Berlin-Lichtenberg : Mutmaßlicher Schleuser stürzt bei Flucht von Balkon zu Tode

Bei einer Wohnungsdurchsuchung der Berliner Polizei stürzt ein 37-Jähriger auf der Flucht von einem Balkon in den Tod. Es ging um Ermittlungen unter anderem wegen Menschenhandels.

Foto: dpa

Nach dem tödlichen Balkonsturz am Freitagnachmittag in Friedrichsfelde hat sich die Berliner Polizei am Samstag zu den Hintergründen des Falls geäußert: Es ging um Ermittlungen gegen eine Gruppe von Vietnamesen wegen Menschenhandels und gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte vor Gericht einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt – den hat die Polizei am Freitag durchgesetzt.

Für einen 37-jährigen Vietnamesen endete die Flucht vor der Polizei tödlich. Er wollte wie seine Kumpanen über den Balkon im vierten Stock auf den darunter liegenden Balkon des Hochhauses in der Rhinstraße flüchten, stürzte aber in die Tiefe und erlag seinen Verletzungen. Ein weitere Mann, der ebenfalls abgestürzt war, erlitt schwere Verletzungen und wurde ins Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der Polizei ist er bislang noch nicht identifiziert.

Wiederholt Festnahmen wegen Menschenhandels

Kriminalbeamte der Lichtenberger Direktion und Polizisten einer Einsatzhundertschaft brachen am Freitag um 15.10 Uhr die Tür auf und stürmten die Wohnung. Insgesamt sechs Männer sollen sich in der Wohnung aufgehalten haben, vier davon sollen dann auf den Balkon gelaufen sein und über die Brüstung gesprungen sein. Zwei 15 und 34 Jahre alte Männer sind dabei auf einen darunterliegenden Balkon gelangt und dort kurz darauf festgenommen worden. Die beiden anderen Männer stürzten ab.

Nun ermittelt die Polizei nicht nur im ursprünglichen Strafverfahren wegen Menschenhandels und gefährlicher Körperverletzung, sondern hat auch ein Todesermittlungsverfahren eröffnet.

Deutsch-vietnamesische Banden fallen immer wieder durch Menschenhandel auf. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Festnahmen.

Mitte Mai führte die Polizei eine groß angelegte Razzia in Berlin und in Brandenburger Umlandgemeinden durch. Dabei wurden zwei vietnamesischen Männer und ein deutsche Frau festgenommen, die als Führungsfiguren einer Schleuserbande gelten, die Scheinehen zwischen Deutschen und Vietnamesen arrangiert, Vaterschaftsanerkennungen fingiert und damit viel Geld verdient haben soll. Der Vorwurf: banden- und gewerbsmäßiges Einschleusen. Vietnamesen sollen für die Ehen und damit den Erwerb des Aufenthaltsrechts in Deutschland fünfstellige Geldbeträge an die Bande gezahlt haben.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben