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In Großstädten wie Neu Delhi in Indien sind die Auswirkungen von Hitzewellen aufgrund des lokalen Klimas größer als in ländlichen Regionen.
© Manish Swarup/AP/dpa

Temperaturen von fast 50 Grad: Extremste Hitzewellen seit 1950 identifiziert

Der Klimawandel lässt Hitzewellen häufiger werden. Eine Analyse zeigt, welche Regionen es besonders schwer treffen könnte.

In Regionen Indiens und Pakistans herrscht seit Wochen ungewöhnliche Hitze. In den vergangenen Jahrzehnten zwischen 1950 bis 2021 blieben solche Wetterextreme Forschenden zufolge oft unbeachtet. Wahrscheinlicher Grund sei, dass sie in Regionen mit weniger verfügbaren Daten auftraten, berichten sie im Fachjournal „Science Advances“.

Das Team um die Klimawissenschaftlerin Vikki Thompson von der britischen Universität Bristol berücksichtigte für seine Auswertung die relative Intensität, wie extrem Hitzewellen im Verhältnis zu üblichen lokalen Temperaturschwankungen waren.

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Die drei heftigsten Hitzewellen analysiert

„Es ist wichtig, den Schweregrad von Hitzewellen anhand der lokalen Temperaturschwankungen zu beurteilen, da sich sowohl der Mensch als auch das natürliche Ökosystem daran anpassen“, erläutert Thompson. In Regionen mit geringeren Schwankungen könnten schon vergleichsweise kleine Extreme große Auswirkungen haben.

Das Forschungsteam berechnete daher Abweichungen von mittleren Schwankungen der Tageshöchsttemperatur für die betrachteten Regionen. Im zurückliegenden Jahrzehnt sticht dann etwa eine Hitzewelle im Westen Nordamerikas im letzten Sommer hervor: Am 29. Juni sei in der Stadt Lytton, British Columbia, ein kanadischer Höchstwert von 49,6 Grad gemessen worden. Der bisherige Höchstwert in den Aufzeichnungen seit 1950 sei damit um 4,6 Grad übertroffen worden. Die Hitzewelle sei mit hunderten Opfern das bisher tödlichste Wetterereignis in Kanada gewesen. Damit verbundenen Waldbrände hätten zu umfangreichen Infrastruktur-Schäden und Ernteausfällen geführt.

Die drei in ihrer relativen Intensität heftigsten Hitzewellen weltweit gab es der Analyse zufolge in Südostasien im April 1998, in Brasilien im November 1985 und im Süden der USA im Juli 1980. Es handele sich jedoch nicht um eine endgültige Liste der extremsten Ereignisse, sagt das Team. Schon kleine Änderungen der Methodik, etwa der zeitlichen Auflösung oder regionalen Zuordnungen, könnten die identifizierten Ereignisse oder ihre Reihenfolge ändern.

Risiken nehmen in Städten besonders zu

„Der Klimawandel ist eines der größten globalen Gesundheitsprobleme unserer Zeit und wir haben gezeigt, dass viele Hitzewellen außerhalb der entwickelten Welt weitgehend unbemerkt geblieben sind“, sagte Mitautor Dann Mitchell von der Uni Bristol. Eine Hitzewelle könne für ein Land tausende Todesfälle bedeuten. Länder, in denen die Temperaturen ohnehin hoch sind, seien am anfälligsten.

Anhand von Klimamodell-Projektionen schloss das Team auch auf die Entwicklung im weiteren Verlauf des Jahrhunderts. Die Analyse bestätigt Prognosen, denen zufolge die Intensität von Hitzewellen im Zuge steigender globaler Temperaturen zunehmen wird. Regionen, die weniger Hitzewelle erlebt haben, seien möglicherweise weniger gut auf potenziell bevorstehende Ereignisse vorbereitet, warnen die Wissenschaftler:innen. Dies gelte etwa für Teile von Australien und Zentralafrika.

Zu berücksichtigen sei auch, dass die Auswirkungen von Hitze in Städten noch verstärkt werden. Da Prognosen zufolge fast 70 Prozent der Weltbevölkerung bis 2050 in Städten leben werden, nähmen dort auch die Risiken durch Hitzewellen besonders zu.

Annett Stein - dpa

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