zum Hauptinhalt
Eine Simulation zeigt die Dachterrasse des neuen Areals in Neukölln.

© Ff Architekten

Tagesspiegel Plus

Alte Brauerei in Berlin-Neukölln: Eine Schule mit Dachgarten, Werkstätten und Promenade auf dem Kindl-Areal

Bis ins Jahr 2005 wurde in den alten Backsteinhallen der Kindl-Brauerei im Rollbergkiez Bier gebraut. Jetzt soll die alten Hallen dort um Neues erweitert werden.

Das Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei im Rollbergkiez dürfte vielen Berliner:innen über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt sein. Im Sommer sitzen hier abends Menschen im lampionbehangenen Biergarten, alljährlich schlendern Interessierte durch die Schauen im Zentrum für Zeitgenössische Kunst. Nun ist entschieden worden, was auf dem Gelände noch entstehen soll: Eine Interkulturelle Waldorfschule für rund 400 Schüler:innen mit Dachgarten, öffentlicher Terrasse, Spazierpromenade und Werkstätten.

Ein Gutachtergremium kürte diesen Siegerentwurf nach einem halbjährigen Werkstattverfahren. In der Jury vertreten waren sowohl der Bezirk Neukölln als auch die Eigentümerin des Geländes, die Schweizer Terra Libra GmbH. Die Pläne betreffen die ehemaligen Brauereikeller östlich des Hofes, wo aktuell als Zwischennutzung eine Kartbahn zu finden ist. Einst wurde die Halle als Depot für Flaschen und Bierfässer genutzt, die Bezeichnung „Vollgutlager“, wie auch die Eventlocation nebenan heißt, rührt aus dieser Tradition. Bis ins Jahr 2005 wurde in den imposanten Backsteinquadern der Brauerei im großen Stil Bier gebraut.

Tunnelblick: So könnte es künftig im Inneren der alten Halle aussehen.

© Ff Architekten

Das siegreiche Büro „Ff Architekten“ möchte nun die bestehende Halle so weit wie möglich erhalten und für neue Nutzungen ertüchtigen. Damit setzte sich der Entwurf gegen zwei Konkurrenten durch, die vorsahen, die alten Mauern zurückzubauen oder abzureißen. Der Bau im Bestand sei „eine gleich in mehrfacher Hinsicht nachhaltige Lösung, die nicht nur sparsam mit Ressourcen umgeht, sondern zugleich die Identität des Ortes erhält“, heißt es von Büro „Subsolar Architektur & Stadtforschung“, das das Werkstattverfahren entwickelt und kuratiert hat.

Die Pläne sehen vor, mit der so genannten „Kindlpromenade“ einen lang gestreckten Freiraum parallel zur Rollbergstraße zu schaffen. Von dort aus erreichen Besucher:innen die „Werkhöfe“. Sie sollten sich an klassischen Berliner Gewerbehöfen orientieren, beschreibt das Büro Subsolar. Die Schüler:innen der geplanten Schule sollen hier werkeln, aber auch Kunsthandwerker:innen und Kleingewerbetreibende.

 Die Bebauung passt sowohl zum Gelände wie zum Kiez.

Jochen Biedermann (Grüne), Neuköllns Stadtrat für Stadtentwicklung

Als Highlight des Entwurfs bezeichnet das Büro Subsolar den Erweiterungsbau für die Waldorfschule, für den die heutige Halle um zwei Geschosse aufgestockt wird. Ihre Pausen sollen Schüler:innen künftig auf dem Dach verbringen. Dort sind neben dem Schulhof auch weitere Flächen für Spiel und Sport sowie ein öffentlich zugänglicher „Stadtbalkon“ geplant.

Ziel der Architekten ist es, dass sich Kinder, Jugendliche, Gewerbetreibende und Menschen aus der Nachbarschaft die Flächen teilen und sich gegenseitig ergänzen: So könnte die geplante Turnhalle etwa durch Berliner Vereine mit genutzt werden. „Die Nachfrage nach günstigen Flächen für Kultur und Gewerbe ist im umliegenden Kiez jetzt schon sehr hoch“, heißt es vom Büro Subsolar. Auch die Clubs in den Untergeschossen, wo etwa das bekannte Schwuz residiert, könnten über die neue Promenade angebunden werden.

Auf weiter Flur. Die Simulation zeigt die Zukunft der alten Gemäuer.

© Ff Architekten

„Die sozialräumlichen Dynamiken in Neukölln verlangen hier nach einer behutsamen Planung“, schreiben die Sieger von Ff Architekten in einem Statement. Deswegen wollten die Planer einen Raum schaffen, der durch die Aneignung durch die Menschen vor Ort zum Leben erwacht. „Die Stadt muss heute anders gelesen werden, damit vorhandene Ressourcen und bestehende Infrastrukturen erst gefunden und dann genutzt werden können.“

Neuköllns Stadtrat für Stadtentwicklung, Jochen Biedermann (Grüne), sieht in den Plänen die Chance, die ehemalige Kindl-Brauerei im Interesse des Gemeinwohls weiterzuentwickeln. "Der Sieger-Entwurf sieht eine Bebauung vor, die sowohl zum Gelände wie zum Kiez passt", sagt er.

Wann auf dem Kindl-Areal die Bagger rollen, ist aktuell noch offen. „Im Moment sind daher Prognosen über einen möglichen Umsetzungszeitraum sehr schwierig“, heißt es von Subsolar. Der Siegerentwurf müsse nun in Planungsrecht überführt und notwendige Investitionen kalkuliert werden. „Aber wenn alles gut geht“, schreibt Subsolar, „könnten die ersten Kinder hier möglicherweise Mitte bis Ende der Zwanzigerjahre eingeschult werden.“

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
true
showPaywallPiano:
false