstellung ist gefährlich, da sich jedes Unternehmen fragen muss, ob sein Geschäftsmodell auch in fünf Jahren noch Bestand hat.“

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