Zulieferfirmen : So viel Deutschland steckt im iPhone

Um seine Zulieferer macht Apple gern ein Geheimnis. Seine 200 größten Auftragnehmer muss der Konzern aber preisgeben. Auch deutsche Firmen sind dabei.

Laurin Meyer
Die Chips und Sensoren im iPhone stammen auch aus Deutschland
Die Chips und Sensoren im iPhone stammen auch aus DeutschlandFoto: dpa

Deutschland profitiert wie kaum ein anderes Land von der iPhone-Produktion. Glaubt man Apple, dann kann der Smartphone-Hersteller hierzulande auf die europaweit höchste Dichte an Zulieferern zurückgreifen. Die Firmen produzieren entweder direkt für den Tech-Konzern oder arbeiten wiederum anderen Apple-Zulieferern zu. Insgesamt 767 Unternehmen mit deutschem Produktionsstandort führte Apple im vergangenen Jahr auf, acht davon gehörten sogar zu Apples 200 größten Zulieferern. Mehr als 260 000 Arbeitsplätze hingen in Deutschland direkt oder indirekt am Apple-Kosmos. Der Konzern muss der US-amerikanischen Börsenaufsicht jährlich eine Namensliste vorlegen.

Infineon

Der Bauteilehersteller mit Sitz in München arbeitet gleich von mehreren Standorten aus für Apple – hierzulande gehören Dresden und Regensburg dazu. Aus der sächsischen Hauptstadt stammen Halbleiterprodukte, die bayerische Fabrik gilt als wichtiger Entwicklungsstandort für Chipgehäuse. Zu einzelnen Kunden will sich Infineon nicht äußern. Insgesamt würde das Smartphone-Geschäft aber nur einen kleinen Teil des Umsatzes ausmachen, erklärt ein Unternehmenssprecher. Deshalb sei man auch nicht von einem Hersteller abhängig.

Bosch

Auch der schwäbische Konzern, immerhin der weltweit größte Autozulieferer, gehört laut Apple zu den wichtigsten Lieferanten. Das Finanzportal Bloomberg spekuliert, dass Bosch unter anderem einen Großteil spezieller Sensoren für das iPhone 8 herstellt. Diese senden Daten, ob der Nutzer sein Gerät horizontal oder vertikal hält. In jedem zweiten Smartphone weltweit sollen Sensoren von Bosch verbaut sein, schätzen Analysten.

Wickeder Westfalenstahl

Der nordrhein-westfälische Verarbeiter ist spezialisiert auf Verbundwerkstoffe aus Metall. Spezielle Hüllen aus einer Edelstahl-Kupfer-Mischung sollen die Wärme im Smartphone so verteilen, dass die Geräte nicht überhitzen. Wickeder Westfalenstahl ist mit zwei Standorten bei Apple aufgeführt – mit dem Stammhaus in Wickede und einer Fabrik im US-Bundesstaat Massachusetts.

Manz

Nicht unter den Top 200 gelistet, dennoch wohl Zulieferer für Apple: der Maschinenbauer Manz aus Reutlingen. Die schwäbische Firma produziert Anlagen zur Fertigung von Touch-Displays und Bildschirmen. Große Hoffnungen setzt das Unternehmen auch ins Batterie- Geschäft unter anderem für die Unterhaltungselektronik. Zwar sei Manz nicht befugt, eine eventuelle Zusammenarbeit mit dem Smartphone-Hersteller zu bestätigen oder zu dementieren, heißt es auf Nachfrage. Apple hatte das Unternehmen vor einiger Zeit aber selbst noch als Zulieferer genannt.

Dialog Semiconductor

Der deutschbritische Chiphersteller gehört zu Apples engsten Partnern. Das Unternehmen produziert Chips, die unter anderem die Energieversorgung von Smartphones regeln. Im Herbst vergangenen Jahres haben die beiden Firmen ihre Zusammenarbeit auf ein neues Fundament gehoben: Apple kaufte kurzerhand einen Teil des Unternehmens. Der Smartphone-Hersteller übernahm 300 Ingenieure des Zulieferers sowie Patente und vier Standorte, darunter die deutschen in Nabern und Neuaubing. Im Gegenzug zahlte der Tech- Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag und sicherte Aufträge zu. Die Arbeiten für Apple sollen schätzungsweise 78 Prozent des Umsatzes von Dialog Semiconductor ausmachen.

Henkel

Und auch deutsche Unternehmen, die nicht in Deutschland für Apple produzieren, finden sich in der Liste der Zulieferer – darunter der Konsumgüterkonzern Henkel. Von seinen chinesischen Standorten in Shandong und Guangdong aus dürften Klebstoffe für Apple-Geräte vom Band laufen, ebenso wie aus einer Fabrik im US-Bundesstaat Minnesota.

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