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Das Denkmal von Ernst Thälmann in der Greifswalder Straße.

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Tagesspiegel Plus

Akuter Platzmangel in Berlin: Bezirksamt schafft keine neue Grünfläche in Prenzlauer Berg

Der bekannte Ernst-Thälmann-Park wird für einen Grundschulbau verkleinert. Dafür müssten 0,6 Hektar Ersatznatur angelegt werden - doch der Bezirk winkt ab.

Von Christian Hönicke

Das Bezirksamt hat keine Ausgleichsfläche für die geplante Verkleinerung des Ernst-Thälmann-Parks gefunden. Das teilte die zuständige Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) auf Tagesspiegel-Nachfrage mit. Betroffen ist der mittlere Teil der Grünanlage in Prenzlauer Berg, der künftig abgetrennt und zum Schulhof der Grundschule am Planetarium umgewandelt werden soll. Die Bauarbeiten dafür sollen laut der Stadträtin im Januar 2024 starten.

Für diesen Eingriff in die Stadtnatur muss der Bezirk nach geltendem Recht eigentlich eine geeignete Naturfläche als Ersatz in der unmittelbaren Nähe schaffen. Doch dies ist im dicht bebauten Prenzlauer Berg nicht gelungen. „Flächen können nicht geschaffen werden, es kann lediglich auf den bestehenden Flächen für Kompensation gesorgt werden“, erklärt Anders-Granitzki. Damit verliert der Bezirk nach eigenen Angaben rund 0,6 Hektar Parkfläche.

Im Zuge des Schulausbaus wird die Westfläche des Thälmann-Parks zudem komplett umgestaltet. Weil der neue „Schulcampus“ genau in der Mitte zwischen den beiden Parkteilen am Planetarium im Westen und dem Thälmann-Denkmal im Osten liegt, muss auch der bisherige Hauptweg verlegt werden. „Die vorhandene, zentrale West-Ost-Wegestruktur im mittleren Bereich des Ernst-Thälmann-Parks wird durch den Schulneubau nicht mehr nutzbar sein“, sagt Anders-Granitzki.

Nach Angaben der Stadträtin sollen im Zuge der Park-Umgestaltung mindestens 22 Bäume gefällt werden. Zwölf sollen nun als „Kompensation für die bereits gefällten Bäume im Bereich des zukünftigen Geh- und Radwegs“ nachgepflanzt werden. „Zehn Bäume werden bereits vorsorglich für noch zu erwartende Fällungen gepflanzt.“

Der beschriebene Geh- und Radweg soll nach den letzten Planungen direkt an der Bahntrasse nördlich der Schulturnhalle verlaufen. Daran hatte es Kritik gegeben, weil davon nur 1,50 Meter für Fußgänger eingeplant sind. Ein weiterer Weg zwischen beiden Parkteilen soll künftig südlich an der Schule vorbeiführen, in Verlängerung der Diesterwegstraße. Laut Anders-Granitzki ist der Baubeginn dafür bereits im Juli geplant.

„Kompensations-Bäume“ statt Kompensationsfläche ist also das Motto. Einige wurden übrigens schon Ende April angeliefert. Bezirksbürgermeister Sören Benn und Schulstadträtin Dominique Krössin (beide Linke) hatte vergangene Woche öffentlichkeitswirksam ein paar dieser neuen Bäume im verbliebenen Park selbst eingepflanzt.

Die restlichen Bäume harren derzeit auf dem künftigen Schulcampus ihrer Pflanzung. Zum Leidwesen einer Anwohnerin. Sie kritisiert die Behandlung der neuen Parkbäume. „Bei der Abladeaktion wurden teilweise die eingepackten Wurzelballen in Mitleidenschaft gezogen“, berichtet sie. Die jungen Bäume würden nun bereits seit mehr als einer Woche „trocken, ohne angehäufte Erde oder Wasser und südexponiert“ dort stehen, „die Wurzelballen lediglich durch einen Jutesack geschützt“.

Die Anwohnerin fürchtet, dass die Bäume deswegen bald eingehen könnten: „Das wäre Verschwendung von Ressourcen und nicht unerheblichen Steuergeldern.“

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