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Berlin: Auf dem Weg nach Bora-Bora Schwäbische Narren ehren Wolfgang Thierse

Darf ein Bundestagsvizepräsident einen Preis ablehnen, den zwei Jahre zuvor sogar der Schlagersänger Tony Marshall angenommen hat? Natürlich nicht, Marshall ist schließlich Ehrenbürger der polynesischen Inselgruppe Bora-Bora.

Von Sandra Dassler

Darf ein Bundestagsvizepräsident einen Preis ablehnen, den zwei Jahre zuvor sogar der Schlagersänger Tony Marshall angenommen hat? Natürlich nicht, Marshall ist schließlich Ehrenbürger der polynesischen Inselgruppe Bora-Bora. So weit hat es der SPD-Politiker Wolfgang Thierse zwar noch nicht gebracht, aber dafür dereinst die Debatte um die Berliner Ehrenbürgerwürde des DDR-Liedermachers Wolf Biermann angestoßen. Schon damals ging es hoch her, doch was ist der Ost-West- gegen den Nord-Süd-Konflikt?

Folgerichtig legte Thierse kürzlich mit seiner Schwaben-Schelte nach. Und hatte Erfolg. Zwar erhielt er (noch) nicht die Ehrenbürgerwürde von Bora-Bora, aber immerhin – wie zwei Jahre vor ihm Tony Marshall – die Goldene Narrenschelle der altehrwürdigen Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Gestern Abend nahm er den natürlich undotierten Preis im Europa-Park in Rust bei Freiburg entgegen – auch wenn das seltsamerweise nicht in Schwaben, sondern in Baden liegt.

Thierses Äußerungen seien reine Narretei, sagte VSAN-Chef Roland Wehrle. Dass ein Bundestagsvizepräsident öffentlich mangelnde Integrationsbereitschaft von Exilschwaben in Berlin beklage, prädestiniere ihn für die Goldene Narrenschelle – die als Anerkennung im besten karnevalistischen Sinne gemeint sei.

Die Laudatio hielt Baden-Württembergs Europaminister Peter Friedrich (SPD). Er werde seinen Parteifreund Thierse auffordern: „Wolfgang, entdecke den Schwaben in Dir“. Und dann warnte er ihn: „Wer die Schwaben kritisiert, der wird finanziell rasiert . . . Thierse hat wohl die Birne weich, wir kürzen den Finanzausgleich.“ Kurz vor dem Narrentreffen hatte Friedrich schon dem Tagesspiegel gesagt: „Unser größtes Problem ist doch nicht, ob es Schrippe oder Wecken heißt, sondern was man in Berlin alles so versemmelt.“ Sandra Dassler

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