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Ärger um Karten für Ed Sheeran-Konzert : Verbraucherschützer warnen vor Ticketportal Viagogo

Beim Ed-Sheeran-Konzert im Olympiastadion gab es Probleme mit ungültigen Tickets. Viele Fans hatten sie auf einem Portal erworben, das wiederholt in der Kritik stand.

Julia Heine
Ed Sheerans Konzerte sind regelmäßig ausverkauft.
Ed Sheerans Konzerte sind regelmäßig ausverkauft.Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa

Viele Fans standen am Donnerstag frustriert vor dem Olympiastadion. Ihre Karten für das ausverkaufte Konzert von Popstar Ed Sheeran wurden nicht akzeptiert, weil auf den personalisierten Tickets nicht ihr. Die Karten hatten sie den ursprünglichen Käufern vorab online abgekauft – bloß änderte das nichts an den Namen auf den Eintrittskarten oder an der Einlasspolitik: Die personalisierten Karten wurden mit Abgleich der Personalausweise kontrolliert – und darum hatten viele Konzertgänger ein Problem.

Sie hatten ihre Konzertkarten vor allem über Viagogo erworben. Bei dem Anbieter mit Sitz in der Schweiz handelt es sich nicht – wie man beim ersten Blick auf die Webseite annehmen könnte – um eine offizielle Online-Vorverkaufsstelle, sondern um einen Marktplatz, auf dem Nutzer Veranstaltungstickets von anderen Privatpersonen erwerben können. Suchte man etwa nach Karten für Ed Sheeran, landete man schnell auf der Seite von Viagogo, wo es oft noch Karten gibt, wenn Portale wie Eventim ihr Kontingent längst verkauft haben. Mithilfe der Eingabemasken sehen Nutzer auch, für welchen Bereich in den Konzerthallen die Karten gelten.

Viagogo wiederholt in der Kritik

Fotos der angebotenen Tickets werden, anders als bei anderen Portalen für Kleinanzeigen, nicht gezeigt. Dann nämlich wären der ursprünglich gezahlte Eintrittspreis und im Falle der Ed-Sheeran-Karten auch die aufgedruckten Namen erkennbar gewesen – so wäre vielen Käufern wahrscheinlich früher aufgefallen, dass ihr Kauf sinnlos ist und in manchem Fall stark vom ursprünglichen Preis abweicht. Das fällt dann erst auf, wenn die Karte zuhause ankommt und den Ärger mit der Personalisierung hatten die Fans spätestens am Einlass.

Es ist nicht das erste Mal, dass Viagogo in die Kritik gerät. Die Fifa erhob bereits Klage gegen den Drittanbieter wegen unlauteren Wettbewerbs. Denn oft werden dort Karten für mehr als das Doppelte des ursprünglichen Preises angeboten. Die Hamburger Elbphilharmonie warnt ebenso vor dem Anbieter. So seien bereits vor Beginn des Bestellzeitraums Tickets auf der Seite angeboten worden, die es aber noch nicht mal gab.

Annika Halbbauer von der Berliner Verbraucherzentrale ruft Nutzer zur Vorsicht auf, denn die Betreiber „treten für die Nutzer nicht transparent in ihrer Rolle als Vermittler auf, sondern machen den Eindruck einer offiziellen Verkaufsplattform.“ Die Taktik des Veranstalters des Ed-Sheeran-Konzerts lobte Halbbauer hingegen: Personalisierte Tickets gewährleisten, dass Fans nur den regulären Preis bezahlen müssen – denn mit überteuerten Tickets kamen sie gar nicht erst rein. Dies hatte das Olympiastadion frühzeitig auf seiner Webseite angekündigt. Auch Eventim hat noch „vor dem Verkauf des ersten Tickets darauf hingewiesen“, sagte Sprecher Christian Steinhof. Wenn Konzertbesucher ihre bei Eventim erworbenen Tickets weiterverkaufen wollen, können Sie die Namen offiziell ändern lassen. Bei Eventim kostet das zusätzliche fünf Euro.

Verbraucherzentralen gehen gegen Portal vor

Beim Landgericht München liegt seit April eine Klage gegen Viagogo vor. Sie wurde eingereicht von den Marktwächtern, ein gemeinsames Portal der deutschen Verbraucherzentralen. Zum Team gehört auch Annika Halbbauer. Auf eine Abmahnung der bayerischen Verbraucherzentrale hätten die Betreiber von Viagogo nicht reagiert. Sie hätten eine Unterlassungserklärung abgeben müssen, in der sie festlegen, dass sie künftig transparenter gegenüber Nutzern auftreten. „Denn wer nichts zu verbergen hat, macht klare Angaben“, betont Halbbauer.

Viagogo müsste also ausdrücklich und gut sichtbar zeigen, dass es sich bei ihrer Plattform um einen Vermittler zwischen privaten Käufern und privaten Verkäufern handelt. Wann ein Urteil beim Landgericht München zu erwarten ist, lässt sich noch nicht abschätzen. Wenn das Urteil positiv für die Marktwächter ausgeht, dann muss Viagogo seine deutsche Webseite so umgestalten, dass der Nutzer erkennt, dass es sich nicht um eine offizielle Vorverkaufsstelle für Events handelt. Bei Trustpilot, einer der größten Bewertungsplattformen für Online-Shops, häufen sich derweil die negativen Bewertungen für Viagogo.

Aus dem Olympiastadion heißt es, das Ed-Sheeran-Konzert sei besonders schnell ausverkauft gewesen. Für die gesamte Welttournee des Briten gibt es nur personalisierte Tickets. Damit ist er nicht der erste weltbekannte Künstler, der massiv gegen den Schwarzmarkt vorgeht. Für zwei Rammstein-Konzerte 2016 in der Waldbühne galt das gleiche Prinzip.

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