Zustand in der Gastronomie : „Das Wirtshaus darf nicht sterben“

Harter Wettbewerb, viel Bürokratie: Obwohl es Gastronomie und Hotellerie gut geht, hat die Branche einige Forderungen an die Politik.

Barkeeper mixt einen Drink.
Barkeeper mixt einen Drink.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Samstagsabends dürfte in Neukölln oder Mitte wohl niemand auf die Idee kommen, dass Bars Probleme mit zu wenig Gästen haben. Aber in den kleinen Städten des Landes, den Dörfern? „Da darf das Wirtshaus verdammt nochmal nicht sterben“, warnte Dehoga-Präsident Guido Zöllick am Dienstag in Berlin vor rund tausend Zuhörern aus Gastronomie und Hotelgewerbe.

Zunächst: Hotels, Pensionen und Gaststätten steigerten ihre Umsätze zuletzt um drei Prozent. Bereinigt um Preiserhöhungen blieb laut Statistischem Bundesamt ein Plus von 0,8 Prozent. Derzeit erwartete der Branchenverband Dehoga für 2018 sogar das neunte Rekordjahr in Folge. Grund seien die Konsumfreude der Verbraucher und die gute Konjunktur. Auch vom Trend zum Urlaub in Deutschland und vom außergewöhnlich warmen Sommer profitierte die Branche, wenn auch nicht überall.

Zöllick forderte deswegen einiges: weniger bürokratische Auflagen, flexiblere Arbeitszeiten und eine Absenkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf sieben Prozent. „Für Deutschlands Gastronomen bedeutet der volle Steuersatz einen knallharten Wettbewerbsnachteil, insbesondere gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel und den Lieferdiensten“, sagte Zöllick in Anwesenheit von FDP-Chef Christian Lindner und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Bundesfinanzminister Olaf Scholz enttäuschte die Hoffnung darauf jedoch am Nachmittag.

Kramp-Karrenbauer nannte die Arbeitszeiten zwar „eine Herausforderung“, sprach sich aber für flexiblere Regeln aus, solange es zu „keiner Erhöhung durch die Hintertür“ käme. Angela Merkel sagte mal, dass sie sich vorstellen könne, ein Restaurant zu führen. Kramp-Karrenbauer auch? Durchaus, sie komme aus einer großen Familie, möge Feiern, ihre Tochter habe eine Ausbildung in der Branche gemacht. „Aber“, sagte sie dann, „ich habe gerade noch andere Lebensplanungen.“

Lindner meinte, gute Rahmenbedingungen für die Branche müsste sogar „Teil der Staatsräson“ sein. Die Menschen seien immerhin zufriedener, wenn sie gut trinken und essen könnten. Was die Bedingungen für die Mitarbeiter betrifft, kritisierte Zöllick die im Koalitionsvertrag vereinbarte Mindestausbildungsvergütung. Damit mehr junge Menschen in Hotels und Restaurants anfangen, sollte die Politik stattdessen ihren Beitrag leisten, indem sie die Azubis finanziell entlaste, wenn diese von ihren Arbeitgebern freie Kost oder Wohnraum bekämen. Bisher seien dafür Abgaben fällig.

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