Berliner Gastronomieszene : Restaurants und Köche gehen

Das Zwei-Sterne-Restaurant Spitzenlokal „Reinstoff“ schließt Ende 2018. Und Tim Raue verlässt das „Sra Bua“ im Adlon.

Berliner Noch-Sternekoch Daniel Achilles, Küchenchef im "Reinstoff".
Berliner Noch-Sternekoch Daniel Achilles, Küchenchef im "Reinstoff".Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Im Wochenrhythmus Neues aus der Berliner Gastronomieszene – und selten ist eine gute Nachricht dabei. Am gestrigen Donnerstag teilte das Zwei-Sterne-Restaurant „Reinstoff“ mit, dass es zum Jahresende schließen wird. Küchenchef Daniel Achilles und Sabine Demel, die Betreiber, haben den nach zehn Jahren auslaufenden Pachtvertrag für die Räume in den Edison-Höfen in Mitte zur Besinnung genutzt und sind nun auf der Suche nach neuen Räumen in der Stadt. Gespräche würden schon geführt, hieß es.

Hauptgrund der Schließung ist wohl die sehr kleine Küche, die auch noch im Keller liegt. „Leider war und ist unser Restaurant rein logistisch gar nicht für diese Form der Gourmet-Küche ausgelegt“, heißt es in der Presseerklärung, „so dass wir immer mehr an unsere Grenzen gestoßen sind und diese immer weiter nach hinten verschoben haben“. Ab Juli soll es nun bis zum Jahresende ein spezielles Menü mit den besten Gerichten der zehn Jahre geben. Angefangen hatte Achilles seinerzeit noch mit Effekten aus der „Molekularküche“, die er als Küchenchef bei Juan Amador in Frankfurt am Main perfektioniert hatte. Heute ist er spezialisiert auf eine betont naturnahe Küche, die sich aber nur zum Teil direkt auf die engere Berliner Region bezieht.

Zweites Restaurant verliert Michelin-Sterne

Das „Reinstoff“, das zur deutschen Spitze gehört, ist nun schon das zweite Berliner Zwei-Sterne-Restaurant, das diese hohe Auszeichnung im nächsten Guide Michelin verlieren wird, denn das „Fischers Fritz“ im Regent-Hotel schloss bereits am Jahresende 2017 – hier wollte offenbar das Hotel das Luxus-Konzept von Christian Lohse nicht mehr. Der Nachfolger heißt „Fritz & Charlotte“, ein typisches Hotel-Restaurant mit breitem Angebot.

Verschwunden sind in den letzten Wochen, wie berichtet, außerdem das „Glass“ und das „Alt Luxemburg“, beide in Charlottenburg. Die Betreiber mussten aufgeben, weil sie sich mit dem jeweiligen Hausbesitzer nicht über den Fortgang einigen konnten. Gal Ben Moshe vom „Glass“ hat deshalb seine Nominierung für den Titel „Berliner Meisterkoch 2018“ zurückgegeben. Pikanterweise steht auf dieser Fünfer-Liste mit nominierten auch Daniel Achilles. Er hat sich dazu aber noch nicht geäußert.

Tim Raue eröffnet Restaurant in Potsdam

Auch im Reich von Tim Raue gibt es eine Änderung: Seine Partnerschaft mit dem „Sra Bua“ im Hotel Adlon läuft nach fünf Jahren zum Jahresende aus. „Es waren fünf tolle Jahre“, sagt er, „aber jetzt brauche ich meine Leute auch für neue Projekte.“ Zum einen will er das vor Jahren immens erfolgreiche „La Soupe Populaire“, die Heimat der berühmten Königsberger Klopse à la Obama, endlich wiederbeleben und hat dafür mögliche Standorte ins Auge gefasst; die Namensrechte besitzt er aber nicht und wird deshalb ein neues Etikett finden müssen. Das Restaurant in der alten Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg musste für die Komplettsanierung des Gebäudes geschlossen werden, die offenbar viel länger dauert, als Raue seinerzeit angenommen hatte. Eine Wiedereröffnung an alter Stelle hat er deshalb schon vor längerer Zeit kategorisch ausgeschlossen.

Tim Raue verlässt das Adlon und bringt Neues nach Potsdam.
Tim Raue verlässt das Adlon und bringt Neues nach Potsdam.Foto: Michael Kappeler dpa

Und er hat noch eine weitere Überraschung im Ärmel, nämlich ein Restaurant in Potsdam, das im kommenden Jahr eröffnet werden soll. Die Hauptstadt nebenan stagniert kulinarisch seit längerer Zeit – der einzige frische Wind kam in diesem Jahr durch den Umzug des „Kochzimmers“ aus Beelitz an den Neuen Markt in Potsdam.

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