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Anschlag der Vulkangruppe in Berlin: Nicht nur schwerstkriminell, sondern auch unfassbar dumm
Mit ihrem Anschlag auf das Berliner Stromnetz haben die Mitglieder der linksradikalen „Vulkangruppe“ das Gegenteil dessen erreicht, was sie anstrebten. Doch noch gestehen sie sich ihr Komplettversagen nicht ein.

Stand:
Was beim Anschlag der mutmaßlich linksradikalen „Vulkangruppe“ auf das Berliner Stromnetz auffällt: wie extrem isoliert die Täter sind, auch innerhalb der angeblich eigenen Szene. Es gibt keine Sympathiebekundungen, keine heimliche Freude, kein Verständnis für diese Tat. Nicht einmal ansatzweise.
Stattdessen häufen sich die Behauptungen, es müsse sich um eine False-Flag-Aktion handeln. Also nicht um eine Tat Linksradikaler, wie es das Bekennerschreiben nahelegt, sondern um russische Sabotage. Putins Schergen könnten versucht haben, die Bundesrepublik weiter zu destabilisieren, heißt es.
Sie könnten absichtlich eine falsche Fährte gelegt haben. Die russische Urheberschaft sei umso wahrscheinlicher, als die Tat aus linker Sicht überhaupt keinen Sinn ergebe und linken Werten widerspreche.
Aus der Ferne betrachtet passt die Erklärung ziemlich gut, zumal Putins Regime tatsächlich enormen Aufwand betreibt, Deutschland auf unterschiedlichsten Wegen zu schaden. Der hybride Krieg Russlands ist sehr real, wird skrupellos geführt und von der deutschen Öffentlichkeit, teilweise auch von politisch Verantwortlichen, noch immer unterschätzt.
Im Fall der „Vulkangruppe“ gilt eine russische Urheberschaft in Sicherheitskreisen dennoch als unwahrscheinlich. Auch deshalb, weil die Gruppe bereits seit 2011 agiert und ähnliche Bekennerschreiben hinterließ. Die Polizei rechnet ihr etwa ein Dutzend Anschläge auf Kabelschächte und die Stromversorgung zu.
Aufschlussreich sind die False-Flag-Vermutungen allerdings trotzdem. Sie sind sogar entlarvend – und zwar für die Täter.
Was die Reaktionen offenbaren
Wenn eine Aktion so sinnlos erscheint, dass selbst ideologisch Nahestehende sie nur noch als fremdgesteuerte Sabotage erklären können, dann belegt das ihr vollumfängliches Scheitern. Es handelt sich um aktivistisches, politisches und menschliches Totalversagen.
Der Gruppe schlägt aus allen Richtungen Ablehnung und Unverständnis entgegen. Weder ihre Tat noch ihr unsägliches Bekennerschreiben gelten als anschlussfähig, nicht einmal unter Linksradikalen. Weniger Erfolg als diesen kann eine Aktion gar nicht haben.
Mit ihrem Anschlag haben die Täter Menschenleben gefährdet, Zigtausende über Tage frieren lassen. Das ist Terror gegen Menschen.
Dass sie ihrem ersten Bekennerschreiben nun offenbar eine „Richtigstellung“ hinterhergeschoben haben, in der sie beteuern, sie seien keine False-Flag-Operation, sondern tatsächlich links, zeigt die ganze Jämmerlichkeit dieser Truppe.
Statt Einsicht folgt das nächste verworrene Schreiben
Wer es nötig hat, eine „Richtigstellung“ zu schreiben, müsste doch zumindest erkennen, wie rundheraus falsch er gehandelt und wie sehr er den eigenen Zielen geschadet hat. Die sofortige Selbstauflösung wäre ein erster naheliegender Schritt.
Stattdessen schieben die Täter das nächste verworrene Schreiben hinterher, in dem sie vielen anderen, nur eben nicht sich selbst, Schuld geben in der Hoffnung, vielleicht doch noch irgendjemanden in seinem Urteil beeinflussen zu können. Für irgendwen anschlussfähig zu sein. Es wird nicht helfen.
Wer die Erklärungen der Gruppe liest, kann fast Mitleid bekommen angesichts der fehlenden Fähigkeit zur Einsicht. Die Täter sind politisch wirkungslos, sozial blind und strategisch inkompetent. Doch sie halten sich ernsthaft für Avantgarde.
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