Dienstreisen an Hochschulen : 1700 Wissenschaftler verzichten auf kürzere Flugreisen

Zur nächsten Konferenz lieber per Bahn: Über 1700 Wissenschaftler wollen auf Flugreisen verzichten. Doch es gibt ein Problem mit einem Bundesgesetz.

Joana Nietfeld
Eine Frau am Flughafen.
Eine Frau am Flughafen.Foto: FOTOLIA

Der Begriff des „Flugschams“ ist inzwischen verbreitet: Es ist nicht mehr kosmopolitisch für ein Meeting von Berlin nach Paris zu fliegen, sondern klimaschädigend. Dass diese Strecke etwa 250 Kilogramm CO2 ausstößt, wissen vor allem diejenigen, die seit langem davor warnen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Doch die Wissenschaft bringt das durchaus in eine Zwickmühle. Schließlich agiert sie international, Tagungen und Konferenzen bringen Menschen zusammen, die ansonsten in großer räumlicher Distanz zueinander arbeiten.

So gibt der Pressesprecher der Freien Universität Berlin, Goran Krstin, an, dass an der FU im Jahr 2017 insgesamt 5000 Dienstreisen erfasst wurden, knapp die Hälfte davon mit dem Flugzeug. Um Flugmeilen an den Unis einzudämmen, initiierte wie berichtet Martina Schäfer, Geschäftsführerin des Zentrums für Technik und Gesellschaft an der TU Berlin, eine Petition.

In dieser verpflichten sich Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter dazu, bei Strecken unter 1000 Kilometern auf das Flugzeug zu verzichten.

Am höchsten ist die Beteiligung an der HU

Unterzeichnet haben das bislang 1728 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von neun Universitäten und Fachhochschulen: Neben TU, FU und Humboldt-Universität kommen Unterschriften etwa auch von den Unis Leipzig, Potsdam und von der Berliner Beuth Hochschule.

Die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass sich die meisten bisher an der HU beteiligen: Dort sind es 21 Prozent der Belegschaft. An der TU sind es 13 Prozent, an der FU acht Prozent. Martina Schäfer stellt die Zahlen am Freitag gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor beim globalen Klimastreik vor.

Aktiv sind am Freitag auch die Studierenden: Die Fridays for Future Gruppen der Berliner Unis rufen alle Kommilitionen dazu auf, trotz Semesterferien am Klimastreik teilzunehmen. Ein ganzer „Studiblock“ ist geplant, in dem Demonstrierende aller Hochschulen gemeinsam in Erscheinung treten wollen.

Im Vorfeld berichtete Schäfer, dass einigen der 1000-Kilometer-Flugverzicht als zu weitgehend erschien. „Auf den Ausschluss von Inlandsflügen hätten sich wahrscheinlich noch mehr Wissenschaftler*innen einlassen können.“ Denn natürlich kosten die zusätzlichen Stunden im Zug mehr Arbeitszeit und sind dabei nicht unbedingt günstiger.

Ein Konflikt mit dem Bundesreisekostengesetz

Genau hier könnte die Petition auf ihre Grenzen stoßen. Das Bundesreisekostengesetz sieht vor, dass bei Dienstreisen im öffentlichen Dienst immer die ökonomisch günstigste Variante gewählt werden muss. In Zeiten von Billig-Airlines, die einen Flug nach Paris weitaus günstiger machen, als eine Bahnfahrt, kommt das Gesetz der Petition in die Quere.

Martina Schäfer sieht daher dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik, gleichzeitig müssten sich Universitäten aber auch Gedanken zu Alternativen von langen Reisen machen. Dazu gehörten gut ausgestattete Videoräume für Konferenzen.

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Die Option, sich mit Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern auch auf andere Art auszutauschen, brächten zudem auch zeitliche Entlastungen für Familien.

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