zum Hauptinhalt
Wenn man sich mit jemandem unterhält, vergehen lange Autofahrten schneller, doch die Unfallgefahr wird erhöht.

© hedgehog94 - stock.adobe.com

Gefahr am Steuer: Quatschen verlangsamt die Augenbewegungen

Wenn man sich mit jemandem unterhält, vergehen lange Autofahrten schneller. Manche telefonieren darum gerne am Steuer. Doch das könnte die Unfallgefahr erhöhen, auch wenn man kein Handy in der Hand hält.

Von Annett Stein

Stand:

Während der Fahrt zu quatschen, kann Autofahrer gefährlich ablenken. Zudem können Gespräche die für sicheres Fahren unerlässlichen Augenbewegungen verzögern, wie japanische Forscher entdeckt haben. In brenzligen Situationen, zum Beispiel beim plötzlichen Auftauchen eines Fußgängers oder Gegenstands auf der Fahrbahn, könne das wertvolle Sekundenbruchteile kosten, in denen ein Unfall gerade noch verhindert werden könnte, warnen die Wissenschaftler.

Im direkten Gespräch und auch am Telefon

Es war bereits bekannt, dass die gedankliche Beanspruchung beim Quatschen das Situationsbewusstsein beeinträchtigen und Bremsmanöver verzögern kann. Das Team um Shintaro Uehara von der Fujita Health University (FHU) wies nun nach, dass Gespräche eine so starke kognitive Belastung darstellen, dass sie wichtige Augenbewegungs-Reaktionen verzögern.

Dadurch könne die schnelle visuelle Einschätzung beeinträchtigt werden und das Unfallrisiko steige, berichten die Forschenden im Fachmagazin „PLOS One“. Das Blickverhalten sei besonders wichtig, weil etwa 90 Prozent der fürs Fahren verwendeten Informationen visuell erfasst werden. Jede Verzögerung bei den Augenbewegungen könne zu einer langsameren Erkennung von Gefahren und verzögerten Reaktionen führen.

2,5
Millionen Verkehrsunfälle mit Personen- oder Sachschäden wurden im Jahr 2024 in Deutschland erfasst.

Die Forschenden hatten 30 gesunde Erwachsene unter drei verschiedenen Bedingungen Aufgaben zu schnellen Augenbewegungen gestellt: beim Sprechen, beim Zuhören und zur Kontrolle ohne Ablenkung. Die Teilnehmer wurden angewiesen, so schnell und genau wie möglich auf ein Ziel zu schauen, das in einer von acht Richtungen präsentiert wurde.

Bei allen Teilnehmern führte das Sprechen zu deutlichen Verzögerungen in drei wichtigen Komponenten des Blickverhaltens: der benötigten Reaktionszeit, um die Augen nach dem Erscheinen des Ziels zu bewegen, der Bewegungszeit, das Ziel zu erreichen, und der Anpassungszeit, um den Blick auf das Ziel zu stabilisieren.

Das Problem spiele nicht nur bei Gesprächen mit Mitfahrenden eine Rolle, sondern auch bei der Nutzung von Freisprechanlagen, so die Forschenden. Beim Zuhören und ganz ohne akustische Ablenkung gab es den Effekt nicht. Offenbar ist es die kognitive Anstrengung bei der Formulierung verbaler Antworten, die zulasten der Blicksteuerung geht, schließt das Team um Uehara.

Das Sprechen führe zu Verzögerungen in der frühesten Phase der visuellen Verarbeitung vor der Erkennung, Entscheidungsfindung oder Handlung, erläutert das Team. Sie sind so gering, dass sie für die Fahrenden nicht erkennbar sind. Sie könnten sich jedoch in gefährlichen Situationen zu entscheidenden Sekundenbruchteilen aufsummieren.

Sprechen sei nicht die einzige oder vorherrschende Ursache für verlangsamte körperliche Reaktionen am Steuer, betonen die Forschenden. Die Fahrleistung werde durch mehrere Faktoren beeinflusst, wie etwa die geteilte Aufmerksamkeit, wenn das Gehirn zwei anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen hat. Wichtig sei, dass sich Autofahrer des Risikos bewusst seien und im Zweifelsfall lieber auf ein Gespräch verzichteten. (dpa)

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })