Fleisch essen, Klima schonen? : Noch kostet Retortenfleisch 140 Euro pro Kilo

Die klimaschonende Bulette aus dem Labor ist möglich – doch ganz auf die Kuh kann man dabei noch nicht verzichten, sagte Mark Post auf der Falling Walls 2019.

Mark Post hat 2013 die erste Retortenbulette präsentiert. Auf der Falling Walls Konferenz berichtete er von den Hürden, die die Technik bis zu Marktreife noch zu nehmen hat.
Mark Post hat 2013 die erste Retortenbulette präsentiert. Auf der Falling Walls Konferenz berichtete er von den Hürden, die die...Foto: Falling Walls Foundation

Die Produktion von Fleisch raubt der Erde Ressourcen. Der wachsende Hunger der Weltbevölkerung auf Tierisches wird den Klimawandel weiter beschleunigen und die weltweite Artenvielfalt vermindern. „Wer wusste das schon?“, fragt Mark Post, Physiologie-Professor aus Maastricht das Publikum im Saal. Fast alle Hände gehen hoch. „Und wer ist Vegetarier?“ Fast alle Hände gehen wieder runter.

Post hat erkannt, dass viele nicht auf Fleisch verzichten wollen und war der Erste, der versuchte, aus nur wenigen tierischen Stammzellen Muskelfleisch im Labor zu züchten. Im Sommer 2013 stellte er den ersten Burger aus der Retorte vor – eine Sensation, obwohl Testesser die Bulette trocken fanden und sie 325.000 Dollar kostete.

Heute, sechs Jahre später, gibt es den Burger aus dem Labor noch immer nicht zu kaufen. Obwohl inzwischen fast 50 Unternehmen darum wetteifern, ihn zuerst auf den Markt zu bringen – inklusive „Mosa Meat“, wo Post arbeitet. In Berlin präsentierte der Wissenschaftler nun neue Zahlen. Mittlerweile lägen die Produktionskosten von einem Kilo Laborfleisch bei 138 Euro. Außerdem sei ein großes Problem gelöst, sagte Post dem Tagesspiegel: Die Nährlösung, in der die Zellen sich vermehren sollen, werde nicht mehr aus dem ethisch umstrittenen Kälberserum hergestellt. Forschern stünden etwa 30 „tierfreie“ Lösungen zur Verfügung, die je nach Zellart eingesetzt würden.

Fett züchten, damit das Kunst-Fleisch nicht so trocken ist

Derzeit werde versucht, Fettgewebe zu züchten, damit der Burger nicht mehr so trocken ist. Fleisch im größeren Maßstab zu produzieren, sei aber nach wie vor schwierig. Post schätzt, dass erste Labor-Burger in vielleicht zwei bis drei Jahren in Restaurants auf den Teller kommen könnten – „wahrscheinlich für um die 140 Euro pro Kilo“. Bis das „Fake-Fleisch“ im Supermarkt zu kaufen ist, werde es aber noch Jahre dauern.

Ob sich damit das Ressourcenproblem lösen lässt, ist fraglich – zumal viele Menschen dem Retortenfleisch skeptisch gegenüberstünden, so Post. Ganz verschwinden würde die Kuh ohnehin nicht. Denn die Stammzellen, aus denen das Fleisch gezüchtet wird, können sich etwa 35 Mal teilen, dann brauche man frische vom Tier. Dieses Problem könne man nur lösen, indem man die Zellen genetisch verändere. „Und das ist in Europa ein No-Go.“

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