• Studentische Hilfskräfte: Hunderte verlieren zumindest vorübergehend ihre Jobs an Berliner Unis

Studentische Hilfskräfte : Hunderte verlieren zumindest vorübergehend ihre Jobs an Berliner Unis

Was wird aus den Verwaltungsjobs für Studierende? Für wie viele Stellen im neuen Tarif das Geld reicht, sei noch nicht abzusehen, sagt etwa die TU.

Annika Reiß
Studierende im Foyer des Grimm-Zentrums der Humboldt-Universität.
Zu den betroffenen Bereichen gehören die studentischen Jobs in den Unibibliotheken.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

An der Berliner Universitäten fallen durch den Tarifstreit hunderte von Stellen für studentische Hilfskräfte zumindest vorläufig weg. An der Technischen Universität Berlin sind es 150 Stellen. Die Freie Universität rechnet mit dem vorläufigen Verlust von rund 175 Stellen, an der Humboldt-Universität werden es voraussichtlich 166. Das geht aus der Antwort der Senatskanzlei Wissenschaft auf die Anfrage der CDU-Abgeordneten Adrian Grasse und Hans-Christian Hausmann hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt.

Hintergrund des Tarifstreits ist ein Urteil des Landesarbeitsgerichts vom Juni 2018, nach dem nicht-wissenschaftliche studentische Hilfstätigkeiten an Hochschulen, wie die Arbeit in Bibliotheken oder in der IT, nicht dem Tarifvertrag der studentischen Beschäftigten (TV Stud), sondern dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) unterliegen. Die meisten der betroffenen Tätigkeitsfelder würden im TV-L besser bezahlt werden als im TV Stud.

Die TU sei bereits dabei, viele Hilfskraftstellen in TV-L Stellen umzuwandeln, heißt es auf Anfrage aus der Uni. Man habe sich dagegen entschieden, die studentischen Arbeitsplätze externen Dienstleistern anzubieten. Vielmehr werde man einen Großteil der Stellen neu ausschreiben, teilweise sei das schon geschehen. Aufgrund der deutlichen Mehrkosten, die die Vergütung nach TV-L bedeutete, sei es jedoch nicht möglich, sämtliche Stellen nachzubesetzen, heißt es. Wie viele Arbeitsplätze letztendlich noch erhalten bleiben werden, sei derzeit noch unklar.

"Vier Millionen Euro vom Senat reichen nicht"

Die Hochschulen hatten einen Zuschuss des Senats in Höhe von fünf Millionen Euro gefordert, um die Umwandlung der Stellen finanzieren zu können. Der Senat willigte schließlich ein, die Mehrkosten der Hochschulen mit vier Millionen Euro zu bezuschussen. Dies reiche jedoch nicht, um die schwierige Situation im Sinne aller Beteiligten zu lösen, erklärt auch der Abgeordnete Grasse in einer Stellungnahme zu seiner Anfrage an den Senat. Die Leidtragenden der Veränderungen seien neben den studentischen Hilfskräften auch die Studierenden, denen nun der Zugang zu vielen Serviceangeboten verwehrt bleibe.

Durch auslaufende Verträge von Hilfskräften, die zu dem Zeitpunkt nicht in den TV-L überführt werden konnten, kam es bereits im Sommer des vergangenen Jahres – wenige Wochen nach der Urteilsverkündung - zu Engpässen im Grimmzentrum, der Hauptbibliothek der HU. Die größte Unibibliothek Berlins stellte für einige Zeit den Sonntagsbetrieb ein. Die Öffnung an Sonntagen wurde dann durch einen externen Dienstleister wieder ermöglicht. Der Antwort auf die Anfrage zufolge wurde neben verkürzten Öffnungszeiten in vielen Bibliotheken vielerorts auch der technische Support eingeschränkt und das Beratungsangebot stark reduziert.

An den meisten Hochschulen sind der IT-Service und Angebote der Studienberatung eingeschränkt. An der Alice-Salomon-Hochschule waren auch die Kinderbetreuung und die Organisation von Einführungsveranstaltungen für Erstsemester von dem akuten Personalmangel betroffen.

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