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Berliner Flughafenchef : Lütke Daldrup beklagt Überregulierung beim Bauen

Noch immer ist der BER nicht eröffnet. Der Flughafenchef meint: Die Deutschen machen es sich bei Großprojekten unnötig schwer.

Flughafenchef: Engelbert Lütke Daldrup vor einem Laufband im fertigen Südterminal auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg (BER).
Flughafenchef: Engelbert Lütke Daldrup vor einem Laufband im fertigen Südterminal auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg (BER).Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Ein wachsender Wust von Normen macht aus Sicht des Berliner Flughafenchefs Engelbert Lütke Daldrup große Bauvorhaben immer schwieriger. „Vor 20 Jahren hatten wir nur 25 Prozent der Normen, die wir heute haben“, sagte Lütke Daldrup der Architekturzeitschrift „ARCH+“. „Ließe man von diesen die Hälfte weg, wäre es generell einfacher, billiger und effizienter in Deutschland zu bauen.“

Lütke Daldrup arbeitet seit gut eineinhalb Jahren daran, den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld an den Start zu bringen. Der sollte eigentlich seit sieben Jahren in Betrieb sein. Die Eröffnung musste aber mehrfach verschoben werden, weil Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme die Zeitpläne zunichte machten. Auch Lütke Daldrups Vor-Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte über deutsche Regelungswut geklagt.

„Es geht nicht nur um Berlin“

„Es geht nicht nur um Berlin“, versicherte Lütke Daldrup. „Fast alle Großprojekte in Deutschland haben Probleme.“ Normen gingen über das vernünftige Maß hinaus, es werde kontraproduktiv. „Wir fesseln uns durch ein regulatorisches Korsett und werden dadurch immer unbeweglicher.“

Der gelernte Stadtplaner nannte als Beispiel Kabeltrassen, wie sie im BER-Terminal umfangreich saniert werden mussten. Es sei geregelt, wie Kabel voneinander getrennt werden, wie sie beschriftet werden, wie viele Aufhängungen in welchen Abständen es geben müsse, wie Kabel gebogen werden müssen und so weiter. Keinerlei Abweichung werde toleriert.

Hinter der wachsenden Zahl von Normen vermutet Lütke Daldrup Eigeninteresse von Ingenieuren in Normungsausschüssen, die auf Gutachteraufträge hofften. Er schlug vor, Normen zu befristen und ein Moratorium für weitere Regeln zu verhängen. „Man sollte den niedrigsten Baustandard aller Bundesländer zum bundesrechtlichen Regelstandard machen.“

Baunormen seien nicht die Hauptursache, aber ein Grund dafür, dass der neue Flughafen mit seinen 786 technischen Anlagen nicht fertig ist, sagte Lütke Daldrup. „Seit einem Jahr werden wir vom Tüv geprüft und haben wahrscheinlich noch ein weiteres Jahr vor uns.“

CDU findet die Äußerungen des BER-Chefs verdächtig

Nach Ansicht von Christian Gräff, CDU-Obmann im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses, sät Lütke Daldrup mit seiner Kritik an den Bauvorschriften Zweifel an den Zuständen auf der Baustelle. Die Äußerungen des BER-Chefs „lassen nichts Gutes hoffen“, sagte Gräff.

Wenn jemand, der jahrzehntelang politisch Verantwortung getragen habe, in seiner Funktion als Flughafenchef des hoch komplexen BER-Neubaus die Vorschriften zum Thema macht, werfe das Fragen auf. Etwa, ob Lüdtke Daldrup das Großprojekt BER noch im Griff habe. „Möglicherweise ist dem Geschäftsführer längst bewusst, dass der Eröffnungstermin im Jahr 2020 nicht zu halten ist, dann muss er es aber auch offen sagen“, sagte Gräff. (dpa/Tsp)

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