Urbanes Klima : Grün und Blau für den Städtebau

Stadtplaner sollten Bepflanzung und Wasserflächen in Zukunft mehr Raum geben. Eine Studie legt das nah. Dass es hübsch anzusehen ist, ist aber nicht der Grund.

Zusätzlich zu Stein und Beton viel Grün und viel Wasser: Wenn die ganze Stadt so konzipiert ist, fällt die Hitze im Sommer nicht so schlimm aus. Im Bild ein kleines Boot in Berlin auf dem Landwehrkanal, Aufnahme aus dem Sommer 2011.
Zusätzlich zu Stein und Beton viel Grün und viel Wasser: Wenn die ganze Stadt so konzipiert ist, fällt die Hitze im Sommer nicht...Foto: Soeren Stache/dpa

Hot town, summer in the city: Städte sind wärmer als das Umland. Im Sommer liegt der Hauptgrund dafür darin, dass in der Stadt weniger Wasser verdunsten kann als auf dem Land. Zu diesem Schluss kommen Forscher nach der Analyse von Stadtklimadaten aus 60 US-amerikanischen Städten. Um «städtische Wärmeinseln» zu vermeiden und das Stadtklima zu verbessern seien deshalb mehr Pflanzen und mehr unversiegelte Flächen nötig, schreiben sie im Fachmagazin «Science Advances».

Wachsende Städte, steigende Temperaturen

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt mittlerweile in Städten. Dieser Anteil wird weiter wachsen. Das Team um Dan Li von der Boston University (in Boston/Massachusetts, USA) schreibt in seiner Studie, es sei lange bekannt, dass Städte zumeist wärmer sind als umliegende ländliche Gebiete. Dieser Hitzeinsel-Effekt könne die Luftqualität beeinträchtigen, den Energieverbrauch steigern und die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitzewellen verstärken.

Bislang werden verschiedene Ursachen für die urbane Erwärmung diskutiert. Dazu gehören etwa die Wärmespeicherung in Stein und Beton oder die Abwärme aus Industrie und Wohnungen. Li und seine Mitarbeiter nutzten nun ein neues Modell, um den Einfluss der verschiedenen Faktoren besser einschätzen zu können. Ob und wie stark Hitzeinseln in einer Stadt am Tag entstehen, hängt demnach hauptsächlich von der Bodenfeuchte und der Vegetation in den Städten ab.

Berlin: BSR-Aufguss

Auf die griffige Formel «mehr urbanes Grün, mehr urbanes Blau» - wobei Blau nicht für Fassadenfarben oder dergleichen steht, sondern für Wasser - bringt es Uwe Schlink vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig: Grün- und Wasserflächen können das Klima in der Stadt positiv beeinflussen. Denn der Übergang von flüssigem Wasser zu Wasserdampf verbraucht Wärmeenergie und sorgt für Verdunstungskühlung. Wasser verdunstet aber nicht nur von Wasserflächen, sondern auch von Pflanzen und aus dem Boden. Um die Einflüsse genauer zu erforschen, wird noch in diesem Jahr am UFZ ein begrüntes Dach zu Forschungszwecken aufgebaut, berichtet Schlink.

In überhitzten Städten greifen die Behörden oft auf Maßnahmen wie das Versprengen von Wasser in Straßen, das dort dann schnell verdunstet, zurück. Sie - in Berlin mittlerweile als "BSR-Aufguss" bekannt - sind allerdings bezüglich ihrer Wirkung umstritten.

Frankfurt: Grünes Wohnzimmer

Petra Fuchs vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach sieht eine erhöhte Sensibilisierung für das Thema: «Wir hatten schon diverse Anfragen von Städten für Stadtklimauntersuchungen». Vor allem größere Städte hätten auch die Mittel dafür und die Möglichkeit, empfohlene Maßnahmen auch umzusetzen. In Städten mit besonderen klimatischen Bedingungen, etwa Stuttgart mit seiner Talkessellage, sei der Bedarf zur Verbesserung des Stadtklimas besonders hoch. Es gebe mittlerweile eine Vielzahl von Projekten, die das Problem angingen. Als Beispiel nennt Fuchs das mobile grüne Wohnzimmer in Frankfurt am Main - eine transportable Pflanzenwand mit Sitzgelegenheiten.

Der Effekt, dass es in Städten wärmer ist als auf dem umgebenden Land, wurde schon vor rund 200 Jahren vom britischen Chemiker und Meteorologen Luke Howard (1772-1864) entdeckt. Nach Einschätzung von Schlink und Fuchs werden Bemühungen um ein gutes Stadtklima vor dem Hintergrund des Klimawandels künftig noch wichtiger werden.

Als wichtigster Grund, warum Städte auch im Winter tendenziell wärmer sind als die Umgebung, gelten Heizungen und Abwärme energetischer Prozesse - auch etwa die Erwärmung von Verbrennungsmotoren. (rif/dpa)

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