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Freizeit-Monitor 2019 : „Die Deutschen haben das Genießen in der Freizeit verlernt“

Auch in der Freizeit hängen die Menschen immer mehr am Smartphone - statt zu tun, was ihnen gut täte. Das hat auch Auswirkungen auf das Liebesleben.

Das Smartphone wird immer mehr zur dominierenden Freizeitaktivität - und verdrängt so sogar den Sex aus Deutschlands Betten.
Das Smartphone wird immer mehr zur dominierenden Freizeitaktivität - und verdrängt so sogar den Sex aus Deutschlands Betten.Foto: Christophe Gateau/dpa

Das Smartphone wird immer mehr zur dominierenden Freizeitaktivität. Das geht zumindest aus der repräsentativen Studie „Freizeit-Monitor 2019“ hervor, die die Stiftung für Zukunftsfragen am Donnerstag veröffentlicht hat.

Außerdem zeigen die Auswertungen der Antworten von mehr als 2200 Menschen in Deutschland, dass viele von ihnen das Genießen ihrer Freizeit verlernt haben. „Die Deutschen sind ein sehr medienzugewandtes Volk, das seine Freizeit allerdings oftmals falsch nutzt und nicht das macht, was ihm gut täte oder was es gern will“, sagte Prof. Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter des „Freizeit-Monitors“, der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg.

Die Studie wird seit 1986 regelmäßig von der Hamburger Stiftung erhoben. Dahinter steht das Tabakunternehmen British American Tobacco.

Das Smartphone ist erwartungsgemäß für die Mehrheit der Bevölkerung (57 Prozent) mittlerweile selbstverständlich. Es sei deshalb nur noch eine Frage der Zeit, bis die digitalen Medien bei der Rangliste der Freizeitbeschäftigungen der Deutschen die Spitzenplätze übernehmen. Noch stehen Fernsehen (94 Prozent), Radio hören (88 Prozent), Telefonieren von daheim (81 Prozent) sowie Musik hören (83 Prozent) auf den Spitzenplätzen.

Mindestens einmal Sport in der Woche machen dagegen nur noch 35 Prozent der Befragten, 25 Prozent arbeiten regelmäßig im Garten und nicht einmal jeder Zehnte geht regelmäßig in die Kirche, zum Stammtisch oder Einkaufen.

Die intensive Smartphone-Nutzung sowie die zunehmenden Freizeitaktivitäten hätten zudem Auswirkungen aufs Sexleben. Danach hat nur etwa jeder zweite Bundesbürger (52 Prozent) wenigstens einmal pro Monat Sex. Vor fünf Jahren seien es noch 56 Prozent gewesen, heißt es in der Untersuchung.

"Der Stress in der Freizeit hat weiter zugenommen", sagt Prof. Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter des "Freizeit-Monitors". "In Folge dessen nehmen sich die Deutschen immer weniger Zeit für Sex und Erotik." Außerdem würden die Erwartungen sowohl an Frauen als auch an Männer immer größer und der Leistungsdruck steige auch im Bett.

Am wenigsten Sex: Singles und Ruheständler

"Entgegen dem Klischee haben Eltern noch den meisten Sex", sagt Reinhardt. So hätten 59 Prozent der Eltern in der Altersgruppe der 25- bis 49-Jährigen wenigstens einmal die Woche Sex und 82 Prozent mindestens einmal im Monat. Knapp dahinter folgen die kinderlosen Paare (58 Prozent wöchentlich und 85 Prozent monatlich).

Einer repräsentativen Studie zufolge nimmt die Erotik im Leben der Deutschen einen immer geringeren Platz ein.
Einer repräsentativen Studie zufolge nimmt die Erotik im Leben der Deutschen einen immer geringeren Platz ein.Foto: Christophe Gateau/dpa

Am wenigsten Sex haben laut der Studie Singles (27 Prozent wenigstens einmal die Woche Sex, 49 Prozent zumindest einmal im Monat) und Ruheständler (ab 65 Jahre: 7 Prozent mindestens einmal die Woche Sex, 23 Prozent monatlich). Auch steige das Alter, in dem Jugendliche zum ersten Mal Sex haben, langsam wieder an. 

Für die Studie wurden im Juli 2019 mehr als 2200 Menschen, die älter als 14 Jahre waren, persönlich (Face-to-Face) zu ihrem Freizeitverhalten befragt. Sie sollten angeben wie oft sie 90 verschiedene Aktivitäten ausüben. Der "Freizeit-Monitor" wird regelmäßig von der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg erhoben. Dahinter steht das Tabakunternehmen British American Tobacco. (dpa)

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