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Die ersten von später mehr als 1600 dunkelgrauen Solarmodulen wurden bereits auf dem Stadion installiert.

© Solarwatt

Tagesspiegel Plus

Auf dem Weg zur Klimaneutralität: Das Olympiastadion erzeugt seinen Strom bald selbst

Die ersten von 1600 Solarmodulen sind auf dem Olympiastadion installiert. Ihr Strom lässt Flutlicht und Klimaanlage sauberer werden. Das gefällt sogar Coldplay.

Rund 20 Meter Stufen muss man erklimmen. Ganz oben angekommen auf dem Dach des Olympiastadions kann man nicht nur die Olympischen Ringe aus ungewohnter Perspektive bestaunen sondern auch die ersten von später mehr als 1600 dunkelgrauen Solarmodulen, die seit Donnerstag auf dem äußeren Betonring des Daches installiert werden.

Sie sollen – die übliche Sonneneinstrahlung vergangener Jahre vorausgesetzt – rund 615.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. Das wäre rechnerisch genug für die Komplettversorgung von mehr als 200 Drei-Personen-Haushalten.

Der ganz überwiegende Teil der Energie soll aber vor Ort verwendet werden, um die Lüftung, Kühlung und Beleuchtung des Stadions zu speisen. Läuft alles nach Plan, könnte die Anlage bereits im Frühjahr in Betrieb genommen werden.

Die Solarplatten sollen rund 615.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen.
Die Solarplatten sollen rund 615.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen.

© Solarwatt

Die Erzeugung und Nutzung von Solarstrom ist nicht nur aus ökologischer Sicht absolut sinnvoll. Solarenergie ist mit Abstand die wirtschaftlichste Energiequelle, die es gibt“, behauptet Detlef Neuhaus, Geschäftsführer des Herstellers Solarwatt aus Dresden, der die Solarmodule liefert. Damit sei das Stadion zumindest in Teilen unabhängig von den steigenden Energiepreisen.

Ein ganz wichtiger Baustein, an dem wir arbeiten, ist der Batteriespeicher mit sogenannten Second-Life-Batterie.

Timo Rohwedder, Geschäftsführer Olympiastadion GmbH

Die Unabhängigkeit von der öffentlichen Stromversorgung soll außerdem erhöht werden, indem Batteriespeicher verwendet werden, die überschüssige Energie aufnehmen. Ein erster Schritt in Richtung klimaneutrales Stadion. „Ein ganz wichtiger Baustein, an dem wir arbeiten, ist der Batteriespeicher mit sogenannten Second-Life-Batterie“, sagt Timo Rohwedder, Geschäftsführer der landeseigenen Olympiastadion GmbH. Wenn der Speicher in Betrieb genommen werde, sei „das Stadion in der Tat klimaneutral“.

Auftritte von Coldplay werden dadurch klimafreundlicher

Die Idee für das Projekt wurde bereits vor sechs Jahren auf den Weg gebracht. Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt. Deshalb wurde mit dem Denkmalschutz Berlin zusammengearbeitet und das Projekt so angelegt, dass es sich optisch in das Stadion einfügt und auch die Dachkonstruktion nicht beeinträchtigt.

Von Seiten der Sportverbände habe es bereits positives Feedback gegeben, sagt Rohwedder. „Bei der Auswahl der Stadien und Spielstätten wird großen Wert darauf gelegt, dass sie mit regenerativer Energie den Sportbetrieb bestreiten. Die DFL (Deutsche Fußball Liga, Anm.) hat in ihren Lizenzierungsanforderungen für die Vereine auch Nachhaltigkeitskriterien festgelegt.“

Aber Nachhaltigkeit spielt auch in der Eventbranche eine wichtige Rolle: Die Band Coldplay etwa, die im Juli gleich drei Abende im Olympiastadion spielen will, hätte ein Konzert an diesem Ort vermutlich abgelehnt, wenn kein Ökostrom oder regenerative Energien genutzt werden würden.

Manuel Thielmann vom Ökoenergieversorger Polarstern, der die Anlage betreibt, betont deshalb: „Wenn wir über Energiewende sprechen, dann muss es eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir die Dachflächen und ihr Potenzial auch nutzen.“ Die Anlage auf dem äußeren Betonring des Stadiondachs würde maximal ausgebaut, soweit der Brandschutz und der Denkmalschutz es eben zuließen. Seine neuen Geschäftspartner und er hoffen, dass ihre Anlage auch andere Stadionbetreiber motiviert, sich eine ähnliche Anlage aufs Dach zu holen.

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