• Ab 1. Januar 2020 gilt Kassenbon-Pflicht: „Viele Spätis werden schließen müssen“

Ab 1. Januar 2020 gilt Kassenbon-Pflicht : „Viele Spätis werden schließen müssen“

Ab 1. Januar müssen alle Einzelhändler den Kunden einen Kassenzettel geben. Einige Berliner Späti-Betreiber fürchten um ihre Existenz.

Lisa Kim Nguyen
Ab Januar besteht die Pflicht, bei jeder Transaktion in Geschäften oder Cafés einen Beleg auszugeben.
Ab Januar besteht die Pflicht, bei jeder Transaktion in Geschäften oder Cafés einen Beleg auszugeben.Foto: Jens Kalaene

Der Mehringdamm am Neujahrsmittag. An der sonst belebten Straße ist es still, überall liegt noch Silvestermüll. Nur vereinzelt haben Spätis, Cafés und Imbisse geöffnet. Seit dem 1. Januar 2020 gilt für sie die Bonpflicht, die verlangt, dass alle deutschen Einzelhändler einen Kassenbon aushändigen – selbst bei einem Brötchen für 50 Cent oder einem Weg-Bier. Ob sich die Betreiber darauf bereits eingestellt haben?

Für manche stellt die Bonpflicht keine große Umstellung dar. Ein Cafébesitzer am Mehringdamm erzählt, dass sein Café seit der Eröffnung vor acht Jahren immer einen Bon aushändigt. Ihn stört aber, dass er pro Monat rund 60 Euro für Kassenbonrollen ausgeben muss. Auch im Yorck-Döner geben die Mitarbeiter bereits seit der Eröffnung vor 20 Jahren für jeden Döner einen Bon aus.

Bei Mustafa's Kebap und Curry 36 gibt es keinen Bon

Die zwei größten touristischen Anlaufpunkte am Mehringdamm – Curry 36 und Mustafa's Gemüse Kebap – stellen keine Kassenbons aus. Der Filialleiter der Currywurstbude sagt, er habe von der Verordnung noch nicht erfahren. Mustafa's Gemüse Kebap müsse sich hingegen gar nicht an die Bonpflicht halten, da der Betreiber eine Ausnahmegenehmigung vom Finanzamt besitze, sagt der Mitarbeiter Ikiz Abdulla.

Spätis reagieren unterschiedlich auf die Bonpflicht. Im „Spätishop Mehring“ direkt am Mehringdamm wird für jeden Einkauf ein Kassenbon erstellt – allerdings nehmen die meisten Kunden den Kassenzettel nicht mit, sagt die Mitarbeiterin Funda Özgul, die seit Juni 2019 im Späti arbeitet.

Für andere Spätibesitzer stellt die Bonpflicht eine Existenzbedrohung dar, sagt der Sohn eines Spätibesitzers. Er will seinen Namen nicht nennen. Seinem Vater gehört der Späti in der Nähe vom Mehringdamm seit sechs Jahren. Als die Familie von ihrem Steuerberater von der Bonpflicht erfuhr, habe sie beschlossen, den Shop im nächsten Sommer zu schließen, erzählt der junge Mann. Wenn jeder Spätibesitzer seinen akkuraten Kassenbericht beim Finanzamt einreichen würde, würde es sich für Besitzer nicht mehr lohnen, einen Kiosk zu besitzen, sagt er.

Späti-Besitzer müssen sich mit Konkurrenz schlagen

In den vergangenen Jahren sei es für Spätis schwerer geworden, sagt der Sohn des Späti-Betreibers. Immer mehr Supermarktfilialen wie Edeka oder Netto haben ihre Öffnungszeiten ausgeweitet und schließen teilweise erst um 24 Uhr. Das nehme den Spätis die Kundschaft weg – selbst an beliebten Ort wie am Mehringdamm. Außerdem verdienten Späti-Besitzer nicht viel. Sein Vater zum Beispiel komme mit seinem Kiosk pro Monat auf 1000 bis 1500 Euro netto. Er vermutet daher: „Viele Spätis werden wegen der Bonpflicht schließen müssen.“

Mit der Bonpflicht will das Bundesfinanzministerium Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern. Sie ist ein Teil der neuen Kassensicherungsordnung, die seit dem 1.Januar 2020 gilt. Hierbei sollen die Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden. Da sich die Umsetzung als schwierig erwiesen hat, gewährt das Finanzministerium eine Frist bis Ende September. Besonders Umweltverbände kritisieren das Gesetz aufgrund des erhöhten Papierverbrauchs.

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