Berlin-Steglitz : Rechte attackieren Fichtenberg-Gymnasium

Nachdem sich die Schule gegen das AfD-Beschwerdeportal gestellt hatte, wird sie anonym angegriffen. Jetzt gab es erneut Vorfälle, der Staatsschutz ermittelt.

Dieses Transparent, das Schüler des Fichtenberg-Gymnasiums im Zusammenhang mit dem AfD-Meldeportal an den Eingang gehängt hatten, war im Dezember zerstört worden.
Dieses Transparent, das Schüler des Fichtenberg-Gymnasiums im Zusammenhang mit dem AfD-Meldeportal an den Eingang gehängt hatten,...Foto: Andreas Steiner

Die Angriffe auf das Steglitzer Fichtenberg-Gymnasium nehmen zu: In der Nacht zu Mittwoch haben Unbekannte zwei Plakate der Schülerschaft zerstört, zudem wurde im Umfeld der Schule ein vervielfältigtes anonymes Schreiben an die Schule ausgehängt, in dem ihr „Tugendprahlerei“ und einseitige Beeinflussung der Schüler vorgeworfen wird. Das Schreiben endet mit „Heil A. Steiner, dem antirassistischen Schulführer“. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

Gesicht zeigen: Die Schüler des Fichtenberg-Gymnasiums in Steglitz protestierten gegen die anonymen Anfeindungen.
Gesicht zeigen: Die Schüler des Fichtenberg-Gymnasiums in Steglitz protestierten gegen die anonymen Anfeindungen.Foto: Boris Buchholz

Wie berichtet, hatte sich die Schülerschaft zum Start des AfD-Beschwerdeportals dagegen positioniert, als „Spitzel“ missbraucht zu werden. In der vergangenen Woche wurden die Schüler, die sich in der Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ engagieren, anonym als „Heuchler“ beschimpft, entsprechende Schreiben fanden sich an der Fassade der Schule, wie Schulleiter Andreas Steiner mitgeteilt hatte.

In dem neuen Pamphlet wird betont, man wolle die AfD nicht „bewerben“, sondern wende sich lediglich gegen die „Dämonisierung politisch Andersdenkender“. Man habe zwar eine „gewisse inhaltlicher Nähe“ zur AfD wolle aber nicht in eine „rechtsextreme Ecke“ gedrängt werden. Direkt danach folgt besagte „Heil“-Anrede.

Lehrer sind beunruhigt

Das Kollegium der Schule betonte am Mittwoch in einer Stellungnahme, es bestehe „keine Pflicht zur politischen Neutralität für Schule“, sondern die „Verpflichtung zur Kontroversität, die wir in unserem Unterricht in einem offenen Diskurs leben“. Man sei „beunruhigt“, wie schnell man in den Fokus von selbsternannten Migrationskritikern gerate.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte den Tagesspiegel, die Anfeindungen seien "feige" und zeugten von keinerlei Bereitschaft, mit der Schule in einen Diskurs zu treten. Sie zeigten "einmal mehr, wie wichtig Demokratiebildung heutzutage ist".

Da es sich um Sachbeschädigung mit politischem Hintergrund handelt, wurde der polizeiliche Staatsschutz im Landeskriminalamt eingeschaltet. Die Schule sei in "engem Kontakt" mit dem zuständigen Polizeiabschnitt, hieß es bei der Polizei auf Anfrage. Für die Frage, ob die Schule in irgendeiner Form geschützt werden müsste, sei es noch "zu früh".

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