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Vom Kleintransporter zum Wohnmobil - in fünf Minuten.

© Jan Bürgermeister

Tagesspiegel Plus

Berliner Firma baut Camping-Module: Vom Kleintransporter zum Wohnmobil in fünf Minuten

Mit den Modulen der Berliner Firma Plug Van werden Fahrzeuge fürs Camping umgewandelt. Auch der Verleiher Robben & Wientjes ist als Partner dabei.

Da war dieser Geistesblitz. Die Macher der heutigen Berliner Firma PlugVan liefen also im Jahr 2017 über die weltgrößte Campingmesse in Düsseldorf, und dachten so: „Warum kaufen so viele Leute Campingfahrzeuge und nutzen sie dann nur ein paar Wochen im Jahr?“ Wäre es nicht eine Idee, Transporter, die schon bei Handwerker:innen und anderen in der Garage stehen, bei Bedarf schnell zu Campingbussen umbauen zu können – und wieder zurück?

Die verschiedenen Plug-Van-Variationen gibt es zum Kaufen oder Ausleihen

„Zurück in Berlin, haben wir mit eigenem Werkzeug ein erstes Modell gebaut, mit einfachem Holzrahmen und einklappbarem Fahrwerk“, erzählt der heutige Mit-Gesellschafter von PlugVan, Florian Fey. Der Wagen soll übrigens bald ins künftige Firmenmuseum. Die Idee zu PlugVan hatte der heutige Geschäftsführer Jörg Kortmann, der dann zu TÜV und Dekra ging und schließlich mit externen Entwicklern in Berlin den ersten Prototypen baute.

Rein-Raus-Prinzip. Dank des Einschubs wird das Fahrzeug zum Camper,
zur Werkstatt oder zum Warentransporter umgewandelt –
dafür braucht es nur eine Person.
Rein-Raus-Prinzip. Dank des Einschubs wird das Fahrzeug zum Camper, zur Werkstatt oder zum Warentransporter umgewandelt – dafür braucht es nur eine Person.

© Mark Hunt

Dieser wurde auf der Messe CMT in Stuttgart im Januar 2019 präsentiert. Wenige Jahre später ist er „Weltmarktführer für multifunktionale Standardcontainer für Kastenwagen durch Kompatibilität mit allen Nutzfahrzeugen nach dem Motto ,One size fits all'“, berichtet Mit-Gründer Florian Fey. Es gibt PlugVan-Variationen zum Kaufen oder Ausleihen, mit individuell zu konfigurierendem Innenausbau wie einem Modul-Faltdach oder Internet-Equipment und Batteriespeicher. Die Konkurrenz ist aber auch handverlesen und arbeitet mit einem anderem Konzept.

Zur Feriensaison geht Plug Van jetzt mit Robben & Wientjes auf den Markt

Passend zum Start der Feriensaison geht PlugVan jetzt mit dem neuen Partner, dem Transportervermieter Robben & Wientjes auf den Markt. Das Motto: „Rin in die Robbe, raus in die Pampa“. Robben & Wientjes ist als lokale Marke für Umzugsleihwagen in den 1980er Jahren bekannt geworden, hatte immer ein etwas alternatives, kieziges Image.

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Heute gehört die Firma zur Europcar Mobility Group Germany. Dort kann man jetzt – in Berlin ist der Testmarkt – Wohnmodul-Camper über die Sommersaison hinweg bis zum 15. Oktober ausleihen, und zwar an den drei Robben & Wientjes-Stationen in Lichtenberg, Tempelhof-Schöneberg und Reinickendorf. Angeboten werden per Internet-Buchung verschiedene Preis- und Kilometerpakete, teilte das Unternehmen mit. So betragen die Kosten für drei Tage 310 Euro, plus einer einmaligen Servicepauschale von 59 Euro, da seien 300 Kilometer für den Trip ins Grüne enthalten.

Wer mit dem „Camper to go“ verreise, könne mit der Grundausstattung inklusive Sitzplätze, einem 1,60 mal zwei Meter großem Bett, Klapp- und Schwenktisch, Klappspüle und Außendusche sowie einem mobilen Stromspeicher durch die Gegend rollen sowie einem Panoramafenster für neue Perspektiven. Extras wie Campingtische und -stühle, eine Trocken-Trenntoilette oder Strom-Upgrades seien dazuzubuchen. Das Mindestalter für Kunden betrage 18 Jahre.

Ich hoffe, dass unser Pilot von unseren Kunden gut angenommen wird, um das Angebot in Zukunft weiter auszubauen.

Wolfgang Neumann, Geschäftsführer der Europcar Mobility Group Germany

Wolfgang Neumann, Geschäftsführer der Europcar Mobility Group Germany hofft, dass „unser Pilot von unseren Kunden gut angenommen wird, um das Angebot in Zukunft weiter auszubauen“. Es sei „eine ideale Möglichkeit, spontan und günstig zu reisen und unsere Berliner Kultmarke Robben & Wientjes“ kennenzulernen.

