Berlin-Charlottenburg : Prozessbeginn nach grausamem Mord an Pfarrer

Im Februar wurde der Pfarrer Alain-Florent Gandoulou brutal umgebracht. Der Angeklagte will sich im Prozess zu den Vorwürfen äußern.

Am Montag begann der Prozess gegen Loic C. vor einem Gericht in Moabit. Die Staatsanwaltschaft geht von Todschlag aus.
Am Montag begann der Prozess gegen Loic C. vor einem Gericht in Moabit. Die Staatsanwaltschaft geht von Todschlag aus.Foto: Soeren Stache/dpa

Berlin – Die Nachricht vom Tod des Pfarrers Alain-Florent Gandoulou hatte große Bestürzung in der französischsprachigen katholischen Kirchengemeinde ausgelöst. Der 54-jährige Geistliche, den seine Gemeindemitglieder Papa Alain nannten, wurde brutal umgebracht. Mit einer Jesusfigur und einem Blumenkübel hatte der Täter zugeschlagen, den Pfarrer erstochen. Mit einem Stockregenschirm. Acht Monate später hat am Montag der Prozess gegen Loic C. begonnen.

Mit eingezogenem Kopf und scheuem Blick hörte der Mann aus Kamerun die Vorwürfe. Auf Totschlag lautet die Anklage. Loic C. werde sich zu den Vorwürfen äußern, kündigen seine beiden Anwälte an. Allerdings erst am dritten Prozesstag am 22. November.

Es wird in der Verhandlung vor dem Landgericht vermutlich häufiger um Geisterglaube und Dämonenkult gehen. Der Angeklagte aus Afrika soll sich gegenüber Bekannten kurz nach der Tat als „besessen“ bezeichnet haben. Ein „satanischer Geist“, der erst seinen jüngeren Bruder befallen habe, sei in seine Augen gefahren, soll er einem Mitbewohner erklärt haben. Loic C. habe kurz nach der Tat geweint und gesagt, „dass er unter Kontrolle von Geistern ist, sich nicht mehr kontrollieren kann und deshalb angefangen hat, den Priester zu schlagen“.

Am Abend des 22. Februar war es im Gemeindebüro in Charlottenburg zu einem lautstarken Streit in französischer Sprache zwischen zwei Männern gekommen. Ein Mann aus der Nachbarschaft hörte Gepolter und Stimmen. Eine leise, die andere laut. Worte wie „ich werde dich töten“. Der Nachbar alarmierte die Polizei. Als die Beamten eintrafen, lag der Pfarrer tödlich am Kopf verletzt in der Wohnung. Der Täter hatte ihm einen Regenschirm in die Mundhöhle gerammt. Pfarrer Gandoulou wurde in der Republik Kongo geboren. Dort begann er seine Priesterausbildung und wurde geweiht. Danach arbeitete er in Afrika und in Frankreich, promovierte dann in Bonn. Die französischsprachige katholische Gemeinde in Berlin leitete er seit 2009. Er war beliebt. „Ein Pfarrer, wie man sich ihn sich nur wünschen kann“, sagte ein Zeuge.

Der mutmaßliche Täter wurde nur Stunden nach der Tötung auf dem Dachboden einer Wohnung in Reinickendorf festgenommen. Sein Freundin sagte im Prozess, C. habe seinem Bruder helfen wollen, der „verrücktes Zeug“ geredet habe. Er habe deshalb bei dem Pfarrer Termine gemacht, um den Bruder zu befreien. „Aber dann fühlte er sich mehr und mehr verfolgt, aß nicht mehr, hatte Angst vor Dämonen.“ Kerstin Gehrke

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