Berliner Verwaltung : "Viele Vorgesetzte sperren sich gegen die Digitalisierung"

Eine interne Umfrage in Berlins Verwaltung zeigt: Die äußeren Probleme sind auch innere. Es hapert an der Kommunikation. Aus dem Tagesspiegel-Checkpoint.

Die Einführung der elektronischen Akte ist für viele Beschäftigte in der Verwaltung das Interessenthema Nummer Eins.
Die Einführung der elektronischen Akte ist für viele Beschäftigte in der Verwaltung das Interessenthema Nummer Eins.Foto: Christophe Gateau/dpa

In Berlins Verwaltung wird die elektronische Akte weiterhin unter dem Aktenzeichen XY ungelöst abgeheftet. Eine interne Beschäftigtenumfrage, veröffentlicht im Intranet, zeigt, dass die äußeren Probleme innere sind: Sie fangen mit K an und hören mit ommunikation auf.

Beim Thema Modernisierung fühlen sich nur zehn Prozent der befragten Beschäftigten des Landes Berlin gut informiert; Infos dazu findet nur jeder Zehnte gut auffindbar und verständlich. „Die Mitarbeiter werden von Senat, Stadträten oder Vorgesetzen alleine gelassen“, kommentiert der FDP-Abgeordnete Florian Swyter.

Tagespresse, Intranet und Kollegen als Informationskanäle

Interessant sind die Kanäle, über die die Beschäftigten sich auf dem aktuellen Stand halten: Um sich über aktuelle Themen der Verwaltungsmodernisierung zu informieren, werfen knapp die Hälfte der Beschäftigten (46,4 Prozent) täglich oder mehrmals in der Woche einen Blick in die Tagespresse, dicht gefolgt vom Beschäftigtenportal (45,5 Prozent), gut 44 Prozent tauschen sich mit Kolleginnen und Kollegen täglich oder mehrmals wöchentlich darüber aus.

Knapp 66 Prozent der Befragten gaben an, sich mehrmals im Monat oder mehrmals im Jahr über ihre Vorgesetzten zu informieren (knapp 20 Prozent sogar täglich oder wöchentlich).

"Vorgesetzte weigern sich: Haben wir schon immer so gemacht"

Am liebsten möchten die Mitarbeiter über analoge und digitale Kanäle informiert werden: So wünschen sich knapp zwei Drittel mehr Informationen über das Beschäftigtenportal, knapp die Hälfte über Vorgesetzte und Newsletter. Interessenthema Nr. 1 ist dabei ganz klar die Einführung der E-Akte.

Allein die wörtlichen Zitate von Betroffenen über den Willen zum Wandel zeigen den zerzausten Zustand: „Leider sperren sich viele, insbesondere Vorgesetzte, gegen die Digitalisierung.“ - „Hier ist der Tenor: War schon immer so und bleibt auch so.“ - „Vorgesetzte weigern sich: Haben wir schon immer so gemacht.“ - "Oft verbringe ich viel Zeit mit Informationsrecherche, um überhaupt arbeitsfähig zu werden. Manche Infos erhalte ich zu spät oder nie, da sie bei einem Bearbeiter 'versunken' sind." So offenbart Berlins Verwaltung einen inneren Zweck, der nicht ihr äußerer werden darf: Selbstverwaltung.

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Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-"Checkpoint" vom Donnerstagmorgen entnommen. Den Newsletter vom Team um Chefredakteur Lorenz Maroldt können Sie unkompliziert bestellen unter: tagesspiegel.de/checkpoint

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