Bei PlugVan können sogar Berliner mit Schwaben harmonieren. Das war allerdings aus der Not geboren, denn ein Start-up muss Kosten sparen. Feys Kollege Max Müller, heute für Produktion und Qualität verantwortlich, kam Ende 2018/Anfang 2019 dazu. „Müller haben wir damals über eine Anzeige ,Schwabe gesucht' im Fenster des Büros in Prenzlauer Berg gefunden“, erinnert sich Fey. Gesucht war Standpersonal für die Messe CMT in Stuttgart.

Im April 2021 hatte die Firma die erste Finanzierung durchgeplant, vier „Business Angel“ standen beratend und unterstützend zur Seite. Heute gehören zum Team der PlugVan GmbH mit Sitz in der Wackenbergstraße 95 in Französisch-Buchholz 19 Personen, davon zehn Festangestellte und geringfügig Beschäftigte sowie Werkstudent:innen. Jetzt erklären sie Nutzfahrzeuge-Nutzer:innen wie Tischler:innen und Monteur:innen, Schornsteinfeger:innen oder einfach Besitzer:innen von einem 3,5-Tonner-Kleintransporter wie man ihn dank des Einschubs zum Camper, zur mobilen Werkstatt oder zum Warentransporter umfunktionieren kann. Eine Person alleine schaffe das in fünf Minuten.

Wenn man das Modul nicht braucht, kann man es unter einem Carport parken

Wenn man das 450-Kilo-Modul nicht braucht, könne man es etwa unter einem Carport parken. Es wird auf Stützen mit Rollen herangeschoben, diese werden per Akkuschrauber eingefahren und schlussendlich steht der Wohnraum mit Faltdach auf antirutschbeschichteten Ständern und wird zudem mit Zurrgurten befestigt. Ein wenig Aufwand, aber auch versicherungstechnisch kostengünstiger und vielleicht auch weniger konservativ als ein herkömmliches Wohnmobil, das Fahrzeug kann die LKW-Zulassung behalten – so lautet die Geschäftsidee.

Auch nach Österreich, in die Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg wird verkauft

Für die gab es 2020 den European Innovation Award in der Kategorie Nachhaltigkeit und Umwelt. Der Berliner Betrieb wolle durch Mehrfachnutzung der weltweiten Flotte leichter Nutzfahrzeuge erzielen, dass die Transporter 30 Prozent mehr im Einsatz sind, das sei letztlich Win-Win für alle Seiten. Aktuell verkaufen die Unternehmer die Campermodule europaweit, auch nach Österreich, in die Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg.

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In Deutschland haben neun Kooperationsunternehmen, überwiegend Nutzfahrzeughändler, ein Wohnmodul zum Angucken auf dem Hof stehen. In Berlin ist das Autohaus Zellmann an der Rudower Straße in Altglienicke Partnerbetrieb. Ein Kunde der Berliner Mobilentwickler komme aus einer kleinen Stadt nördlich des Polarkreises in Finnland, er sei dort im Tourismus tätig, organisiere unter anderem „Reisen zum Weihnachtsmann“. Ein anderer Unternehmer nutze den PlugVan für seine Fahrten zwischen Deutschland und Portugal als Unterkunft und mobiles Büro.

Die Basisvariante kostet 12.830 Euro

Wer sich ein eigenes Wohnmobil (Womo)-Modul zum Hineinschieben zulegen möchte, muss für die Version „PlugVan Pure“ mit sehr einfacher Grundausstattung ab 12 830 Euro bezahlen. Der „PlugVan Basic mit einer guten Ausstattung“ kostet ab 17 830 Euro, der „PlugVan Life mit allem drum und dran“ ab 19 970 Euro. Zum Sortiment gehört weiter das PlugVan-Badmodul, Kostenpunkt ab 3560 Euro, das ist ein Erweiterungsmodul mit Dusche und Trocken-Trenntoilette. Es kann nach Feys Angaben aber auch autark verwendet werden. „Alle eigenen Produkte werden auch als Selbstbausätze angeboten“.

PlugVan-GmbH-Geschäftsführer Jörg Kortmann freut sich, mit Robben & Wientjes ein „sehr berlinerische Camping anbieten zu können“. Und alle hoffen jetzt auf weitere Geistesblitze. Florian Fey: „Derzeit sind wir dabei, ein großes Forschungsprojekt für Produkte im Bereich Logistik vorzubereiten, beispielsweise für Microhubs und Cargobikes.“

Die Camper-Robben können Samstag, 30.7. an allen drei Berliner Standorten von Robben & Wientjes von 7 bis 11 Uhr besichtigt werden; ein weiteres Modul steht ständig beim Händler Autohaus Zellmann.

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