
© imago stock&people/imago stock&people
Kuriose Wundheilung: Verletzte Quallen können sich vereinen
Kaputte Körperteile wachsen nach, Wunden werden mit Narbengewebe verschlossen. Wenn es ums Überleben geht, sind alle Lebewesen erfindungsreich. Was Rippenquallen können, ist allerdings einzigartig.
Stand:
Bestimmte Quallen können sich bei Verletzungen binnen Stunden miteinander zu einem Organismus vereinen – und dabei Organe und Muskulatur synchronisieren. Das berichtet eine Forschungsgruppe nach Versuchen mit Rippenquallen im Fachjournal „Current Biology“.
Das Forschungsteam um Kei Jokura von der britischen Universität von Exeter hatte die Meerwalnuss Mnemiopsis leidyi beobachtet. Diese etwa zehn Zentimeter lange Qualle stammt ursprünglich aus dem Westatlantik, kommt inzwischen aber auch in Teilen von Nord- und Ostsee sowie von Mittelmeer und Schwarzem Meer vor.
Verblüffende Reaktion auf Verletzung
Den Biologen war in einem Wassertank eine besonders große Meerwalnuss aufgefallen, die nicht nur einen, wie normalerweise üblich, sondern zwei Darmausgänge hatte. Hatten sich zwei verletzte Quallen, die die Forschenden am Vortag in das Aquarium gesetzt hatten, möglicherweise miteinander vereint?
Um dies zu prüfen, schnitt das Team bei weiteren Tieren Teile der äußeren Lappen ab und platzierte die verletzten Stellen direkt beieinander. Neun von zehn Versuchen seien erfolgreich verlaufen, schreibt die Gruppe. Dabei hätten sich die Tiere miteinander verbunden, „und alle vereinten Rippenquallen überlebten im Behälter die gesamte Zeit von drei Wochen“.

© imago stock&people/imago stock&people
Schon nach einer Nacht hätten sich beide Tiere miteinander zusammengeschlossen. Wurde danach auf einer Seite ein Lappen angestoßen, reagierte auch die andere Hälfte auf den Reiz - also müssten die Nervensysteme miteinander verschmolzen sein, folgert das Team. „Uns hat die Beobachtung verblüfft, dass mechanische Stimulierung einer Seite auch zu einer synchronisierten Muskelkontraktion der anderen Seite führte“, so Jokura. Das bedeute, „dass zwei getrennte Individuen ihre Nervensysteme schnell miteinander verbinden können.“
Weg durch den Verdauungstrakt
Weitere Versuche zeigten, dass die Bewegungsmuster des neu entstandenen Individuums bereits nach zwei Stunden zu 95 Prozent synchron verliefen.
Auch der Verdauungstrakt der beiden Vorläuferorganismen fusionierte. Fütterten die Forschendem dem entstandenen Tier am zweiten Tag kleine fluoreszierende Krebstierchen durch einen der beiden Münder, konnten sie ihren Weg durch den fusionierten Teil des Verdauungstraktes nachverfolgen, bevor die Stoffwechselreste durch beide Körperöffnungen wieder ausgeschieden wurden - allerdings zu verschiedenen Zeitpunkten.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Rippenquallen möglicherweise die Fähigkeit fehlt, zwischen sich und anderen zu unterscheiden“, wird Jokura in einer Mitteilung des Fachverlags zitiert. Dadurch gibt es auch keine Abstoßungsreaktion „fremder“, also von einem anderen Individuum stammender Zellen, wie es beim Menschen der Fall ist. (dpa)
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid:
- false