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Siegreicher Süd-Westen. Die Universität Heidelberg hat zwei Cluster und drei Graduiertenschulen im Exzellenzwettbewerb gewonnen, auch ihr "Zukunftskonzept" wurde prämiert

© Uni Heidelberg/Kommunikation

Zukunft der Elite-Unis: Exzellentes Gerangel

Wie der Elitewettbewerb weitergeht, ist völlig offen. Zu unterschiedlich sind die Interessen der verschiedenen Länder und des Bundes

Die Exzellenzinitiative soll fortgesetzt werden, so haben es Bund und Länder im vergangenen November beschlossen. Aber wie? Soll die Spitze der Hochschullandschaft stärker betont werden oder lieber die Breite? Die Interessen der einzelnen Länder und des Bundes klaffen im Moment so weit auseinander, dass es nicht einmal gelingt, sich über die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe zu einigen, die in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) in wenigen Wochen erstmals zusammentreten und eine Verständigung vorbereiten soll.

Sollten dort ursprünglich zwei SPD-regierte und zwei unionsregierte Länder gemeinsam mit dem Bund verhandeln, werden es nun drei SPD-regierte und drei unionsregierte sein, um die Gruppe etwas repräsentativer zu gestalten. Gut vertreten fühlen sich die Länderregierungen, die draußen bleiben müssen, deshalb noch lange nicht. Mehrere sollen schon erklärt haben, sie fühlten sich durch Verabredungen der Gruppe keineswegs gebunden.

Die Imboden-Kommission soll schon im Sommer einen ersten Bericht vorlegen

Die Zeit drängt, denn die bereits geförderten Unis können nicht erst im Jahr 2016 erfahren, wie es nach 2017 weitergeht, wenn die Mittel aus der ersten Exzellenzinitiative versiegen. Darum haben Bund und Länder den Zeitplan bereits nach vorne verschoben. Eigentlich wollten sie sich erst nach dem Januar 2016 detailliert äußern, wenn die internationale Expertenkommission unter Vorsitz des Umweltphysikers Dieter Imboden die Exzellenzinitiative evaluiert hat. Auf Drängen der Politik hin muss die Imboden-Kommission nun aber schon einen ersten Bericht im Sommer vorlegen. Im Herbst soll die GWK sich dazu äußern, wie der nächste Wettbewerb konkret aussehen soll. Aber erst im Juni 2016 wollen die Ministerpräsidenten das Programm mit der Bundeskanzlerin beschließen. Bis dahin kann weitergestritten werden.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), deren Ministerium auch für die neue Exzellenzrunde den größten Teil der Mittel beitragen wird, steckt in aufreibenden Verhandlungen. Ihr Ziel muss es sein, eine Exzellenzinitiative II vorzeigen zu können, die öffentlich etwas hermacht. Bisher favorisierte Wanka einen Wettbewerb mit drei Förderklassen: mit fünf bis sieben Spitzenunis, mit bis zu 50 „Profilstandorten“ mit leistungsstarken Bereichen sowie bis zu 50 leistungsstarken Fachhochschulen.

Die Politiker machen die unterschiedlichsten Vorschläge

In der Politik kursieren aber noch ganz andere Vorschläge. Dabei geht es nicht entlang der parteipolitischen Linien, sondern um regionale Interessen. Das im Wettbewerb erfolgreiche Berlin steht darum eher an der Seite Bayerns und Baden-Württembergs. Länder, die von der Exzellenzinitiative gar nicht (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern) oder wenig profitiert haben (etwa Thüringen oder Rheinland-Pfalz), wollen diesmal nicht zusehen, wie die Millionen in den Süd-Westen fließen. So gibt es die Idee, es könne nur eine einzige Förderlinie mit Clustern für 50 bis 60 Hochschulen geben – „so, dass jeder was bekommt“, wie ein Kenner formuliert. Für Freunde der Spitze wäre dies ein anti-exzellenter Guss mit der Gießkanne. Sie könnten sich darum auch vorstellen, dass diese Länder mit einem anderen Programm kompensiert werden, ohne Exzellenzglanz.

Die Besten der Besten sollen diesmal gekürt werden

Andere, wie etwa Berlins früherer Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD), meinen, der Exzellenzwettbewerb sei gestartet worden, um die Besten zu identifizieren. Also müsse der neue Wettbewerb dort einsetzen, wo der alte geendet hat. Das Ziel solle sein, 20 Unis dauerhaft zu fördern und eine Spitze von fünf bis sieben in den Weltrankings nach oben zu bringen. Zöllner fordert ein einheitliches Förderformat für die Spitzenforschung und den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Auseinander gehen die Meinungen auch darüber, was mit denjenigen Unis wird, die erst später „exzellent“ wurden und bislang nur eine Förderperiode von fünf Jahren haben, darunter die Humboldt-Uni. Reicht eine Evaluation, nach der sie fünf Jahre weitermachen dürfen? Oder sollen sie sich auf völlig neue Formate bewerben müssen? Mit fantasievollen Kompromissen ist zu rechnen – aber nicht sehr bald.

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